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Arbeitslos, aber keine Unterstützung vom Staat

Beidendorf Arbeitslos, aber keine Unterstützung vom Staat

Volker Schoel (59) aus Beidendorf fühlt sich ungerecht behandelt

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Beidendorf. Volker Schoel fühlt sich abgezockt. Seit Mitte Januar ist der 59-Jährige arbeitslos – bekommt aber weder Hartz IV noch Arbeits- losengeld. „Und dabei habe ich mein Leben lang eingezahlt“, sagt er. Vor fast drei Jahren kam Schoel aus Nordrhein-Westfalen nach Mecklenburg und zog zu Gudrun Gilles nach Beidendorf ins Haus. Die 70-Jährige bekommt 1200 Euro Rente – laut Jobcenter genug für beide zum Leben. „Da wir länger als ein Jahr in einem sogenannten eheähnlichen Ver- hältnis wohnen, wird das so ge- wertet“, erklärt Schoel. Für ihn ein Unding. Zumal er künftig noch mindestens 150 Euro Krankenver- sicherung pro Monat bezahlen muss. Und das ohne jegliches Einkommen. Unverständlich für die beiden.

Volker Schoel (59) aus Beidendorf FOTO: VK

Bis zum Sommer vergangenen Jahres hat Schoel in einem Callcenter gearbeitet. Zeitvertrag. „Der wurde dann grundlos nicht verlängert“, erzählt er. „Also habe ich eine halbjährige Ausbildung zum Pfleger für Demenzkranke gemacht.“ Im Dezember hat er diese abgeschlossen, seitdem ist er arbeitslos. Es hieße zwar immer, dass Pflegekräfte gesucht werden. Volker Schoel hatte bisher aber noch kein Glück. Einige Bewerbungen laufen, einige Absagen hat er bereits. „So langsam wird es knapp“, sagt er. „Bis Mitte Februar bin ich noch krankenversichert, danach muss ich das selbst übernehmen.“

Beziehungsweise Gudrun Gilles.

Die beiden sind sich einig, 1200 Euro für zwei Leute könnten reichen. „Aber davon muss ja auch noch das Haus abbezahlt werden“, sagt die Rentnerin. Versicherungen, Nebenkosten – all das gehe ebenfalls noch von dem Betrag ab. „Und dabei leben wir schon sehr sparsam und achten beim Einkaufen auf Angebote“, sagt Gudrun Gilles. „Vom Sozialamt wurde mir geraten, mein Haus zu verkaufen“, sagt sie mit einem bitteren Lachen. Frech, finden die beiden solche Antworten. Doch Gesetz ist Gesetz: „Bei einer Lebensgemeinschaft geht der Gesetzgeber davon aus, dass beide Partner füreinander einstehen. Insbesondere im Notfall. Dies auch bei nichtverheirateten Paaren, die hier verheirateten Paaren gleichgestellt sind“, erklärt Martin Greiner, Geschäftsführer des Jobcenters in Wismar. Habe Schoel keinerlei Ansprüche, dann sei es leider so, dass auch die Krankenversicherung selbst getragen werden müsse, ebenso wie alle anderen individuelle Versicherungen und Beiträge. „Auch hier gilt das Einstehungsprinzip von Lebenspartnern. Ich kann Herrn Schoel nur raten – zur Wahrung von Rentenansprüchen – sich regelmäßig bei der Agentur für Arbeit um Arbeit zu bemühen“, empfiehlt Martin Greiner.

Volker Schoel ist zuversichtlich, dass er bald Arbeit finden wird. Trotzdem ärgert er sich über die Gesetzeslage. „Hätte ich eine eigene Wohnung und würde allein leben, dann wäre das alles kein Problem. Das würde mir bezahlt werden.“ Er fühlt sich ungerecht behandelt. „Andere nutzen die staatliche Hilfe regelrecht aus, mir wird lediglich eine unglückliche Situation zugeschrieben. Will der Staat denn ausgetrickst werden?“

Die beiden verlangen nicht viel. „Wenn wenigstens die Krankenversicherung bezahlt werden würde, dass wäre sehr hilfreich“, sind sie sich einig. Dass die Mitarbeiter des Jobcenters sich an die Gesetze und Vorgaben halten müssen, ist ihnen klar. „Aber in so einem Fall wünscht man sich ein Gesetzbuch mit Gummiband“, sagt Gudrun Gilles. Das, was bevorsteht, wenn Volker Schoel bis nächsten Mittwoch keinen Job findet, ist beiden unangenehm. Gudrun Gilles muss noch mehr für ihn bezahlen, er ist noch abhängiger. „So viel könnte ich mit Rasenmähen rund um das Haus gar nicht bei ihr abarbeiten“, winkt Schoel mit einem traurigen Lachen ab.

Vanessa Kopp

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