Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Auch mit hundert blitzt der Schalk noch aus den Augen

Wismar Auch mit hundert blitzt der Schalk noch aus den Augen

Jubilarin Auguste Pundt nahm gestern viele Glückwünsche entgegen / 1946 zog die rheinländische Frohnatur der Liebe wegen nach Wismar

Wismar. Das Telefon klingelt. Auguste Pundt nimmt die Glückwünsche zu ihrem 100. Geburtstag entgegen. Gar nicht lange und es läutet an der Haustür. Die nächsten Gratulanten kommen. Familienangehörige aus dem Rheinland.

 

OZ-Bild

Auguste Pundt beging gestern ihren 100. Geburtstag.

Quelle: Haike Werfel

Es sind

die Menschen, die meine Tante jung halten.“Großnichte Sigrid (63)

aus Lübeck

Wieder klingelt es. Diesmal steht der Bürgermeister vor der Tür. Thomas Beyer (SPD) bringt der Jubilarin Blumen und Glückwünsche nicht nur von sich und dem Wismarer Bürgerschaftspräsidenten. Er überreicht auch das Gratulationsschreiben von Erwin Sellering (SPD), dem Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern.

Auguste Pundt begrüßt die Gäste freundlich, will, dass sie an der Festtafel Platz nehmen und ein Stück Kuchen essen. Sektgläser klingen. Die Gratulanten stoßen mit ihr auf ihr Wohl an.

Sie sei damals vom Rheinland zum Urlaub nach Wismar gekommen, 1946. „Hier bleibe ich, hab ich gleich gesagt“, erzählt die Seniorin. Sie habe hier ihre große Liebe gefunden. Aber mehr will sie nicht verraten. Da blitzt der Schalk aus ihren Augen. „Es waren einige hinter ihm her, aber mein Mann hat gesagt: Die Frau muss ich haben.“ Später verrät sie noch, wie das gepasst hat, die rheinische Frohnatur mit dem als stur bekannten Mecklenburger. „Och, das hat gut gepasst. Ich habe in der Soße gerührt und das Beste kam raus.“ Alles lacht. Auch ihr Mann Heinrich Pundt sei lustig gewesen und konnte gut feiern.

Er hatte bis in die Siebzigerjahre ein Fuhrgeschäft mit Droschken und Pferden in seinem Mehrfamilienhaus mit Scheune und Garten in der Poeler Straße 13. „Tante Guste war um drei die erste im Stall bei den sechs Pferden, Schweinen und Zuchtsauen“, erzählt Großnichte Sigrid (63) aus Lübeck. „Die Tante hat selbst gearbeitet wie drei Pferde. Sie war immer für alle da, hat die Kinder der Mieter betreut, wenn die Mütter zur Arbeit mussten. Die Mieter waren dankbar, eine Frau von früher hat ihr auch schon gratuliert.“ Auguste Pundt sagt dazu nur, dass es schöne Zeiten waren, trotz der schweren Arbeit.

1980 ist ihr Mann verstorben, seit mehr als 20 Jahren wohnt sie in der Prof.-Frege-Straße 10. Bis vor zwei, drei Jahren kam sie ohne Hilfe aus. Jetzt kommt ein Pflegedienst, die körperlich schwere Arbeit hat Spuren hinterlassen. Aber sie liest jeden Morgen beim Frühstück ihre Zeitung „von vorn bis hinten, da darf mich keiner stören“, und sie kocht noch jeden Tag selbst. Auguste Pundt beginnt, eine Geschichte vorzutragen von „Gritje von Schwoffe“. Sie kann sie auswendig. Die Großnichte stimmt mit ein in rheinländischem Platt, liest aber vom Blatt ab. Das hätten beide Frauen einstudiert für die Familienfeier. „Damit stand ich schon früher auf der Bühne“, erzählt Auguste Pundt und ihre Augen strahlen. Nichte Waltraud (77) ist mit ihrem Mann aus Jever angekommen. Ihre Mutter, die jüngere Schwester der Jubilarin, ist im Januar mit 97 Jahren verstorben. Auguste Pundt ist das zweitjüngste von neun Kindern, zwei Jungen und sieben Mädchen. „Tante Guste war immer die hübscheste“, erzählt die Nichte. Viele Angehörige aus dem Rheinland könnten nicht mehr nach Wismar kommen, sagt sie, weil sie alt oder krank sind. „Das müssen wir dir erstmal nachmachen“, meint die Nichte zur Hundertjährigen. „Sag mir Bescheid, wenn’s soweit ist“, antwortet ihre Tante. Alles lacht. Sohn Erich (80) und Enkel Dietmar (58) aus Mönchengladbach haben sich mit ihren Frauen auf den Weg nach Wismar gemacht.

Der Enkel berichtet von der besonderen Gabe seiner Oma, das Besprechen von Krankheiten. „Die hat sie mit viel Liebe und Dank im Herzen weitergegeben.“ Er wie auch die Großnichte waren oft zu Besuch in Wismar. „Ich habe hier immer so viel Herzlichkeit erfahren. Das waren meine schönsten Ferien“, sagt Sigrid. „Es sind die Menschen, ihr Interesse an ihnen, das Tante Guste jung hält. Jeder, der zu ihr kommt, ist willkommen.“

Haike Werfel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
SANITZ
Pflegedienstleiterin Bianca Raabe (r.) mit dem Ehepaar Helga und Wolfgang Hameister, die nach dem eigenen Einzug im Betreuten Wohnen 2014 gleich Freunde animiert haben, auch hinzuziehen. Fotos (3): Claudia Tupeit

15 Jahre: Die Bewohner des ersten Betreuten Wohnens des DRK-Kreisverbands Bad Doberan feierten gestern Jubiläum

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Wismar
Verlagshaus Wismar

Mecklenburger Straße 28
23966 Wismar

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 10.00-17.00 Uhr
Freitag 10.00-16.00 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Kerstin Schröder
E-Mail: wismar@ostsee-zeitung.de
Telefon: 0 38 41 / 415 65

Ticket- und Anzeigenverkauf: 03841 / 41550.

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.