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Wismar Andrang beim OZ-Forum: Experten klären zu Vorsorge auf
Mecklenburg Wismar Andrang beim OZ-Forum: Experten klären zu Vorsorge auf
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00:01 22.04.2017
Beantworteten Fragen zum Thema Vorsorge und Pflege: Notar Torsten Homburg, Kathrin Menck vom Pflegestützpunkt Grevemühlen, AOK-Nordost-Sprecher Markus Juhls, Stefanie Herrmann vom Pflegestützpunkt Wismar und Niclot von Stralendorff, Geschäftsführer der Notarkammer MV (v.l.). Quelle: Fotos: Michaela Krohn

Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht – wo liegen die Unterschiede, was ist das und wofür brauche ich so etwas? Antworten auf diese Fragen gaben gestern Abend ausgewiesene Experten den knapp 100 Gästen des OZ-Leserforums in der Hochschule Wismar. Vorsorge ist für viele ein heikles Thema: Wenn eine Krankheit oder Unfall dazu führen, dass man nicht mehr selbst entscheiden kann. Etwa darüber, ob das Krankenhaus lebensverlängernde Maßnahmen einsetzt, wer Zugriff auf das Bankkonto hat, wer die Wohnung kündigen darf und wer über die Unterbringung in einem Heim entscheidet.

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Mehr als 100 Besucher interessieren sich für Pflege und Vollmachten

Pflege ist nicht planbar und kann jeden treffen

„Pflege ist altersmäßig nicht planbar, aber sie kann jeden treffen“, mahnt Markus Juhls, Sprecher der AOK Nordost. Viele Leute glaubten, dass automatisch Ehepartner untereinander, Eltern für ihre Kinder und Kinder für ihre Eltern entscheiden können. „Das ist ein Irrtum“, sagte Juhls.

Bei Kindern endet die gesetzliche Vertretung mit der Volljährigkeit. Bei Eheleuten gibt es sie gar nicht – wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt. Der Gesetzgeber will das zwar ändern, allerdings nur für die medizinische Versorgung. Noch ist völlig unklar, wann diese Neuerung kommt. Derzeit gilt: Ist nichts geregelt, entscheidet ein Gericht, machte Juhls klar. Besser sei es immer, die Regelungen für die Vorsorgen aktiv selbst in die Hand zu nehmen.

Hilfe geben dabei die Pflegestützpunkte, die von den Pflegekassen und den Kommunen betrieben werden. Vom Pflegestützpunkt Wismar beantwortete Stefanie Herrmann die Fragen der Gäste beim Forum. Ein Besucher wollte unter anderem wissen, ob diese Vollmachten auch aktualisiert werden müssen. „Generell sind sie ein Leben lang gültig“, sagt die Sozialberaterin. Wenn aber die Angehörigen umziehen, nicht mehr so schnell greifbar sind oder man sich auch mal zerstreitet, „dann besser aktualisieren und auch mal jemand neues bestimmen“, rät Stefanie Herrmann.

Auch Norbert Gosse hatte großes Interesse an der Veranstaltung. „Ich bin jetzt 84 Jahre alt. Ich bin zwar noch fit, will aber wissen, wie ich am besten vorsorgen kann“, sagt der Wismarer. Seine eigene Beerdigung hätte er schon geplant – immer nach dem Motto: „Lieber alles vorher regeln.“

Pflegestützpunkte helfen kostenlos

Pflegeberaterin Kathrin Menck vom Pflegestützpunkt Grevesmühlen bestätigt dies: „Es gibt viel Informationsbedarf bei unseren Klienten. Viele kommen und haben Fragen.“ Andere müsste sie hingegen immer mal wieder auf dieses wichtige Thema stoßen. Sie treffe immer auch Menschen, die nicht daran denken. „Sie glauben, es geht ihnen noch gut. Sie sind gesund und wollen lieber nicht über so etwas nachdenken“, sagt die Pflegeberaterin.

Dass das dann zu spät ist, darauf pocht AOK-Nordost-Sprecher Markus Juhls besonders. „Auch ein 22-Jähriger kann nach einem Unfall Pflege benötigen und jemanden, der Vollmachten für ihn übernimmt.“

Jeder Fünfte ist älter als 65

Knapp 80 000 Menschen in MV sind pflegebedürftig - für sie gewinnt eine Vorsorgevollmacht an Bedeutung. Prognosen gehen davon aus, dass ihr Anteil an der Bevölkerung steigt. Heute ist im Nordosten etwa jeder Fünfte mehr als 65 Jahre alt, 2030 soll das für fast jeden Dritten gelten.

Zurzeit sorgt die Reform der Pflegeversicherung für Unruhe. Statt drei Pflegestufen gibt es nun fünf Pflegegrade. 75 ausgebildete Gutachter prüfen im Auftrag der Kassen die Pflegebedürftigkeit, ihre Zahl wurde extra aufgestockt.

Michaela Krohn

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