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Alternative zum Lehrermangel: Seiteneinsteiger in den Schulen

Grevesmühlen Alternative zum Lehrermangel: Seiteneinsteiger in den Schulen

48 Männer und Frauen arbeiten an den Schulen im Land, obwohl sie kein Lehramtsstudium abgeschlossen haben — und es werden noch mehr gesucht.

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Seiteneinsteigerin Sabrina Pohlmann ist seit diesem Schuljahr an der Wasserturm-Schule für Mathematik und Physik zuständig.

Quelle: Maik Freitag

Grevesmühlen. In Mecklenburg- Vorpommern gibt es aktuell 566 freie Lehrerstellen. Sie alle zu besetzen, daran glauben weder die Verantwortlichen in den Ministerien und Behörden noch in den Schulen. Aber: Damit der Unterricht abgesichert werden kann, müssen 392 Lehrer eingestellt werden. Um diese Stellen zu besetzen, wird vermehrt auf Seitensteiger gesetzt. Dabei handelt es sich um Fachkräfte aus der Wirtschaft, die über jede Menge Erfahrung verfügen — allerdings besitzen sie (noch) keine Lehrbefähigung. 48 Seiteneinsteiger gibt es derzeit landesweit. In Grevesmühlen gibt es zwei allein dieser Stellen.

Als Seiteneinsteiger arbeitet beispielsweise Sabrina Pohlmann (32). An der Grevesmühlener Wasserturmschule unterrichtet sie Mathematik und Physik. „Mathe war schon in der Schule meine Leidenschaft“, sagt Sabrina Pohlmann, die im Jahr 2000 ihr Abitur gemacht hat. Zehn Jahre lang war die Grevesmühlenerin nach ihrem Betriebswirtschaftsstudium im Büro tätig. Dann folgte sie ihrem innersten Wunsch.

„Schon während des Abiturs wollte ich Lehrerin werden, da auch meine Eltern Lehrer sind“, sagt sie. Doch es kam anders, als das Lehrerbildungsgesetz im gleichen Jahr eine negative Tendenz an Lehrereinstellungen prognostizierte. „Meine Eltern rieten mir davon ab und ich habe was anderes gemacht.“ Doch während ihrer Elternzeit wurde der Wunsch wieder intensiv geweckt. „Allerdings bestand jetzt das Risiko, nach dem befristeten Vertrag nicht weitermachen zu dürfen“, erklärt die Seiteneinsteigerin. Doch Sabrina Pohlmann hatte Glück. Schon jetzt weiß sie, dass sie auch im kommenden Schuljahr unterrichten wird. „Meine Mutter ist meine Tutorin hier an der Schule. Besser kann ich es nicht haben. Jetzt hat man mir gesagt, dass mein Vertrag verlängert wird. Ich freu mich riesig.“

Teilnehmen wird Sabrina Pohlmann dann auch einem Qualifizierungslehrgang für Seiteneinsteiger, der im kommenden Schuljahr stattfinden soll. Für die bildungspolitische Sprecherin und Landtagsabgeordnete Simone Oldenburg (Die Linke) ist dieser Qualifizierungslehrgang das Mindeste, was das Land für seine Seiteneinsteiger tun kann. „Ich freue mich für jeden, der es sich zutraut, Kinder zu unterrichten. Gerade die Seiteneinsteiger sind motiviert und wollen sich weiterbilden. Doch das Land lässt sie im Stich.“ Für die Landtagsabgeordnete steht die Nachfrage an Lehrern in keinem Verhältnis dazu, die Qualifizierungen erst dann anzubieten, wenn der Lehrer schon an der Schule vorhanden ist und unterrichten muss. „Es muss eine viel zügigere Fortbildung passieren.“

Darüber dass die Betreuung bis dahin von der Schule abgesichert werden muss, ist der stellvertretende Schulleiter der Grevesmühlener Fritz-Reuter-Grundschule, Ralf Bendiks, nicht gerade erfreut. „Wir wissen, dass unsere Seiteneinsteiger nur für eine befristete Zeit bleiben. Wenn sie die erforderlichen Kenntnisse erworben haben, müssen sie auch schon wieder gehen“, sagt der 51-Jährige. Dennoch steht er dem Prinzip Seiteneinsteiger positiv gegenüber. Häufig kommen die aus dem direkten Umfeld und sind bekannt. Das erleichtert die Zusammenarbeit, sagt Bendiks. Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) hat in seinem 50-Millionen-Euro-Qualifizierungspaket immerhin eine Million für die Ausbildung von Seiteneinsteigern vorgesehen. Deshalb sieht er dadurch künftig „eine bessere und keine schlechtere Qualifikation.“ Profitieren will davon im kommenden Schuljahr auch Sabrina Pohlmann, die nach bestandener Qualifizierung ihre Lehrbefähigung erhält.

Qualifizierung
Aktuell laufen im Land zwei Qualifizierungsmaßnahmen für Lehrer im Seiteneinstieg. 20 Teilnehmer absolvieren einen berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst für das Lehramt an beruflichen Schulen. Desweiteren gibt es eine Qualifizierungsmaßnahme gemäß „Erlass zur Einstellung von Bewerbern ohne Lehrbefähigung (Seiteneinsteiger)
in den Schuldienst Mecklenburg-Vorpommerns mit 36 Teilnehmern.
10 Lehrkräfte an allgemein bildenden Schulen, 19 an beruflichen Schulen besitzen einen Mastergrad oder einen vergleichbaren Abschluss eines Hochschulstudiums (ohne Lehramt), aus dessen Abschluss zwei Fächer angeleitet werden können.

 



Maik Freitag

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