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Wismar Beruflicher Neustart: Azubi mit 42 Jahren
Mecklenburg Wismar Beruflicher Neustart: Azubi mit 42 Jahren
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07:15 07.09.2013
Carola Schlegel, Auszubildende zur medizinischen Fachangestellten, übt das Blutdruckmessen bei ihrer Kollegin Stefanie Kirsch. Quelle: Haike Werfel
Wismar

Mit 42 Jahren noch mal auf die Schulbank. „Ich musste das Lernen wieder lernen“, gesteht Carola Schlegel. „Aber wir sind ein guter Klassenverband, da hilft einer dem anderen.“ Es macht ihr nichts aus, „die Klassen-Omi“ zu sein, sagt sie lachend. Im Gegenteil. Die gebürtige Wismarerin ist froh, nach Jahren der Arbeitslosigkeit, nach Helfer- und 1-Euro-Jobs nun im Berufsleben wieder Fuß zu fassen. „Ich habe eine Arbeit gefunden, die mir richtig viel Spaß macht.“ Carola Schlegel absolviert seit Februar eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten.

In ihrem Beruf als Weberin, den sie als Jugendliche in Sachsen gelernt hatte, konnte sie nicht mehr arbeiten. „Die meisten Werke haben nach der Wende dichtgemacht“, erzählt sie. Sie entschloss sich 1996, in ihre Heimatstadt Wismar zurückzukehren. Seitdem hatte sie mehrere kleine Jobs. Vor vier Jahren bekam sie ihr drittes Kind. Nach der Elternzeit mit dem Nesthäkchen, die Geschwister sind 23 und 19 Jahre alt, war Carola Schlegel wieder auf der Suche nach einer Arbeit.

Im Jobcenter Nordwestmecklenburg erfuhr sie von der Möglichkeit der Einzelumschulung für Erwachsene. Sie wird betreut durch die Fortbildungsakademie der Wirtschaft gGmbH (FAW) und dauert statt drei nur zwei Jahre. „Ich war erstmal ratlos, was ich machen kann, was zukunftsfähig ist und was aber auch meinen Wünschen und Neigungen entspricht“, schildert sie. Der Bildungsträger bot zunächst eine achtwöchige Berufsorientierung an. „Da konnte ich mich in verschiedenen Bereichen ausprobieren. Als ich dann in der Arztpraxis gearbeitet habe, hat es klick gemacht. Hier hat es mir richtig gut gefallen“, berichtet sie. Ihr Entschluss, noch mal einen Beruf zu erlernen, stand fest.

„Jetzt brauchte ich einen Kindergartenplatz für meinen kleinen Sohn. Auch dabei wurde mir geholfen.“ Zur Berufsschule fährt sie nach Schwerin. Die FAW begleitet sie vor allem in der theoretischen Ausbildung, gibt sogenannten Stützunterricht in den Hauptfächern. „Ohne diese Hilfe wäre es sehr schwer für mich“, gibt die 42-Jährige zu. Dabei sind ihre Berufsschulergebnisse richtig toll, berichtet Gisa Buchholz, pädagogische Mitarbeiterin der FAW in Wismar. „Ich kenne Frau Schlegel seit einem Dreivierteljahr“, sagt sie. „Sie ist motiviert und couragiert und vor allem ein Organisationstalent.“

Auch Stephanie Heinelt, Fachärztin für Innere Medizin, lobt ihre Azubi: „Sie ist ein Glücksfall für die Praxis und eine Bereicherung für unser Team. Wir suchten händeringend Verstärkung. Nach der Ausbildung möchte ich sie gern einstellen.“ Schwester Bärbel Wendt mit ihren fast 40 Dienstjahren ergänzt: „Carola ist sehr freundlich und offen, hat schnell in die Arbeit reingefunden. Sie ist wie geboren für diesen Beruf.“

Gerade Erwachsene in Umschulungen sind hochmotiviert, weiß auch Martin Greiner, Geschäftsführer des Jobcenters Nordwestmecklenburg. „Die Abbrecherquote ist sehr gering.“ Arbeitgeber würden sehr gute Erfahrungen mit der betreuten Einzelumschulung machen, erklärt Gudrun Zubke-Höpel, stellvertretende Leiterin der FAW in Lübeck. „Die erwachsenen Umschüler sind reifer, es gibt keine Anfangsprobleme wie bei jungen Arbeitnehmern.“

Daher appelliert Kerstin Suppan, Leiterin der Arbeitsvermittlung in der Agentur Wismar, an die Unternehmen: Wenn sie ausbilden und keinen geeigneten Bewerber unter den Schulabgängern finden, dann sollten sie jungen oder älteren Erwachsenen ohne Berufsabschluss, aber mit langjähriger Helfererfahrung eine Chance geben. Die Arbeitsagentur fördert die betreute Einzelumschulung, die praktisch für jeden Beruf infrage kommt.

Kostenintensive Maßnahme

2Jahre dauert die betreute Einzelumschulung für Erwachsene, eine Berufsausbildung meist drei Jahre. Sie wird in Vollzeit oder für Alleinerziehende in Teilzeit in den Ausbildungsbetrieben angeboten.

Für jeden Beruf kommt diese Maßnahme infrage. Unternehmen suchen derzeit allerdings Beschäftigte im Einzelhandel, in der Landwirtschaft, Kfz-Mechatroniker, Immobilien- bzw. Industriekaufleute.

Da die Maßnahme sehr teuer ist, weil für die Umschüler unter anderem Fahrkosten zur Berufsschule, Kinderbetreuungs- und Unterhaltkosten bezahlt werden können, wäre es wünschenswert, wenn sich die Unternehmen finanziell beteiligen würden.


Interessenten wenden sich an ihren Arbeitsvermittler in der Agentur für Arbeit oder an ihren Ansprechpartner im Jobcenter. Der Einstieg in die Umschulung ist zum Ausbildungsjahr oder auch zum Halbjahr möglich.

Haike Werfel

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