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Wismar Berührende Geschichten von Flucht und Heimat
Mecklenburg Wismar Berührende Geschichten von Flucht und Heimat
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12:26 09.09.2018
Starke Stimme: Delyar Hamza singt, Ismaeel Foustok spielt E-Gitarre. Quelle: Nicole Hollatz
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Wismar

„Das Zollhaus, das ist ein ehemaliges Hostel im Bremen, wo 60 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergekommen sind“, erzählt Musiker, Schauspieler und Kabarettist Pago Balke. Mit vier dieser jungen syrischen „Neubürger“ haben Pago Balke und Musiker Gerhard Stengert ein Theaterprogramm erarbeitet. Für die Interkulturellen Wochen machten sie damit am Sonnabend im Theater der Hansestadt Wismar Station.

Intensiver Auftritt der „Zollhausboys“ im Theater

Anfangs sprachen die Jugendlichen nur wenig deutsch. Inzwischen singen, rappen, erzählen sie mithilfe der Musiker von dem, was sie bewegt und bewegt hat in ihrem Leben. „Ich hab mal ein Bild von Bremen gesehen, da blieb kein Stein auf dem anderen stehen. 1945 war die schöne Stadt zerbombt, am Boden, einfach platt. So sieht jetzt heute meine Stadt aus. Siehst du die Bilder, das hältst du nicht aus. Das ist die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Vier Millionen Leute, und ich mittendrin“, singt Ismaeel Foustok über sein Aleppo. Die Geräusche und die Musik, die die anderen auf der Bühne machen,bewegt sich intensiv zwischen den Kulturen.

Deutsche Liedermachermusik trifft auf orientalische Klänge, internationaler Jazz, Blues und Rock verbinden beides zum bewegenden Klangteppich mit E-Gitarre, Schlagzeug, Marimba und Vibraphon. Ismaeel Foustock mit den langen Haaren und der E-Gitarre um den Hals erzählt von seinem „Paradice“ – so heißt die abgewrackte, überfüllte ehemalige Eislaufhalle, die sein erstes Flüchtlingslager in Bremen war. Bald wird er sein Abitur in Deutschland machen, erzählte er nach der Vorstellung. Vier Jugendliche ohne Jugend, die durch Krieg, Tod und Flucht erwachsen werden mussten und so den Millionen Menschen weltweit auf der Flucht ein Gesicht geben. Das wollen sie mit ihrem Theaterstück. Das gelingt.

„Im Jahr 2011, da gingen die Demos los. Es starben einige Kinder, die Empörung wurde groß, aus den Beerdigungszügen wurde bald ein Flächenbrand, er wurde immer stärker und erfasste das ganze Land“, singt Azad Kour, der auch so wunderbar tanzt und mit seiner Pantomime für manchen Lacher sorgt. Trotz des ernsten Themas zwischen Krieg, Flucht, Heimweh und IS: „Diese Terrorbande hat weiß Gott mit dem Islam genauso viel zu tun wie der Weihnachtsmann. Wir nennen sie deshalb Daesch, das heißt „Die Zwietracht säen“, sie können durch Syriens Öl vor Reichtum kaum noch stehen.

Shvan Sheikho singt: „Mein Vater wollte an der Grenze noch einmal Kobani sehn, da sah ich plötzlich Tränen in seinen Augen steht!“ Und ja, Männer weinen nicht.Ein intensiver Theaterabend. Die „Zollhausboys“ versprachen, nächstes Jahr wieder nach Wismar zu kommen. Mit ihren neuen Programm, in dem Orient und Okzident musikalisch noch stärker aufeinander treffen. Dann wird die glasklare Stimme von Delyar Hamza hoffentlich noch mehr zur Geltung kommen.

Interkulturelle Wochen

Während der interkulturellen Wochen sind zahlreiche Veranstaltungen geplant. Ein Höhepunkt für Familien ist das Fest der Demokratie – Fest der Vielfalt am 15. September von 14 bis 18 Uhr im Wismarer Bürgerpark. Musik machen die Musiker von „The Jellyfish Jazz Orchestra“ und der Wismarer Straßenmusiker „ÖXL“. Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Haffburg backen Kuchen. Junge Künstler können sich an Grafittiwänden und Musikinstrumenten ausprobieren. Feuerwehr, Handpuppenspiel und Märchenerzählerin, Kletterturm und Wasserbälle, Roller- und Fahrradparcours, Bastel- und Spielangebote sowie interkulturelle Spiele – beim Familienfest wird einiges geboten.

Theater mit Wismarer Flüchtlingen und internationalen Studenten wird am 20. September um 16 Uhr auf der Kammerbühne im Theater Wismar geboten.

Das Hoffest vor der Nikolai-Kirche am 21. September von 15 bis 18 Uhr steht unter dem Motto „Ein Klang aus vielen Tönen“. Musik aus verschiedenen Kulturen  erklingt. Jeder kann etwas fürs gemeinsame Buffet mitbringen.

Hollatz Nicole

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