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Aufstiegsheld: Der GFC wurde total gegen den Baum gefahren

Grevesmühlener FC: Vereinsvorstand meldet die Landesliga-Mannschaft ab Aufstiegsheld: Der GFC wurde total gegen den Baum gefahren

Auch an den Ex-Kickern, die 1971 mit Einheit Grevesmühlen in die zweithöchste DDR-Spielklasse aufgestiegen sind, geht der Kreisliga-Absturz des Vereins nicht vorbei.

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Ein Bild aus erfolgreichen Tagen: Die BSG Einheit Grevesmühlen absolvierte in den 70er Jahren drei Spielzeiten in der DDR-Liga.

Grevesmühlen. Es war ein Höhepunkt der Grevesmühlener Fußballhistorie: Der Aufstieg in die DDR-Liga im Jahr 1971. Durch das Tor von Dieter Fischer, dem späteren Klützer Bürgermeister, bezwangen die Kicker aus der Kreisstadt am letzten Spieltag der Bezirksliga Aufbau Ribnitz mit 1:0. Damit sicherten sie sich die Meisterschaft und das Ticket für die zweithöchste Spielklasse. „Wir hatten ein paar sehr gute Jahre“, erinnert sich Heinz Thrun zurück. Er stand damals am 16. Mai 1971 als Erfolgstrainer der BSG Einheit an der Seitenlinie. „Dann kam das erste Spiel in der DDR-Liga gegen die TSG Wismar vor 5000 Zuschauern. Wir haben es verloren, aber es war ein tolles Erlebnis.“ 1975 gelang ihm mit seinem Team ein zweites Mal der Aufstieg und daraufhin sogar der Klassenerhalt.

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Im vorerst letzten Landespokal- Spiel des GFC setzte es gegen Pommern Greifswald eine derbe 0:16-Klatsche.

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Von derartigen Triumphen kann der Nachfolgeverein Grevesmühlener FC (GFC) zurzeit nur träumen. Er steckt in einer schweren sportlichen und organisatorischen Krise. In dieser Woche gaben die Verantwortlichen bekannt, dass sie die erste Männermannschaft aus dem Spielbetrieb der Landesliga abmelden werden. Ab sofort gibt es am Tannenberg nur noch Kreisliga-Fußball zu sehen (OZ berichtete). „In der nächsten Saison wollen wir in der Kreisliga neu durchstarten. Dieser Entschluss fiel uns nicht leicht, allerdings gibt es in der aktuellen Situation nicht viele Alternativen“, heißt es auf der GFC-Homepage.

Der Absturz geht auch an den alten Haudegen nicht vorbei. „Die Entwicklung ärgert mich sehr. Wir haben vor nicht allzu langer Zeit eine herrliche Sportanlage bekommen. Diese Bedingungen kann sonst kaum jemand bieten. Und jetzt sowas“, sagt Heinz Thrun, der von 1956 bis 1998 im Verein aktiv war. Auch Gert Thorentz, Mittelfeldspieler der 71er-Aufstiegsmannschaft, bedauert die Lage: „Es ist wirklich traurig, was dort passiert. Als ehemaliger Spieler und Funktionär des Vereins leidet man enorm mit.“

Was war passiert? Anfang Dezember entließ der GFC überraschend Trainer Sven Begunk. Als Grund wurden Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorstand angegeben. Es folgte eine regelrechte Spielerflucht.

Ein Dutzend Akteure verkündete noch vor der Winterpause, den GFC zu verlassen. Das letzte Hinrundenspiel gegen Polz musste wegen Spielermangels abgesagt werden. Daraufhin sprach sich das Reserveteam, Letzter in der Kreisliga, dagegen aus, in die erste Reihe aufzurücken, um den Landesliga-Spielbetrieb fortzuführen. Dem Vorstand blieb keine andere Wahl, als abzumelden.

„Ich kann die Spieler verstehen. Es passt im gesamten Verein einfach nicht mehr“, bemängelt Gert Thorentz. Dem 68-Jährigen fehlt es an Erfahrung in der Vereinsführung. „Nur weil man mal einem Ball hinterhergelaufen ist, ist man nicht gleich für solche Posten geeignet. Der GFC wurde total gegen den Baum gefahren. Es geht nur mit einem kompletten Neuanfang.“

Hans-Joachim Schönfeldt sieht die Schuldfrage differenzierter. Für den 71-jährigen, ehemaligen Grevesmühlener Mittelfeldmann sind sowohl Spieler als auch Funktionäre in der Verantwortung gewesen, die Probleme konstruktiv zu lösen. „Das hätte man sicher verhindern können, aber hier scheinen labile Spieler und eine Führungsschwäche aufeinander getroffen zu sein.“

Damals wäre eine solche Situation für Schönfeldt nicht denkbar gewesen. „Es gab Diskussionen, bei denen sich die Meinung gesagt wurde. Aber danach haben sich alle die Hand gegeben, waren wieder Sportsfreunde und haben an einem Strang gezogen.“ Die geflüchteten Spieler würden mit ihrem Verhalten dem Verein, aber auch ihrem eigenen Ruf schaden. „Als wir damals so erfolgreich waren, hat uns der enorme Zusammenhalt stark gemacht. Das findet man heute nur noch sehr selten“, prangert er an.

Auch für Ex-Trainer Heinz Thrun kommt die Kameradschaft heutzutage zu kurz. Er sieht einen Grund in der vernachlässigten Jugendarbeit. „Man holt viele Spieler von auswärts, die man teilweise bezahlt.

Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist.“ Der Verein gab indes bekannt, dass er zukünftig seine „ausgezeichnete Jugendarbeit weiter ausbauen und mit der neuen ersten Mannschaft wieder Erfolge feiern“ will. Allerdings hat der GFC weder A- noch B-Junioren im Spielbetrieb. Für einen Verein, der einst Hansa-Kultspieler Timo Lange hervorbrachte, geht das nicht, meint Gert Thorentz. „Ohne A- und B-Junioren rücken keine Talente nach. So wird es schwer, in Zukunft wieder höherklassig zu spielen.“ Sein ehemaliger Teamkollege Hans-Joachim Schönfeldt hofft, dass die Ereignisse eine positive Wende bringen: „Es liegen hervorragende strukturelle Bedingungen vor. Da sollte man eine schlagkräftige Truppe zusammenkriegen. Aber es wird ein weiter Weg zurück, der einen langen Atem verlangt.“

Grevesmühlener FC
Gegründet wurde der Verein 1945 als SG Grevesmühlen. In den 50er Jahren erfolgten Umbenennungen in Empor und schließlich in BSG Einheit Grevesmühlen. Nach der Wende gründeten die Mitglieder den Sportverein Blau-Weiß, dessen Sektion Fußball sich abspaltete und 1998 den Grevesmühlener FC hervorbrachte.


Die größten Erfolge feierte der Verein in der 70er Jahren, als drei Spielzeiten in der zweitklassigen DDR-Liga absolviert wurden.

Platzierungen in der DDR-Liga:

1971/72 Platz 11 (Abstieg)
1975/76 Platz 10 (Klassenerhalt)
1976/77 Platz 11 (Abstieg)


In der zweiten Hauptrunde des FDGB-Pokals musste sich die BSG Einheit Grevesmühlen im Oktober 1973 dem FC Hansa Rostock nur knapp mit 0:1 geschlagen geben. Das Tor erzielte Joachim Streich.



Hansa-Idol Timo Lange lernte das Fußballspielen in der Jugend der BSG Einheit Grevesmühlen. Über die TSG Wismar, Stahl Brandenburg und den Halleschen FC kam er 1992 nach Rostock.

 



Daniel Heidmann

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