Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Bedrohliche Engel und liebevolle Porträts
Mecklenburg Wismar Bedrohliche Engel und liebevolle Porträts
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 10.08.2018
Wismar

Die Skulpturen von Marcus Golter faszinieren. Da stehen die fünf kleinen Engel, grau im Zinnguss und warnend, fast bedrohlich, statt glückbringend oder beschützend. Engel mit Augen auf den Flügeln, die vielleicht das sehen, was der Mensch nicht sehen kann oder will. „Sie sind unheimlich und künden von etwas, was unangenehm werden könnte“, sagt der Künstler bei der Eröffnung seiner Ausstellung in der Galerie Hinter dem Rathaus. Die kleinen Engel gipfeln im fast einen Meter großen Engel aus Acrystal, einem Gießharz. Gesichtslos und bedrohlich schwebt er mit vierfach ausgebreiteten, fast bewaffneten Flügeln.

Der Potsdamer Künstler Marcus Golter stellt seine Werke in der Galerie Hinter dem Rathaus in Wismar aus

Warnende Engel als Vermittler zwischen den Jahrhunderten, zwischen Himmel und Erde und Kulturen. Marcus Golter „transferiert die Menschheitserkenntnisse der Jahrhunderte auf höchstem künstlerischem Niveau in die Gegenwart. Sein zutiefst humanitärer Ansatz ist hierbei unverkennbar“, so Kunsthistorikerin Regina Hoppe während der Eröffnung. „In Gestalt seiner bildhauerischen Werke stellt unser Künstler nicht nur Fragen an sich selbst, sondern auch an die Gesellschaft unserer Gegenwart. Der Betrachter wird eingeladen, über den Blick auf das rein Künstlerische gedanklich etwas mehr zu verweilen.“

Beispielsweise bei den beiden Assassinen aus Sandstein und Gusseisen. Steinerne Köpfe, zum Teil umgeben von stachelgespickten Bändern und Gesichtsmasken. Sind die Köpfe gefangen? Brechen sie gerade aus aus ihrer schmerzenden Maskerade? Befreien sie sich? Egal wie, es tut weh. „Die Waffen sind drin im Kopf“, beschreibt der Künstler. Der islamistisch motivierter Terroranschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ war genauso wie der Amoklauf in Erfurt die Inspiration. Kunst darf wehtun. „Warum soll Kunst nicht auch so konfrontieren dürfen?“, fragt der Künstler. Er will das Recht haben, sich genau dort einzumischen mit seiner Kunst.

Fast brav im klassischen Sinne der Bildhauerei sind seine Porträts, liebevoll gestaltet im Sinne der alten Meister. „Ich versuche mich in mein Gegenüber einzudenken“, erzählt er vom stundenlangen Modellsitzen für den Rohling aus Ton als Voraussetzung für die späteren Bronze- oder Eisengüsse. Beide, Künstler und Modell, müssen sich aufeinander einlassen. Eine Beziehung entsteht, die unter die Oberfläche und das Offensichtliche guckt. Mit einem Lächeln stellt er seine „Selfies“ vor. „Ich hatte einen schweren Unfall und konnte nichts Großes bearbeiten“, sagt er. Also hat er mit dem Handy die Menschen, die ihm wichtig sind und die in der schweren Zeit nach dem Unfall geholfen haben, fotografiert. „Das macht doch jeder“, schmunzelt der Künstler voller Dankbarkeit. Er ging noch einige Schritte weiter. Aus Acrystal entstanden die kleinen Figuren – seine Frau, die Patenkinder, sein Arzt. Und das Selbstporträt mit dem Rollstuhl auf dem Rücken.

Etwas Besonderes sind seine Fotografien vom Stadtgottesacker in Halle (Saale). „Seit 1996 arbeite ich an neuen Reliefs für die Bögen. Die Arkaden des Stadtgottesackers bestehen aus 94 Schwibbögen aus dem 16. Jahrhundert, von denen 27 durch Kriegseinwirkung und anschließenden Verfall komplett zerstört wurden, sodass sie durch neue Bögen ersetzt werden mussten“, berichtet Marcus Golter. Und wieder ist seine Kunst Mittlerin zwischen den Jahrhunderten, denn die neuen Arbeiten müssen sich einfügen und gleichzeitig sichtbar aus der heutigen Zeit stammen. Das ist dem Künstler, der mit zwei Kollegen an dem Projekt arbeitet, so gut gelungen, dass er im Oktober mit dem Deutschen Denkmalpreis 2018 ausgezeichnet wird.

Mehrere Preise für Golter

Marcus Golter wurde 1966 in Stuttgart geboren. Er hat eine Lehre

als Steinmetz/Steinbildhauer abgeschlossen. Von 1991 bis 1998 studierte an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale) Bildhauerei. Heute lebt und wirkt er als freier Künstler in Potsdam. Seine Kunst wurde mehrfach ausgezeichnet.

Er erhielt zweimal den Peter-Parler-

Preis der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, den Kunstpreis der Rosenheim-Stiftung und den 1. Preis für

die Preisfigur für den „Max-Dortu- Preis für Zivilcourage und gelebte

Demokratie" der Stadt Potsdam.

Bis zum 8. September ist seine

Ausstellung in Wismar zu sehen (Di.-Fr. 12-18 Uhr, Sa. 11-16 Uhr).

Nicole Hollatz

Reiterin aus Gadebusch erfolgreich in der Slowakei

10.08.2018

Der Lotsenschoner aus Wismar ist zum 18. Mail beim größten Seglertreffen im Land dabei

10.08.2018

Tanja und Michael Lange haben am Strand vor ihrem Tamila Beach Club geheiratet

10.08.2018