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Bei Wasser und Brot in den Turm

Wismar Bei Wasser und Brot in den Turm

Der Gefangenenturm von Wismar wurde am 10. Juni 1907 von einem Blitz getroffen

Wismar. Am 10. Juni 1907 wurde der Gefangenenturm „während eines abends gegen 9 Uhr heraufziehenden Gewitters von einem sogenannten Schlage getroffen, der ein Teil des Daches abdeckte, dann ins Innere ging und die meisten Zellenwände durchlöcherte. Die unter dem Dache nistenden Stare wurden vom Blitz erschlagen und samt ihren Nestern auf die Straße geschleudert.

 

OZ-Bild

Die Turmstraße in Wismar mit dem Gefangenenturm um 1938.

Quelle: Sammlung Detlef Schmidt

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Zum Glück fing das am Turm vorhandene Schutzgitter die meisten der massenhaft heruntergefallenen Ziegel auf“, so eine Mitteilung der Wismarer Zeitung.

Die Schäden wurden sofort beseitigt und einen Monat später war das Dach mit seinen ursprünglichen Ziegeln wieder gedeckt. Die teilweise innen zerstörten Zellen hat man nicht wieder errichtet, da man sie einfach nicht mehr benötigte. Der Gefangenenturm war bis zu seinem Abriss am 15. Januar 1962 neben dem heute noch stehenden Wasserturm am Lindengarten der zweite noch erhaltene Wehrturm der Wismarer Verteidigungsanlage.

Diese, bestehend aus einer drei Kilometer langen und etwa einen Meter breiten Stadtmauer, fünf großen Stadttoren und 35 Türmen, schützte die Stadt seit ihrem Baubeginn 1276. Heute ist nur noch ein kläglicher, aber wohl gehüteter Rest da. Die Zeiten von Mauern sind vorbei. Der Gefangenenturm wurde im 14. Jahrhundert, ebenso wie der Wasserturm, als Wehrturm erbaut. Während man weiß, dass 1682 der Lindengartenturm zum Wasserturm umgebaut wurde, ist das bei dem Gefangenenturm nicht so ganz klar.

Fakt ist, dass der Ratsapotheker und Notar Nikolaus Eggebrecht, der 1564 dem Wismarer Superintendenten Freder Gewürzwein verkaufte und dieser daran verstarb, hier für 15 Monate eingekerkert wurde.

Das Kaisergericht in Speyer forderte, dass er „gefänglich eingezogen und in eine böse schwere Gefängnis, im Thurm zu Wismar, bey dem alten Wismar Thor gelegen, gelegt und mit eisernen Ketten an beyden Beinen angeschlossen und an einer grossen und starken Ketten, so an der Mauer festgemachet und nun in die 15 Monate lang, erzehlter gestalterbermlichen und schwerlichen, mit eisernen Ketten Tag und Nacht angefesselt und gefenglich gehalten“.

Der Gefangenenturm wird schon einige Jahre früher als Gefängnis gedient haben. Immer wieder kamen „Banquerotteure und boßhafte Schuldner“ in den Turm. Auch Handwerker hatten diese Strafe zu spüren wie ein Exkurs bei Wismars Maurern zeigt: Eine Verordnung aus dem Jahr 1584, die gleichermaßen für Maurer, Zimmerleute und Dachdecker verbindlich war, besagt, dass „durch das Bauen allerhand Unrichtigkeit und Neuerung, der Stadt zum Schaden eingeführet werde“.

Der Wismarer Gefangenenturm, der so ein richtiger Kerker war, hatte 1866 ausgedient. Da bekam Wismar mit dem Neubau des Eckhauses Scheuerstraße/Kleine-Hohe-Straße (heute freiwillige Feuerwehr) ein neues Gefangenenhaus, das jedoch nur bis 1879 benutzt wurde. Ein weiteres Gefängnis, eher Untersuchungshaft, befand sich in der Hauptwache am Markt. Hier stand auch der „Kark“, der Pranger, und es war die „Hechte“, Arrestzellen, vorhanden. Beim Neubau der Hauptwache sind vier Arrestzellen ganz oben im Haus eingerichtet worden, die auch bei der letzten Sanierung Berücksichtigung fanden. Diese Arrestzellen dienten aber auch noch dem in Wismar stationierten Militär. So sollte 1820 die Frau eines städtischen Beamten an den Pranger, weil „sie sich erlaubet hat, Menschenkoth auf die Straße zu werfen“.

Für Wismar war das bekannteste Gefängnis die Arrestanstalt in der Kellerstraße. Hier stand das 1833 errichtete Städtische Armenhaus der Stadt, welches 1890 wegen Baufälligkeit erneuert werden musste und ein Hausteil für das neue Gefangenenhaus genutzt wird. Nachdem das alte Krankenhaus nach 1909 am Katersteig zum „Altersheim“ eingerichtet worden war, wurde das Haus zur Arrestanstalt, das die Hansestadt Wismar am 25. Juli 1925 an das Justizministerium in Schwerin verkaufte. Das Grundstück wurde am 16.April 1930 mit dem Grundstück des Fürstenhofes vereinigt und 1935 wurde das neue Gefangenenhaus in der Kellerstraße eingerichtet. Seit dem 1. Juli 1992 befand sich hier die Jugendarrestanstalt mit 16 Haftplätzen. Seit geraumer Zeit steht das Gebäude leer.

Der nahezu 600 Jahre alte Gefangenenturm hatte seinem Namen als Wehr- und Gefangenenturm alle Ehre gemacht. Kein Krieg, keine Kanone und kein Angriff konnte ihm etwas anhaben. Doch der 25. August 1944 mit dem Angriff US-amerikanischer Bomber auf Wismar war auch für ihn zu viel. Ohne Dach stand er da und die Vernachlässigung seiner Bausubstanz tat ein Übriges, sodass er am 15. Januar 1962 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde.

Was sonst noch geschah

12. Juni 1842: Das Porträtbild von Bürgermeister Johann Anton Haupt (1800-1835) vom Wismarer Maler Carl Düberg (1801 – 1849) wird dem Rathaus übergeben.

12. Juni 1859: Archivrat Dr. Friedrich Techen in der Hegede 7 geboren.

12. Juni 1997: Gründungstag FC Anker Wismar von 1997 e.V..

13. Juni 1850: Ratsschreiber Lorenz nimmt Badeanstalt vor Wendorf (auch „Lorenzhöhe“ genannt) in Betrieb.

14. Juni 1821: Hammersches Badeschiff am Wendorfer Ufer in Dienst gestellt.

15. Juni 2002: Städtepartnerschaft mit Kalmar (Schweden).

Detlef Schmidt

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