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Wismar Baby aus Wismar im Mutterleib operiert
Mecklenburg Wismar Baby aus Wismar im Mutterleib operiert
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00:00 20.08.2016

. Ein Operationssaal in der Universitätsklinik in Heidelberg. Auf dem Tisch eine junge Frau aus Wismar. Im Bauch einen kleinen Jungen, 500 Gramm leicht. Rückenmark und Nerven des Ungeborenen fehlt der Schutz der Wirbelsäule. Sie hat sich nicht vollständig ausgebildet. Kommt das Kind so zur Welt, sind Lähmungen die Folge, angestautes Hirnwasser, das die Hirnkammern erweitert – ein sogenannter Wasserkopf. Eine Operation im Mutterleib soll die Folgen mindern.

Das war Pionierarbeit und hat uns ganz schön was abverlangt.“Prof. Christof Sohn, Universität Heidelberg

Ein Team von 20 Leuten hat sich auf solch einen Eingriff vorbereitet – ein Jahr lang. Die Heidelberger Ärzte sind in die USA geflogen, um dort ein offenbar besonders schonendes Verfahren zu lernen.

Zu Hause in der Klinik gehen sie eine Woche lang jeden Tag jeden Schritt der Operation durch. Durchdenken alle Komplikationen – wieder und wieder. Das Ungeborene aus Wismar wird der erste Eingriff dieser Art in Heidelberg sein.

Im Mai dieses Jahres ist es dann so weit. Die Mutter bekommt eine Narkose. Die Ärzte öffnen Bauchdecke und Gebärmutter. Über eine feine Nadel injizieren sie auch dem Kind ein Betäubungsmittel. „Damit wir sichergehen, dass das Kind wirklich keine Schmerzen hat“, erklärt Christof Sohn. Auch der Professor für Gynäkologie steht an diesem Tag im OP. Der Raum aufgeheizt auf 28 Grad. Das Kind bleibt über die Nabelschnur mit der Mutter verbunden. Für die Operation aber muss es ein Stück aus der Gebärmutter herausgeholt werden. Eine Sonde im Fruchtwasser misst die Temperatur. Kochsalzlösung in gleicher Gradzahl wird zurückgeführt in die Gebärmutter. Am Kind überwacht eine Ultraschallsonde den Herzschlag. Dann verschließen die Neurologen Rückenmark und Hirnhaut. Nach vier Stunden vernähen sie die Haut mit sich auflösenden Fäden. Geben das Kind zurück in den Mutterleib. Drei Monate nach der OP kommt Karl zur Welt – per Kaiserschnitt.

„Das war wirklich extrem – das war Pionierarbeit.“ Wer Christof Sohn davon erzählen hört, merkt auch drei Monate nach dem Eingriff, welche Konzentration gefordert war. „Wir sind alle Profis, aber hier musste jeder Schritt sitzen, einfach alles – der Eingriff hat uns viel abverlangt.“ Die Ärzte aus den USA waren eigens nach Heidelberg gekommen. Für alle Fälle. Dank der frühzeitigen Operation habe sich das Kind in den letzten Schwangerschaftswochen erfolgreich entwickeln können, ohne dass das Rückenmark weiter Schaden genommen habe, sagt Christof Sohn. Der kleine Karl werde aller Voraussicht nach später ein eigenständiges Leben führen können.

Nicole Buchmann

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