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Aus Fremden wurden in zwei Monaten „unsere Jungs“

Benz Aus Fremden wurden in zwei Monaten „unsere Jungs“

Die Gemeinde Benz nahm im Januar zwölf syrische Flüchtlinge auf / Das anfängliche Misstrauen der Einwohner wich einer großen Hilfsbereitschaft

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Beim gemeinsamen Essen zeigten die „Neu-Benzer“ auch einige typische arabische Tänze. Fotos (2): privat

Benz. Seit knapp zwei Monaten leben die Syrer Mohamed, Ahmed, Hassan, Adnan, Rami, Baschar, Tammam, Zead, Dani, Tamim, Saleh und Montez in Benz. Als sie im Januar ankamen, gab es viele misstrauische Blicke der Einwohner. Zwölf junge Männer aus einem ganz anderen, unbekannten Kulturkreis, mit anderen Wertvorstellungen, konnte das gut gehen? Es ging gut, sogar sehr gut!

Aus den ehemals Fremden sind für etliche Benzer inzwischen „unsere Jungs“ geworden. „Sie hier zu haben, ist schon eine Bereicherung für uns“, sagt Dietmar Hocke, der 1. stellvertretende Bürgermeister.

„Wir hatten zunächst schon gemischte Gefühle“, gibt Marina Weitz zu, die sich sehr um die Neuankömmlinge gekümmert hat. Zumal anfangs niemand gewusst habe, wie viele und vor allem welche Menschen demnächst Nachbarn sein würden. Noch bevor die zwölf Syrer drei Wohnungen in Benz bezogen, war eine kurdische Familie im Ortsteil Gamehl untergebracht worden. „Das lief alles etwas unkoordiniert, wichtige Dinge fehlten, die Familie saß quasi fest, da man in diesem Dorf ohne eigenes Auto kaum mobil ist“, schildert Marina Weitz die Anfänge. Nachbarn und Helfer der Gemeindevertretung seien zur Stelle gewesen, hätten Spielzeug, im Alltag notwendige Dinge und Kleidung beschafft. Die Helfer organisierten sich über moderne Medien wie WhatsApp.

Aber: In Gamehl war eine Familie untergebracht. Das war eine Sache. Jetzt sollten aber zwölf junge Männer kommen. „Die Skepsis war viel größer, auch bei den Helfern, auch bei mir“, räumt Marina Weitz ein. Den Bedenken habe das Bewusstsein gegenübergestanden, dass Saleh, Tamim und die anderen vor einem mörderischen Krieg geflohen waren und Schutz für ihr Leben suchten.

Wieder halfen die Benzer mit notwendigen Dingen. Aber auch mit Kartenspielen und Fußbällen. „Eins war uns sofort klar, sie brauchten Beschäftigung, ihnen wird ohnehin bald langweilig werden“, sagt die freiwillige Helferin. Von Dietmar Hocke gespendete Fernsehgeräte wurden zum Fenster nach draußen und drei vom Rotary Club bereitgestellte Fahrräder brachten ein bisschen Mobilität. Der Fußballverein SG Zetor Benz bot den jungen Flüchtlingen an, beim Training mitzumachen. Fürs passende Schuhwerk und die richtige Bekleidung sorgte der Kreissportbund. Zudem erhielten die Asylbewerber bei Birka Hocke ersten Deutschunterricht. Und Gabie Schubring, 2. stellvertretende Bürgermeisterin, stellte Kontakte zu Organisationen her, bei denen die Flüchtlinge Deutschkurse belegen können.

„Durch das nette, hilfsbereite und oft auch zurückhaltende Auftreten der Jungs, wurden die Ängste und Vorurteile bald abgebaut“, erklärt Marina Weitz. Bei einem gemeinsamen Essen, dass die jungen Männer zubereitet hatten, kamen sich die Benzer und die neuen Nachbarn näher. „Sie zeigten uns auch typisch arabische Tänze und es wurde viel gelacht.“ Bei Verständigungsproblemen vermittelten Englisch Sprechende von beiden Seiten. Bei einem zweiten Treffen zeigten die Flüchtlinge Bilder unter dem Titel „Syrien vor und während des Kriegs“. „Sie erzählten von ihrer Flucht und viele private Geschichten, das war sehr berührend“, sagt Marina Weitz.

Allmählich sind die Asylanträge der Flüchtlinge durch. „Unsere Jungs müssen sich entscheiden, wie und vor allem wo es weitergeht“, erklärt die freiwillige Helferin und in ihrer Stimme liegt ein Hauch Wehmut. Die meisten hätten gute Voraussetzungen für einen Berufseinstieg, fährt sie fort. „Vom Maler über Barbier bis hin zu Administrator und Koordinator bei internationalen Hilfsorganisationen ist alles dabei.“

Zahlen und Fakten

1531 Flüchtlinge und Asylbewerber sind laut der Homepage des Landkreises in Nordwestmecklenburg untergebracht, davon 1193 dezentral in Wohnungen (Stand 3. Februar 2016).

Die meisten Personen haben die Ämter Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen (250) und Klützer Winkel (295) sowie die Stadt Grevesmühlen (113) aufgenommen.

Die meisten Flüchtlinge im Landkreis kommen aus Syrien, Afghanistan, Ghana, Eritrea, Serbien, Montenegro, Albanien, Mazedonien und dem Kosovo.

• www.nordwestmecklenburg.de

Von Sylvia Kartheuser

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