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Als das Mecklenburger Tor abgerissen wurde

Wismar Als das Mecklenburger Tor abgerissen wurde

Am 23. September 1905 beseitigt Bauunternehmer Heinrich Scharff die letzten Reste der Stadtmauer

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Blick in die Dankwartstraße (ehemals Karl-Liebknecht-Straße).

Quelle: Fotos: Sammlung Detlef Schmidt

Wismar. Am 23. September 1905 beseitigt der Bauunternehmer Heinrich Scharff die letzten Reste des in der Nacht vom 22. zum 23. Mai 1869 abgerissenen Mecklenburger Tores an der unteren Dankwartstraße. Es waren noch beträchtliche Tele der alten Stadtmauer vorhanden und die Stützpfeiler des alten Tores. Die Wappen des Tores waren schon kurz nach Abriss des Tores im Juni 1869 am Zeughaus in der Ulmenstraße angebracht worden. Die stadtseitige lateinische Inschrift des Tores war stadtseitig an einem Torpfeiler, wurde jetzt geborgen und am 5. März 1906 ist über der Rathauseingangstür die Platte mit dem lateinischen Spruch „ROBUR PRINCIPES EST FIDES CIVIUM. ANNO 1688“ angebracht. Übersetzt hat der Spruch durchaus politische Qualitäten, denn mit „Die Stärke des Fürsten ist die Treue der Bürger“ ist sehr viel ausgesagt. Zumindest haben die politischen Kräfte vor 1990 dies nicht mehr beachtet, denn die Bürger hatten ihnen schon lange die Treue versagt und ohne Bürger ist eben kein Staat zu machen. Das sollten neben den mecklenburgischen Herzögen auch alle diejenigen beachten, die in der Stadt Verantwortung tragen. Anderseits gibt es den Bürgern die Verpflichtung auf, dem Staat treu zu dienen. So macht eben der Spruch Sinn und unsere Vorfahren haben sich sicherlich etwas dabei gedacht. Damit drückte der schon immer selbstbewusste Wismarer Bürger „in Richtung Obrigkeit, wo auch immer sie ist“ aus, dass ohne ihr Mitwirken die Regierenden machtlos sind. Etwas verwunderlich mag es erscheinen, dass am Ausgang der Dankwartstraße das Mecklenburger Tor stand, doch es befand sich bis 1688 am unteren Ausgang der Mecklenburger Straße. Die Mecklenburger Straße wird um 1250 lateinisch als „platea Mag- napolensis“, um 1260 als „platea Mekelenborg“

OZ-Bild

Am 23. September 1905 beseitigt Bauunternehmer Heinrich Scharff die letzten Reste der Stadtmauer

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und in heimischer Sprache um 1280 „Mekelingburgestrate“ recht früh erwähnt. Daneben gibt es im Verlaufe der Jahrhunderte noch mehrere Schreibweisen, aber sie beziehen sich immer auf die „Mecklenburg“. Diese stand im heutigen, dem Land Mecklenburg seinen Namen gebenden, Dorf Mecklenburg, das sechs Kilometer vor der Stadt liegt. In der „Mecklenburg“ hatte der Landesfürst seinen Sitz, ehe er ihn 1257 auch nach Wismar verlegte und die in die Stadt führende Straße erhielt danach ihren Namen, da hier kurzzeitig sich der Fürstensitz „Mecklenburger Hof“ befand. Am Straßeneingang zur Stadt befand sich das Mecklenburger Tor, das 1483 als großes Doppeltor beschrieben wird. Es war als recht repräsentatives Tor mit Zugbrücke gebaut worden. Nachdem 1688 der Ausgang der Stadt nach dem neuen Mecklenburger Tor an die Dankwartstraße verlegt wurde, ist dieser Teil der Straße zur Stadtmauer geschlossen worden. Hier endete die alte Mecklenburger Straße als Sackgasse und hieß bis zur Öffnung 1903„in der Kuhle“. Reste des alten Tores waren noch 1894 erhalten und erst 1903 wurde die Mecklenburger Straße zur Lindenstraße geöffnet. Damit konnte die Bebauung der Lindenstraße (heute Dr.-Leber-Straße) fortgesetzt werden. Die Verlegung des Tores zur Dankwartstraße sind rein praktischer Natur, da man hier gerade in die Stadt einfahren konnte.

Ab der Mitte des 19. Jahrhundert begann es aber an der Wismarer Stadtbefestigung zu bröckeln. Im Bereich des Bahnhofes hatte man schon eine Bresche in die Stadtmauer gehauen und am 1. Juli 1866 wurden die städtischen Torwachen in Pension geschickt. Der Wismarer Rat und die Bürgerschaft hatten entschieden, die Befestigungen abzureißen. Nach den jahrhundertelangen Benachteiligungen durch Besetzungen und Kriege, wollte man die Voraussetzungen für freien Handel und Gewerbe schaffen. Da störten die Tore nur. Das Mecklenburger Tor war eines von vier entfernten Toren, das Wassertor blieb erhalten. Nach der Beseitigung der letzten Stadtmauerreste 1905 an der unteren Dankwartstraße wurden die Häuser Dankwartstraße 60 und 62, sowie Lindenstraße 93 errichtet. Durch den Abbruch der Befestigung an der unteren Mecklenburger Straße 1902 begannen auch hier die Bautätigkeiten. Man riss alte Wohnbuden, die die Stadt Wismar angekauft hatte, ab und errichtete hier die Häuser Mecklenburger Straße 50 – 56 und Lindenstraße 77 und 79. Ein weiterer Stadtmauerrest ist dann 1904 an der beidseitig bebauten Bergstraße, die am19. Dezember 1909 ihren Namen bekam, abgerissen, so dass man auch hier einen freien Durchgang hatte. Letztendlich ist am 25. März 1909 im oberen Teil der Turmstraße im Übergang zur Schatterau der letzte Teil der Mauer entfernt worden. Hier stehen heute die Häuser Turmstraße 72 und 74, die an das Haus Schatterau 34 angrenzen. Heute werden gut erhaltene Reste der alten Mauer noch in der Dr. Leberstraße und an der Wallstraße denkmalpflegerisch behandelt.

Was sonst noch geschah

23. September 1945: Wismarer Fußballer bestreiten erste Auswärtsspiele.

25. September 1868: Abriss des Altwismar-Tores.

25. September 2014: Unterzeichnung des Vertrages zur Nutzung von St. Georgen durch die Hansestadt Wismar und den Kirchgemeinden St. Georgen und St. Marien.

25. September 2014: Heike Bansemer (SPD) wird als Senatorin im Ehrenamt zum 1. Oktober 2014 vereidigt. Andreas Wellmann, seit dem 8. Mai 2011 Senator im Ehrenamt, scheidet aus und geht nach Schwerin.

Detlef Schmidt

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