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Wismar Aus für den Wismarer Bioladen
Mecklenburg Wismar Aus für den Wismarer Bioladen
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19:43 23.02.2018
Kundin Claudia Große ist aufgeschmissen, wenn es den Bioladen in Wismar nicht mehr gibt. FOTOS (4): NICOLE HOLLATZ
Wismar

„Mir blutet das Herz“, ringt Thomas Glass sichtlich um Fassung und blickt sich um. Der junge Unternehmer sitzt im Bistrobereich seines Bioladens in der Lübschen Straße. Beobachtet das ständige Kommen und Gehen der Kunden. Eigentlich müsste er die Schaufenster mit großformatigen Plakaten „Wir schließen!“ versehen. Eigentlich müsste er die Ware neu auspreisen, billiger machen, um noch möglichst viel zu verkaufen bis zum letzten Tag. „So weit bin ich noch gar nicht“, sagt er und schüttelt den Kopf. Aber es ist wohl unvermeidlich.

Zum 25. Februar hat er die fristlose Kündigung bekommen. Der Grund: Mietrückstände und ein neuer Mieter, der den Laden und das Geschoss darüber – das ehemalige Bowlingcenter – haben will. Eine große Fitnesscenter-Kette wird dort ihren Wismarer Standort eröffnen.

„Ich war immer im Gespräch mit dem Vermieter. Er hat immer gesagt, dass das mit den Mietrückständen kein Problem ist“, erklärt Thomas Glass, der einiges durchgemacht hat. Im Winter 2016 zerstörte ein Wasserschaden seinen großen Bioladen in der Krämerstraße, inklusive eines Großteils der Einrichtung, der Kühlschränke, der Waren. Der Bioladen zog um. Thomas Glass wagte einen Neustart im größeren Objekt in der Lübschen Straße, auch wenn es ihn schmerzte, die Toplage in der Krämerstraße aufzugeben. Er war optimistisch, nahm einen Kredit auf für die Neueinrichtung und die neuen Waren, wartete auf die Versicherung und die Entschädigung. Und geriet beim neuen Vermieter in Zahlungsverzug. Auch die ersten Umsätze waren zu gering. Dann die fristlose Kündigung. Und ein Facebook-Post in der Wismargruppe, der gleich den neuen Mieter vorstellte.

„Leider kein Gerücht“, schüttelt Thomas Glass wieder den Kopf. Aus wirtschaftlicher Sicht bringt er sogar Verständnis für das Vorgehen des Vermieters auf. Die Kunden sehen das anders. „Ich bin echt aufgeschmissen, wenn es den Laden nicht mehr gibt“, sagt Kundin Claudia Große aus Wismar. Ihr Sohn ist Allergiker. Sie kauft nur in Bio-Qualität – für seine und die eigene Gesundheit. Und natürlich mit dem Umweltschutzgedanken. Bei einer Schließung „muss ich weiter fahren oder die Waren übers Internet bestellen“, sagt sie.

Vermieter Martin Wilck rechtfertigt seine Entscheidung: „Es ist schade, dass es so kommen musste. Wir hatten eine Miete vereinbart, die sein Überleben gewährleisten kann. Es geht um erhebliche Mietschulden, und irgendwann geht das nicht mehr. Was mir wichtiger als die Mietschulden ist, dass so ein Geschäft nachhaltig funktionieren muss.“ Und das sah der Unternehmer nicht so.

„Der Bioladen war auf einem guten Weg. Wir haben einen Koch, wir haben das Angebot weiter optimiert“, relativiert Thomas Glass. Nach dem zähflüssigen Neustart am Hinterhof-Standort kamen im Januar täglich 170 Kunden im Schnitt. Nicht genug, um davon reich zu werden als Einzelhändler, aber so, dass es optimistisch stimmte für die Zukunft. Ein Vollsortiment in Bio-Qualität auf 500 Quadratmetern, gut 4000 Produkte mit einer großen Auswahl an Obst und Gemüse. Die Kunden kommen aus dem ganzen Umland bis nach Boltenhagen. Im Dezember hätte Thomas Glass mit seinem Bioladen das zehnjährige Bestehen feiern können. Wie es für Thomas Glass selbst weitergeht, kann der 35-Jährige noch nicht sagen. Er hat seine Erwerbsimkerei aufgegeben für den Bioladen, hat sein ganzes Geld und noch mehr Herzblut reingesteckt. Und zahlt zwei Kredite ab, einen für den gefluteten Laden in der Krämerstraße, einen für den, der schließen muss. Den Mitarbeitern musste er kündigen. „Wir starten sofort mit dem Abverkauf mit ermäßigten Preisen. Aber wir hoffen einfach, dass die Kunden ganz normal bei uns einkaufen, um uns nun zu unterstützen“, sagt er. In ein neues Objekt ziehen und neu anfangen? „Das schaffe ich nicht noch mal.“

Nicole Hollatz

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