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Apotheker soll Pastor vergiftet haben

Wismar Apotheker soll Pastor vergiftet haben

Die Löwen-Apotheke in Wismar wurde am 4. Juni 1851 erstmals erwähnt

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Die Löwen-Apotheke in Wismar um 1982. Fotos (2): Sammlung Detlef Schmidt

Wismar. Am 4. Juni 1851 erwähnte die „Wismarsche Zeitung“ erstmalig den Namen „Löwen-Apotheke“ in einer Verkaufsanzeige: „Wohn- und Apothekenhaus, früher die untere Apotheke, jetzt die Löwen-Apotheke genannt“. Sie ist 1659 von Mathias Scheffel eröffnet worden. Im Gegensatz zur Ratsapotheke wurde sie immer die „kleinere“ oder „untere Apotheke“ genannt, was für manch einen schon geringschätzig war, aber besonders, wenn der Ratsapotheker den Eigentümer der Apotheke am Hopfenmarkt „Nebenapotheker“ nannte. Von einem ersten Apotheker wird um 1280 in Wismar berichtet, der in der Krämerstraße ein Haus besaß. In Rostock gab es eine 1260 und in Hamburg 1265. Diese Apotheken wurden von Kaufleuten betrieben, die Gewürze, Drogen und fremde Kräuter einführten, diese verarbeiteten oder auch unverarbeitet verkauften. Auch Wein und Branntwein gehörte zum Sortiment. Aus diesem Handel entstanden Apotheken. Die Mönche der verschiedensten Orden versorgten die Bürger medizinisch und stellten auch allerhand Kräuter selbst her. In Wismar schlossen nach der Reformation in der Mitte des 16. Jahrhunderts das Graue und Schwarze Kloster und der Rat stand vor der Aufgabe, die Gesundheit seiner Bürger zu erhalten. Die medizinische Versorgung übernahmen Ärzte und auch Apotheken, deren Eigentümer nicht immer ausgebildete Apotheker waren.

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Die Löwen-Apotheke in Wismar wurde am 4. Juni 1851 erstmals erwähnt

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Nicolaus Eggebrecht, Stadtsekretär und Notar in Wismar, war Eigentümer der späteren Ratsapotheke in Wismar und bekam als erster „Apotheker“ den Titel „Ratsapotheker“. Ob er da nachgeholfen hat, ist nicht überliefert. Der Wismarer Rat selbst bestimmte, wer eine Konzession zum Betreiben einer Apotheke bekam und ließ ab 1594 die Apotheken durch den Stadtphysikus überprüfen. Wie notwendig dies war, zeigt der Tod der Familie des Superintendenten Freder. Diese hatten beim Ratsapotheker und Notar (!) Eggebrecht Gewürzwein gekauft und daran sollten nun sechs Personen verstorben sein. Eggebrecht wurde des Giftmordes beschuldigt und das Kaisergericht in Speyer verurteilte ihn, dass er „gefänglich eingezogen und in eine böse schwere Gefängnis, im Thurm zu Wismar, bey dem alten Wismar Thor gelegen, gelegt und mit eisernen Ketten an beyden Beinen angeschlossen und an einer grossen und starken Ketten, so an der Mauer festgemachet und nun in die 15 Monate lang, erzehlter gestalterbermlichen und schwerlichen, mit eisernen Ketten Tag und Nacht angefesselt und gefenglich gehalten“.

Beweisen konnte man Nicolaus Eggebrecht nichts und die Familie erwirkte seine Freilassung, mit der Auflage, dass Nicolaus Eggebrecht vier Jahre Hausarrest verbüßen musste. 1576 starb Nicolaus Eggebrecht und 1580 verkaufte seine Witwe die Apotheke an die Stadt Wismar, die über 200 Jahre selbst bis 1819 verpachtete. Wegen der hohen Kosten für den Rathausneubau verkaufte Wismar seine Ratsapotheke 1819 für 8000 Taler. Der erste Pächter der Ratsapotheke war Johann von Schönfeldt aus Itzehoe, der 1582 die Apotheke in einer denkbar schlechten Zeit übernahm. Es grassierte gerade die Pest in Wismar. Es sind in dieser Zeit 2000 Menschen in Wismar verstorben, darunter auch Schönfeldts Frau und drei seiner Kinder. 1594 verstarb Schönfeldt und seinem Nachfolger Christoph Edeling aus Kolberg wurde kein gutes Wirtschaften in der Ratsapotheke bestätigt. Doch Edeling beschuldigte nun wiederum den Wismarer Johann Nenne, der zwar „Apothekenkunst erlernet“, aber mit Gewürzen handelte, als „Nebenapotheke“ und das ohne Konzession! Nenne wiederum war äußerst beliebt in Wismar und erwirkte eine Überprüfung der Ratsapotheke, da „auff ihrer Apotheken viel und hoch schedtliche Mängel gespüret und vorhanden seien“. Nun schritt der Rat ein und der erste angestellte Stadtphysikus, der in Antwerpen geborene Dr. Peter Budanus, führte mit Dr. Assverus eine gründliche Revision ab dem 22. Mai 1599 durch. Auf 32 Seiten sind alle vorhandenen Medikamente aufgeführt und was man fand, war nicht gerade rühmlich für den Ratsapotheker Ederlich. Viele Mittel waren abgelaufen oder „die Kraft ist weg, darumb man hat es abgethan“. Die Apothekenräume sind dann am 11. Juni 1599 in Begleitung der Bürgermeister und des Rates „visitiert“ worden. Dem Stadtphysikus wurde „bevohlen und auferleget, die mängel und gebrechen, so auf ihrer Apotheken befunden, nicht allein in fleissige Achtung zu nehmen, sondern auch dieselbe auch auffs Papier zu bringen“. Daraus entstand Wismars erste Apothekenordnung von 1599, die vom Rat bestätigt wurde. Eine zweite Ordnung erfolgte 1606, die einige wenige angepasste Abänderungen hatte. Sie sah unter anderem vor, dass die Arzneimittel alphabetisch und nach Gruppen gelagert werden, es ein amtliches Arzneibuch gibt, schlechte Arzneimittel sind auszusondern. Die Apothekenräume hatten sauber zu sein und verboten war es ausdrücklich, Arzneimittel wieder zurückzunehmen. Maßnahmen, die noch heute ihre Gültigkeit haben. 1741 gaben der Rat und die Bürgerschaft eine allgemeingültige Arzneipreismittelliste heraus, die dem Bürger Verlässlichkeit bot.

Bis 1844 gab es in Wismar zwei Apotheken. Am 1. Januar 1845 öffnete der Apotheker Carl Friedrich Framm mit der „neuen“ Apotheke, die spätere Hirsch-Apotheke, am Markt die dritte Wismarer Apotheke. Der Wismarer Rat hatte sie nur deshalb genehmigt, weil die Einwohnerzahl auf über 12000 gestiegen war und so gewährleistet werden konnte, dass auch der Apotheker nicht „brotlos“ wird.

Das ist heute etwas anders. In Deutschland versorgt statistisch gesehen eine Apotheke durchschnittlich 3800 Menschen. In Wismar gibt es bei gegenwärtig 42000 Bürger, 15 Apotheken – das sind 2800 Bürger pro Apotheke. Aber das ist bloße Statistik.

Was sonst noch geschah

4. Juni 1911 : Arzt, Historiker und Archivar Dr. Friedrich Crull gestorben.

4. Juni1932: Rede Joseph Goebbels im Schützenhaus und im Hotel „Zur Sonne“.

6. Juni 1229: Grundstücksüberlassungsurkunde des Landesfürsten Johann I. an „seinen Bürgern“ zwischen Wendorf und der Köppernitz (erste Erwähnung der Stadt Wismar) „ Geburtsurkunde der Stadt Wismar“. Der Ortsname „Wismar“ kommt insgesamt fünfmal vor, dabei ein Ort in der Uckermark bei Strasburg, bei Gießen, in der Altmark und bei Stettin. In Schweden gibt es eine „Herrschaft Wismar“.

8. Juni 1940: Erster, aber grundloser Fliegeralarm im Zweiten Weltkrieg.

8. Juni 2015: Der Wismarer Seehafen erhält 23,5 Mio Euro Fördermittel vom Land Mecklenburg-Vorpommern.

Detlef Schmidt

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