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Wismar Aufrührerischer Buchhändler
Mecklenburg Wismar Aufrührerischer Buchhändler
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00:05 17.05.2017
Der Wismarer Buchhändler und Revolutionär Dr. Johann Heinrich Sievers lebte von 1811 bis 1876. Quelle: Foto: Sammlung Detlef Schmidt
Wismar

Johann Heinrich Sievers, der während der Deutschen Revolution von 1848/49 einer der führenden Köpfe in Wismar war, wurde am 17. Mai 1811 in Lübeck geboren. Er wuchs in Klein Krankow bei Bobitz auf. Dort war sein Vater Pächter einer großherzoglichen Domäne.

Nach dem Schulabschluss ging Johann Heinrich zum Philosophie-Studium nach Jena. Die Universität war aber auch eine der Hochburgen der Burschenschaften, in der um diese Zeit Fritz Reuter sehr aktiv war. Sievers bekam während seiner Studienzeit wichtige Anregungen für sein politisches Bild. Nach Abschluss seines Studiums und der Promotion wurde er Buchhändler und erhielt 1845 die Konzession für eine Buchhandlung in Wismar.

Sievers eröffnete Am Markt 17 die zweite Wismarer Buchhandlung. Heute ist dort der 1914 errichtete Neubau der jetzigen Deutschen Bank. Schräg gegenüber war sein schärfster Konkurrent, die Buchhandlung „Schmidt & von Cossel“, in der Dethloff Hinstorff seine Lehre absolvierte. Hinstorff kaufte diese Buchhandlung 1849 auf. Heinrich Sievers hatte schon vor Geschäftseröffnung mit polemischen Beiträgen im „Schweriner Freimüthigen Abendblatt“ gegen seine Mitbewerber gewettert und sie als „reaktionärste Buchhandlung“ bezeichnet.

Sievers war ein tüchtiger Buchhändler, der natürlich auch seine eigenen literarischen Arbeiten anbot. Außerdem besaß er eine gute Leihbibliothek, die gut angenommen wurde. Zudem war er Vorverkäufer für Konzerte und weitere kulturelle Veranstaltungen. Das alles und die Lage am Marktplatz brachten ihm einen guten Zulauf.

Sievers hielt mit seinen politischen Ansichten nicht hinter dem Berg. In einem Artikel in der „Wismarschen Zeitung“ vom 18. April 1848 sowie in einem Flugblatt forderte er die „Grundlage einer Verfassung, gebildet aus Urwahlen“. Damit gehörte er zu den Wegbereitern der verfassungsgebenden Versammlung, die am 31. Oktober 1848 in Schwerin stattfand. Dass dies Adel und Ritterschaft nicht behagte, liegt auf der Hand. Die 48er Revolutionäre waren aber wie im Rausch, während sich die Gegner der Revolution sammelten und diese hintertrieben. Sievers wollte die neuen Gedanken weiterverbreiten, doch schon im Mai 1849 musste er bei Androhung von 25 Talern Strafe ein Flugblatt aus seinem Fenster entfernen. Die Beschwerde bei der Wismarer Polizei brachte ihm noch einmal eine Strafe von fünf Talern ein.

Dr. Johann Heinrich Sievers gründete 1849 das radikal-demokratische Wochenblatt „Mecklenburgische Volkszeitung. Sonntagsblatt für Stadt und Land Wismar“, später die „Mecklenburgische Dorfzeitung“. 1850 wurde er in einem Hochverrats- und Majestätsbeleidigungsprozess zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt. Er entzog sich dem Antritt der Strafe durch eine Kaution von 4000

Talern und floh nach England. Zuvor hatte er den Verlag der „Mecklenburgischen Dorfzeitung“ an den Theologen Gustav Siedenburg übergeben. Sievers verlor in der englischen Emigration sein gesamtes Vermögen und kehrte 1860 nach Mecklenburg zurück. Hier verbüßte er seine Strafe in der Strafanstalt Bützow-Dreibergen. Ab 1861 war er als Journalist beim „Leipziger Journal“ tätig und blieb seiner mecklenburgischen Heimat mit Beiträgen und Flugschriften treu. Die Streitschrift „Was ist zu tun?“ war aber wohl zu arg. Alle Exemplare wurden eingezogen. Sievers floh vor der drohenden Verhaftung erneut nach England und ging später in die Schweiz, wo er 1876 verstarb.

Was sonst noch geschah

21. Mai 1990: Der Wismarer „Runde Tisch“ beendet mit der 28. Sitzung seine Tätigkeit und löst sich auf.

22. Mai 1966: Auf dem Hanseatenring wurde bei der 19. Internationalen Friedensfahrt ein Rundrennen über 93 Kilometer ausgetragen. Sieger war Antonio Albonetti (Italien).

23. Mai 1807: Einsturz des Wismarer Rathauses.

25. Mai 1957: Stapellauf des ersten Seefahrgastschiffes auf der Werft.

Detlef Schmidt

Am Freitag, 19. Mai, lädt Prof. Michael Haller zu Kinder-Uni-Vorlesungen mit dem Titel „Was ist Kyudo? – Die Kunst des japanischen Bogenschießens“ ein.

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