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Wismar Aus Gefängnis wird ein Hostel
Mecklenburg Wismar Aus Gefängnis wird ein Hostel
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07:06 12.05.2018
Die Weltenbummler Anne-Juliana Vopel und Stefan Bunkelmann, hier im Gang zwischen den Zellen, wollen das Hostel betreiben. Quelle: Heiko Hoffmann
Wismar

Gitterstäbe, Zellentüren mit Sichtklappe und Durchreiche, Innenhof hinter hohen Mauern: Eigentlich kein Ort zum Wohlfühlen. Doch genau darin liegt der Reiz. Aus der früheren Jugendarrestanstalt in der Kellerstraße 1 wird ein Hostel. Betreiben wollen es die beiden Wismarer Weltenbummler Anne-Juliana Vopel und Stefan Bunkelmann.

Inmitten der Wismarer Altstadt entsteht ein Hostel. Das als Gefängnis errichtete Gebäude in der Kellerstraße wird umgenutzt. Bis 2013 war es eine Jugendarrestanstalt. Zwei Weltenbummler wollen sich mit dem Hostel verwirklichen.

Nur Neustrelitz

Seit Juni 2013 wurden keine jugendlichen Straftäter mehr in Wismar inhaftiert. Ein Jahr lang wollte das Ministerium den Jugendarrest in Mecklenburg-Vorpommern prüfen. Hintergrund war die rückläufige Entwicklung der Belegungszahl der Arrestplätze in MV. Im Ergebnis wurde auf Wismar verzichtet, der Jugendarrest in der Anstalt Neustrelitz soll ausreichen.

Ende 2019 soll das denkmalgeschützte Haus zwischen Fürstenhof und Marienkirchturm öffnen. „Das war schon immer unser Traum, aber den letzten Schritt haben wir nie gewagt. Deswegen passt das“, sagt Anne-Juliana Vopel (39) und blättert in den Plänen. Stefan Bunkelmann (42) spricht von „Liebe auf den ersten Blick. Wir haben so viele tolle Hostels erlebt, das passt zu uns.“

16 Einzelzellen

Die Jugendarrestanstalt wurde bis 2013 als solche genutzt. 16 Plätze in Einzelzellen gab es. Das Justizministerium sah keinen Bedarf mehr. Der Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern schrieb die Immobilie zum Verkauf aus. In das Gebäude, um 1880 errichtet, sollte endlich eine öffentliche Nutzung einziehen. Darauf pochte die Stadt.

Der Wismarer Bauunternehmer Marco Krentz erhielt in dem Auswahlverfahren den Zuschlag. Sein Konzept sah ein Hostel vor. Krentz: „Im Frühjahr 2019 wollen wir mit den Arbeiten beginnen. Ich bin überzeugt, dass es funktioniert. Wer kann schon in einem ehemaligen Gefängnis übernachten.“ In MV ist das jedenfalls einmalig. Mit etwa zwei Millionen Euro wird das gesamte Vorhaben realisiert. Im September soll das Konzept im Unesco-Sachverständigenbeirat vorgestellt werden. Zum Tag des offenen Denkmals am 9. September wollen Eigentümer und Betreiber einen Blick hinter Gitterstäbe und Zellentüren ermöglichen.

Bürgermeister positiv gestimmt

Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) ist gespannt: „Ich finde die Idee aus der Jugendarrestanstalt ein Hostel zu machen nicht verkehrt, denn es gibt offenkundig einen Trend, auch in besonderen Örtlichkeiten einen Teil seines Urlaubs zu verbringen. Dazu kommt die Lage direkt in der Altstadt, ich kann mir vorstellen, dass dies ein erfolgreiches Projekt wird.“Anne-Juliana Vopel und Stefan Bunkelmann sind jedenfalls schon Feuer und Flamme. Über 30 Länder haben Anne und Bunki als Rucksacktouristen bereist. Sie waren im Dschungel von Borneo, auf dem Kilimandscharo in Tansania, Reisedokumentationen von und mit ihnen gibt es auch von Laos, Vietnam und Australien. Arm an Hostelerfahrungen sind sie nicht. Marco Krentz kannte die beiden Wismarer nicht. „Ich habe von ihnen gehört und dachte mir, das sind die Richtigen“, sagt der Unternehmer. Ihr erstes Treffen war dann auch vor dem Gefängnis. Die Chemie zwischen Investor und den künftigen Betreibern stimmt. Seitdem werden mit den Freiort-Architekten Cindy Kruske und Christian Meißner aus Boltenhagen Pläne geschmiedet.

Ein Zimmer wie eine Zelle

Vorgesehen sind knapp 30 Zimmer auf drei Etagen. Die meisten für zwei bis vier Gäste, auch die sogenannten Dormzimmer mit mehreren Betten wird es geben. In Foyer, Gemeinschaftsküche und Hof soll sich später das typische Hostelleben abspielen. Anne-Juliana Vopel: „Wir denken an bezahlbare Unterkünfte für Familien mit Kindern, Individualreisende und Radfahrer.“Der Clou: „In einem Zimmer kann der Gast wie in einer ursprünglichen Zelle übernachten“, lacht Stefan Bunkelmann. Doch auch alle anderen Gäste werden den ureigenen Stil des Hauses erleben. Denn die Kellerstraße 1 ist erst seit kurzem ein Einzeldenkmal. Die Landesdenkmalpflege MV hat es im März sogar als Denkmal des Monats vorgestellt. Die typische Raumstruktur, die Gitterstäbe an den Fenstern, die Zellentüren mit Sichtklappe, Durchreiche und Fallriegel, die Eisentreppe im Gebäude und der Hof bleiben für die Nachwelt erhalten.

Neben dem Gericht erbaut

Nach Angaben der Landesdenkmalpflege wurde der Standort für das um 1880 errichtete Gefängnis nicht zufällig gewählt: „Aus funktionalen Gründen erhielt das Untersuchungsgefängnis seinen Ort direkt neben dem seit 1879 als Amtsgericht genutzten, jedoch wesentlich älteren Fürstenhof.“Für Tobias Woitendorf, stellvertretender Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, klingt das Projekt „spannend“. Ihm gefallen der innovative Gedanke, die junge Zielgruppe für Städtetourismus und die Vorstellung, dass Weltenbummler die Zukunft ihrer Stadt mitgestalten wollen.

Hoffmann Heiko

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