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Auf Pokémon-Jagd im Bürgerpark

Wismar Auf Pokémon-Jagd im Bürgerpark

OZ-Redakteurin Vanessa Kopp hat sich an dem Trend-Spiel versucht – scheiterte jedoch kläglich

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Christopher Labrenz (22, v.l.), Norman Krüger (29) und Enrico Labrenz (26) nehmen an der „Pokémon Go Nachtwanderung“ im Wismarer Bürgerpark teil. Fotos (4): Vanessa Kopp

Wismar. „Ich will der Allerbeste sein!“, singe ich leise vor mich hin. Das Smartphone in der Hand. Wismar, Bürgerpark, Freitag kurz vor 19 Uhr. Auf Facebook wurde die erste „Pokémon GO MV Nachtwanderung“ angekündigt, 91 Leute haben im sozialen Netzwerk Facebook auf „Teilnehmen“ geklickt. Ich auch. Also steh ich pünktlich am Parkeingang mit der Titelmusik der Pokémon-Serie aus den späten 90ern im Ohr und frage mich: „Was mach’ ich hier eigentlich?“ Die ganze Pokémon-Euphorie ging vor knapp 20 Jahren schon völlig an mir vorbei. Warum sollte ich mit 28 anfangen Pikachu, Bisasam und Was-weiß-ich-wie-die-alle-heißen zu fangen? Aber: Man ist ja nie zu alt dafür, etwas Neues auszuprobieren.

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OZ-Redakteurin Vanessa Kopp hat sich an dem Trend-Spiel versucht – scheiterte jedoch kläglich

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Nach und nach schlendern die Pokémon-Trainer in den Park. Freundesgruppen, Familien, Einzelkämpfer – alle sofort erkennbar an ihrem fixierten Blick auf das Smartphone.

„Gestörter GPS-Empfang“ sagt mir mein Smartphone, als ich es zücke. Na toll! Motiviert rennt die animierte Version von mir in sportlichem Outfit in der virtuellen Welt umher, nach Bürgerpark sieht die Karte allerdings nicht aus. Ich spaziere etwas weniger motiviert und sportlich weiter. Hier und da schnappe ich Gesprächsfetzen auf: „In welchem Team bist du?“ „Welches Level hast du?“ „Da! Ein Taubsi!“ Immer wieder wandert mein Blick verzweifelt auf meinen digitalen Begleiter. Ich fühle mich fehl am Platz. Keine Pokémon ins Sicht. Immerhin scheinen die anderen Teilnehmer mehr Glück zu haben.

Vor mir spaziert Erik Kohr umher, die Augen fest auf den kleinen Bildschirm seines Smartphones fixiert. Seine Großmutter folgt mit etwas Abstand, ohne Smartphone in der Hand. „Nachts erscheinen andere Pokémon als am Tag“, erklärt mir Erik, warum es Sinn macht, am späten Abend noch los zu ziehen, um die kleinen Monster zu jagen. Der 13-Jährige spielt gerade in Level Zwölf. Zur Zeit ist der Hannoveraner bei seinen Großeltern in der Hansestadt zu Besuch. „Man findet immer wieder neue Pokémon. Ich habe in den letzten Tagen in Wismar schon einige starke gefunden. Das macht natürlich Spaß“, erzählt er. Ob im Bürgerpark noch begehrte Pokémon auf den Schüler lauern? Erik sucht weiter, seine Großmutter folgt ihm schlendernd.

Oh ha! An der Wassertreppe scheint etwas Wichtiges zu passieren, rund 30 Leute sitzen dort und tippen auf ihr Handy. Eine Gruppe hat Musik mitgebracht, hier und da zischt ein Kronkorken. Entspannte Freitagabend-Atmosphäre. Die Gespräche drehen sich um Alltägliches und natürlich um Pokémon. Obwohl ich mich von den anderen Spielern abgehängt fühle, finde ich schnell heraus, was an der Wassertreppe so attraktiv ist. Hier befinden sich viele Sitzbänke und Pokéstops. Hier kann ich also neue Bälle – zum Einfangen der Monsterchen – sammeln. Leider sind diese schon geplündert. Das heißt: 30 Minuten warten, bis wieder neue Bälle freigeschaltet werden.

Zeit, um meine Spielkollegen zu fragen, wie es bei denen so läuft. Christopher Labrenz, Norman Krüger und Enrico Labrenz machen sich gerade auf, zu einer neuen Runde durch den Park. Warum sie auf digitale Jagd gehen? „Unsere Generation ist mit Pokémon aufgewachsen“, sagt Christopher. „Ich finde es toll, das wieder zu spielen. Und man ist dabei noch unterwegs.“ Sein Bruder Enrico ergänzt: „Ich habe einen Hund, mit dem ich viel draußen bin. Das lässt sich mit dem Spiel gut verbinden.“ Und Norman? Der fängt gerade einen Evoli. Der 29-Jährige spielt bereits in Level 20. „Ich habe das Spiel schon in Griechenland im Urlaub gespielt, als es in Deutschland noch gar nicht auf dem Markt war“, verrät der Soldat. „So, jetzt müssen wir weiter, Eier ausbrüten“, sagt Enrico mit einem Lachen. Das Trio zieht weiter.

Was sagt mein Handy? „Spieldaten konnten nicht vom Server abgerufen werden“. Könnte daran liegen, dass das Spiel nun auch in Japan freigeschaltet ist und das den Server überlastet, so der Tipp eines Experten. Ich glaube die Pokémon und ich werden heute keine Freunde mehr. Etwas beschämt ziehe ich von dannen, lediglich einen Ratzfatz habe ich gefangen. Klägliche Ausbeute. Immerhin habe ich den schönen Sommerabend an der frischen Luft verbracht – wie wahrscheinlich auch ohne Pokémon Go.

Das Spiel

Pokémon Go ist ein kostenloses Augmented-Reality-Spiel, sprich ein Spiel, dass sozusagen die Realität erweitert. Am 6. Juli 2016 kam die App in Australien und Neuseeland auf den Markt. Am darauffolgenden Tag wurde es in Nordamerika offiziell veröffentlicht. Seit dem 13. Juli kann die App in Deutschland heruntergeladen werden. Das kostenlose Spiel ist bereits in rund 30 Länder erhältlich.

Um Pokémon anzutreffen, muss sich der Spieler in der realen Welt bewegen. Das Spiel greift auf die Standortdaten des Spielers zu, sodass dieser in der realen Welt gegen Pokémon kämpfen, sie fangen und tauschen kann. An sogenannten Pokéstops, die sich in der realen Welt an besonderen Orten wie Sehenswürdigkeiten befinden, kann der Spieler Bälle und Eier erhalten. Eier werden ausgebrütet, indem der Spieler eine bestimmte Distanz zurücklegt.

Die Nachtwanderungen haben am Freitagabend auch in Schwerin, Güstrow und Bützow stattgefunden.

Seit das Spiel auf dem Markt ist, kam es bereits zu zahlreichen Unfällen, durch die Unachtsamkeit der Spieler.

Vanessa Kopp

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