Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Bedroht, gestalkt, vergewaltigt: Weißer Ring hilft Opfern
Mecklenburg Wismar Bedroht, gestalkt, vergewaltigt: Weißer Ring hilft Opfern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 22.03.2017

Ein junger Familienvater wird von einem etwa Gleichaltrigen bedroht. Der sucht ihn zu Hause in einem Dorf bei Wismar mehrfach auf, tritt ihm die Wohnungstür ein. Die Kinder des Opfers erleben die Bedrohung mit. Eines von ihnen malt den Täter als Teufel. Der Weiße Ring erreicht eine sogenannte Gefährdeten-Ansprache durch die Polizei: Der Bedroher darf sich der Familie nicht mehr nähern.

47

Mitglieder hat der Opferhilfeverein Weißer Ring in Nordwestmecklenburg. Sie haben kein Büro, sondern suchen die Opfer zu Hause auf oder treffen sie auf neutralem Boden.

Außenstellenleiterin ist Martina Tegtmeier. Wer im Weißen Ring ehrenamtlich mitarbeiten möchte, meldet sich bei ihr: ☎ 0151/55164624 oder martina-tegtmeier@t-online.de

„Außerdem hat der junge Vater einen Erstberatungsscheck über 150 Euro für den Rechtsanwalt erhalten“, erzählt Jens Strohschein von einem aktuellen Fall. Er ist einer der sechs ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Außenstelle des Weißen Rings in Nordwestmecklenburg/Wismar und deren stellvertretender Leiter. „So schnell, direkt und unbürokratisch helfen wir.“

Heute am Tag der Kriminalitätsopfer ist der Weiße Ring mit einem Informationsstand vor dem Wismarer Rathaus präsent. In der Zeit von 11.30 bis 12.30 Uhr klären Mitglieder über diese wichtige ehrenamtliche Arbeit auf.

Strohschein berichtet von einer Wismarerin, die er zur Gerichtsverhandlung gegen ihren Ehemann begleitet. Der hatte das gemeinsame Haus angezündet. Im Gadebuscher Raum leistet der 51-Jährige einer Frau Zeugenbegleitung. „Sie wird seit Jahren gestalkt, aber die Polizei glaubt ihr nicht immer“, sagt Strohschein. Einem Vergewaltigungsopfer gewährt der Weiße Ring finanzielle Soforthilfe. Einer arbeitslosen Frau, in deren Wohnung es gebrannt hat, vermittelt Strohschein als Lotse im Netzwerk des Weißen Rings einen Vorschuss durch das Jobcenter.

„Wir setzen uns ein für die Rechte der Opfer, unterstützen sie bei Entschädigungsanträgen. Und was viele nicht wissen: Wir helfen Opfern auch, wenn sie die Straftat nicht angezeigt haben – zum Beispiel bei häuslicher Gewalt“, will Strohschein Mut machen, sich an den Verein zu wenden.

Pro Monat rufen im Schnitt sechs Menschen in der Außenstelle NWM/Wismar an oder melden sich per E-Mail. Im Jahr 2015 unterstützte sie insgesamt 20 Menschen im Landkreis finanziell mit insgesamt 22

961 Euro. Seit Gründung der Außenstelle im Jahr 1993 benötigten 222 Menschen finanzielle Hilfe – insgesamt 130657 Euro. Im Jahr 2015 flossen für Opferhilfen 19 288, für Soforthilfen 1800 Euro.

Rechtsberatungsschecks wurden in Höhe von 1245 Euro ausgestellt, psychotraumatologische Beratungen für 600 Euro vermittelt. Opfer, die immaterielle Hilfe wie Trost und Beistand brauchten, gab es unzählige mehr.

Deshalb werden weitere Helfer gebraucht. „Dieses Ehrenamt ist sehr zeitintensiv. Die Gespräche mit den Opfern dauern oft zwei bis drei Stunden, je nach Schwere des Falls betreuen wir sie über Jahre.“

Der Weiße Ring arbeitet ohne staatliche Finanzierung. Er ist auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen. „Auch deshalb brauchen wir weitere Mitstreiter“, sagt Jens Strohschein. Bislang zählt der Verein 47 Mitglieder. Strohschein hofft, durch den Info-Stand das Interesse an der Opferhilfe zu wecken. „Bei einer Präventionsveranstaltung für Senioren im Herbst in Gägelow hat sich ein Ehepaar uns angeschlossen.“

Haike Werfel

Sina Schliebe (35) hat ihr Gewicht durch eine Magen-OP halbiert

22.03.2017
Wismar GUTEN TAG LIEBE LESER - Aus der Seele gesprochen

Mit Erinnerungen ist das so eine Sache, der eine findet sie toll, der andere mies. Und manchmal weckt unser „Guten Tag, liebe Leser“ Bilder aus der Vergangenheit.

22.03.2017

Gerichte, die schmecken und zugleich sehr gesund sind: Spitzenköche aus der Region geben heute Tipps.

22.03.2017
Anzeige