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Wismar Aufzug zehn Tage defekt: Hochhaus-Bewohner eingesperrt
Mecklenburg Wismar Aufzug zehn Tage defekt: Hochhaus-Bewohner eingesperrt
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00:21 10.01.2015
Das Wendorfer Hochhaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße. Quelle: Heiko Hoffmann

Fast zehn Tage saßen die älteren, gehbehinderten Bewohner im Wendorfer Hochhaus fest. Der Fahrstuhl in dem zehngeschossigen Gebäude in der Rudolf-Breitscheid-Straße 21a war defekt. Ausgerechnet über Weihnachten.

„Wir fühlen uns wie eingesperrt“, berichtete Christa Zahlmann nach acht Tagen des Ausharrens im Namen von 22 Mietern. „Hier wohnen vor allem ältere Leute, viele allein. Einige sind schon über achtzig, sitzen im Rollstuhl oder sind auf Gehhilfen und Rollator angewiesen“, erzählte die 74-Jährige, die mit ihrem Mann im fünften Stock wohnt. Sie alle kamen nicht aus dem Haus, um mal einzukaufen oder mit ihren Angehörigen Weihnachten zu feiern. Ein Mieter im Rollstuhl aus der siebten Etage sei froh, dass er von den Maltesern sein Mittagessen erhalte. „Wir helfen uns gegenseitig.

Jeder macht mal einen Gang für die, die nicht in der Lage sind und allein.“ Eine gehbehinderte Frau benötigte eine Viertelstunde vom Erdgeschoss bis zu ihrer Wohnung im siebten Stockwerk.

Seit Sonnabend, dem 20. Dezember, hing am Fahrstuhl das Schild „Außer Betrieb“. Eine schnelle Notfallmeldung brachte nicht die erhoffte Reparatur vor Weihnachten. Die Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) als Vermieterin hatte Betriebsferien. Am 23. Dezember ging beim Rostocker Notdienst erneut eine Havariemeldung ein. Der Monteur, der kam, sagte den Bewohnern, dass er nichts machen könne. Es fehlten Ersatzteile.

Endlich am 29. Dezember ein Lichtblick. Ein defektes Teil konnte ausgewechselt werden. Ein weiteres wurde für den nächsten Tag angekündigt. Aufatmen am 30. Dezember. Kurz vor Mittag fuhr der Lift wieder.

Immer zu Feiertagen würde er ausfallen, beklagen die Mieter empört. Schon zu Christi Himmelfahrt hätten sie ihn sechs Tage nicht nutzen können. „Bezahlen müssen wir aber dafür, dass wir einen Aufzug im Haus haben. Und die Wobau wirbt auch damit“, berichtete Christa Zahlmann. Nach ihrer Erinnerung wurde der Aufzug vor zehn Jahren häufiger gewartet als jetzt. „Wir sind die Vergessenen im Hochhaus“, sagen die Bewohner.

Jan Steeger, Sprecher der Herstellerfirma Schindler-Aufzüge in Berlin , bedauerte, dass sich die Reparatur so lange hinzog. Das sei den Feiertagen geschuldet. Die spezifischen Bauteile für den Wismarer Aufzug hatte Schindler nicht vorrätig. Sie mussten beim Ersatzteillieferanten bestellt werden. Und der hatte nur eine Notbesetzung. Schindler selbst habe laut Steeger zwar 20000 Ersatzteile auf Lager, aber bei Weitem nicht jedes bei der Vielzahl der unterschiedlichen Aufzugsanlagen. Mehr als die Hälfte in Deutschland seien älter als 20 Jahre, der Lift im Wendorfer Hochhaus erst 15. Und dennoch müsse noch keine der Anlagen ausgetauscht werden, versicherte der Firmensprecher. Allerdings sei es in jedem Hochhaus problematisch für die Mobilität der Bewohner, wenn nur ein Fahrstuhl vorhanden sei.

Für einen zweiten fehle aber der Platz und zu teuer wäre er auch, stellte der Geschäftsführer der Wobau in dieser Woche klar. Klaus-Dieter Thauer wolle aber mit der Firma Schindler die Störung auswerten. Er räumte ein, dass es 2014 zwei weitere Ausfälle gegeben habe und der Lift auch im Herbst 2013 über vier Tage stillstand. Obwohl er regelmäßig, das heißt viermal im Jahr, gewartet werde.

Der Wobau-Chef kündigte an: „Wir werden unseren Mietern ein kleines Geschenk machen als Wiedergutmachung.“

Altengerecht wohnen

6 Häuser der städtischen Wohnungsbaugesellschaft mbH sind in Wismar mit Personenaufzügen ausgestattet. Die Wobau hat die Wohngebäude modernisiert. Durch den Einbau von einem Lift gelten sie als altengerecht.


Über einen Aufzug verfügen der sechsgeschossige Block in der Sella-Hasse-Straße 9, das Haus in der Lübschen Straße 158, in der Hanno-Günther-Straße 8, in der Lilo-HerrmannStraße 2, ein viergeschossiger Neubaublock in der Rudi-Arndt-Straße sowie in der Katja-Niederkirchner-Straße.



Haike Werfel

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