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Als Wismar wieder Garnisonsstadt wurde

Wismar Als Wismar wieder Garnisonsstadt wurde

1935: Entgegen internationaler Verträge führte das Nazi-Regime die Wehrpflicht ein

Wismar. Entgegen den gültigen internationalen Verträgen von Versailles nach dem Ersten Weltkrieg, führt das Nazi-Regime am 15. März 1935 die allgemeine Wehrpflicht ein.

Noch im gleichen Jahr wurde Wismar Garnisonsstadt. Grund war die Inbetriebnahme der „Wangenheimkaserne“ (II. Bataillon Infanterie Regiment 89) an der Parkstraße am 12. Oktober 1935. 1920 mussten die letzten Einheiten der übrig gebliebenen kaiserlichen Armee aus den Kasernen Scheuerstraße und Mühlenstraße durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung ihre Quartiere räumen. Dank der Mithilfe der damals jungen Sowjetunion unter Stalin konnte sich die Reichswehr, durch Unterlaufung der internationalen Abmachungen, in der Sowjetunion neu aufstellen.

Deutschland unterstützt die Sowjetunion

Deutschland unterstützte den Aufbau der sowjetischen Industrie, Kommandeure der Roten Armee erhielten eine Generalstabsausbildung im Deutschen Reich. Dafür erhielt die Reichswehr die Möglichkeit, Artilleriemunition aus der Sowjetunion zu beziehen, Kampfpiloten und Panzerkommandanten auf sowjetischem Boden auszubilden und dort chemische Kampfstoffe herstellen zu lassen. Deutsche und sowjetische Rüstungsexperten erarbeiteten neuartige Panzerprototypen unter dem Deckmantel der Traktorenproduktion. In der Ukraine wurden etwa 300 Piloten ausgebildet und bei Kasan wurden ab 1930 etwa 30 Panzerfachleute ausgebildet. So konnten die Nazis nach der Machtergreifung sehr schnell auf ein funktionierendes Heer zurückgreifen. Der Bau von Kasernen in den Städten war beschlossene Sache – und durch Vereinfachung der Architektur auf einen Kasernentyp– entstanden ab 1935 in ganz Deutschland Kasernenbauten.

Wismar feiert den Einzug der Garnison

In Wismar wurde der Einzug der neuen Garnison mit viel Militär und einer Militärparade unter großer Anteilnahme Wismarer Bürger gefeiert. Schon ein Jahr später wurde dann am 19. November 1936 die neue Flak-Kaserne am Krukower Weg und Lübsche Burg durch das Flaksturmregiment 61 bezogen. Hinzu kam noch am 31. Januar 1939 das Luftwaffenlazarett an der Dammhusener Chaussee. Damit war die militärische Aufrüstung in Wismar abgeschlossen. In der alten Kaserne Mühlenstraße, dem ehemaligen schwedischen Packhaus, zog ab 1921 die kasernierte Ordnungspolizei ein und in den 1930er Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg war hier der Sicherheitsdienst der SS untergebracht. Am 5. Januar 1948 eröffnete Dr. Claus Peters in der ehemaligen Polizei- und SS-Kaserne am Lindengarten mit der Poliklinik eine moderne medizinische Einrichtung. Ab 1994 bis zum März 2014 war hier das Wismarer Arbeitsamt untergebracht. In der ehemaligen Kaserne in der Scheuerstraße kamen nach Aufgabe der Wismarer Garnison 1920 hier zunächst zwei Hundertschaften der Ordnungspolizei unter. Später war es Obdachlosenheim, Wohnung, Berufsschule, Arbeitsamt und heute Feuerwehr und Bürogebäude der Hansestadt Wismar.

Am 10. Januar 1948 werden die 13 Kasernengebäude an der Parkstraße zum Wohnungsausbau zur Verfügung gestellt. Hier hatten sich schon Flüchtlinge und Arbeiter der Werft eingerichtet. Die sowjetische SMAD verweist darauf, dass bis zum 1. April 1948 der militärische Charakter beseitigt werden muss. Unbekannt, was die Landeszeitung am 15. Dezember 1947 berichtet: „dass hier im ,Werk der Jugend’ 35 Mädchen zwischen 14 und 25 Jahren aus Stroh und zu lieferndem Garn und Stoffstücken Hausschuhe, Fußmatten, Einkaufstaschen und anderes produzieren. Der Stundenlohn beträgt nur 50 Pfennig. Dabei ist es kalt und das Stroh feucht. Trotzdem herrscht eine gute Stimmung“.

Ingenieursnachwuchs übernimmt das Areal

Die Wismarer Ingenieurschule weiht am 30. April 1952 den ersten Bauabschnitt ihres neuen Hauptgebäudes an der Philipp-Müller-Straße auf dem Gelände der ehemaligen Infanteriekaserne ein. Danach sind auch schrittweise die Wohnungen wieder leer gezogen. Ab 1956 zog hier eine Grenztruppeneinheit der NVA bis zum Frühjahr 1973 ein. Die Hochschule hatte lange darum gerungen, die Gebäude zu übernehmen, und erst als das Hochschulministerium finanzielle Mittel zum Bau von Kasernen für die Einheit in Goldberg bereitstellte, zogen die „Grenzer“ aus. Auch die ehemalige Flakkaserne dient heute mit dem „phanTechnikum“, einer Seniorenanlage, einem Kindergarten und dem Bürgerpark friedlichen Zwecken. Hier waren vom 2. Juli 1945 bis zum 30. Juni 1993 Soldaten der Roten Armee kaserniert.

Detlef Schmidt

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