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Wismar „Andante“ in Wismarer Galerie
Mecklenburg Wismar „Andante“ in Wismarer Galerie
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00:01 10.06.2017
Sibylle Waldhausen (l.) und Christina Pohl inmitten ihrer Kunstwerke in der Galerie Hinter dem Rathaus in Wismar. Quelle: Foto: Nicole Hollatz
Wismar

Mit „gehend“ oder „schreitend“ übersetzt der Musiker das Zeitmaß „Andante“, das Christina Pohl und Sibylle Waldhausen zum Titel ihrer Ausstellung erkoren haben.

„Gehen“ die Malereien und Plastiken der beiden Künstlerinnen in der Galerie Hinter dem Rathaus in Wismar? Sie ergänzen sich, bauen miteinander einen Spannungsbogen auf. Sie wirken.

Einerseits die sehr farbintensiven Bilder von Christina Pohl. Die Künstlerin mit den leuchtend roten Haaren arbeitet großformatig mit einer einprägsamen Formsprache. Wenige Objekte, leuchtende Farben in nur zwei Dimensionen, große (Farb-) Flächen. Ein Tisch mit einem halbvollen (oder halbleeren?) Glas, ein Stuhl, der wirkt, als wäre der Sitzende gerade erst aufgestanden. Ein bisschen Architektur und eine wegguckende Katze als einziges Lebewesen im Bild. Trotz der sommerlichen Farbigkeit schafft Christina Pohl Stillleben. In ihrer „Verheißung vom Strand“ ist es der Hund, der auf die sonst lebensleere Szenerie blickt. „Vor der Saison“, schmunzelt die Künstlerin. Als menschenleer sieht sie ihre Werke nicht. „Das ist der Blick eines Menschen in die Welt.“

Ganz menschlich die Werke von Sibylle Waldhausen. Bronzefiguren – Schwestern, kleine Fremde, Madonna. In einem Geschoss der Galerie stehen diese Menschenbilder in ihrer metallenen Schwere und Dunkelheit den eigentlich fröhlichen Bildern Christina Pohls gegenüber. Im Dachgeschoss kippt die Gegenüberstellung. Ein Raum voller Boote von Sibylle Waldhausen. Darin menschliche Figuren, mal schwankend, mal mit dünnen Beinchen sitzend. „Fluchtversuch“, „Abschied“ oder „Die Rettung“ heißen die Bronzeplastiken. Ein Boot ist längst in drei Teile zerbrochen. Menschen sind nicht mehr an Bord.

Dahinter die „Sommerbilder“ von Pohl als Bruch, als farblicher Kontrast. Wie eine andere, eine buntere Welt. Wieder menschenleer mit dem Gefühl, der Voyeur in dieser Szenerie zu sein. „Sie ist ja immer da, diese Bedrohung“, kommentiert Christina Pohl das Thema Flucht.

Bedrohlich wirkt die überdimensionale Spinne der Bildhauerin. „Eine tote Spinne, ganz aktuell“, erklärt Sibylle Waldhausen den Unterschied zu den sonst menschlichen Figuren und lacht. „Die nächste ist lebendig!“

Zum dritten Mal stellen die beiden Frauen zusammen aus. Sie fühlen sich verbunden. „Und plötzlich gibt es Schnittmengen“, berichtet Sibylle Waldhausen vom Ausstellungsaufbau, bei dem mitunter Werke einfach so passen, wie abgesprochen.

Die Werke sind noch bis zum 1. Juli zu sehen, dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Künstlerinnen

Christina Pohl, 1961 in Berlin geboren, hat Kommunikationsdesign studiert und später Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Sie war Meisterschülerin bei Prof. Werner Liebmann. Die Künstlerin arbeitet und lebt in der Uckermark.

Sibylle Waldhausen, 1963 in Berlin geboren, hat einen Abschluss als Diplom-Museologin, studierte später an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee im Fachbereich Bildhauerei. Sie arbeitet freischaffend in Berlin.

Nicole Hollatz

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