Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Betriebe verzweifelt: 1142 Lehrstellen offen
Mecklenburg Wismar Betriebe verzweifelt: 1142 Lehrstellen offen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:03 11.09.2013
Zur Ausbildung eines Kochs gehört auch das Filetieren eines Fisches. Auch im Landkreis Nordwestmecklenburg werden noch Auszubildende in den gastronomischen Berufen gesucht. Quelle: Bernd Wüstneck

Das neue Ausbildungsjahr nimmt langsam Fahrt auf. Die Mitglieder der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg haben auch schon mehr als neue 100 Lehrverträge abgeschlossen.

Trotzdem sind die Unternehmen unzufrieden. „600 unserer 2000 zugehörigen Handwerksbetriebe könnten Auszubildende einstellen. Doch die Realität sieht anders aus“, sagt Antje Lange, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. Der Nachwuchs komme nicht wie erhofft in die Betriebe.

Die Gründe: Häufig sei die Qualifikation der Bewerber nicht den Anforderungen entsprechend. „Ausbildungsfirma und Azubis passen oft nicht zueinander. Häufig haben sich die Jugendlichen zu spät informiert“, schätzt Antje Lange ein. Dabei, so betont sie, sehe es auf dem Arbeitsmarkt derzeit blendend für Neueinsteiger aus.

Händeringend werden zum Beispiel Anlagenmechatroniker und Elektroniker gesucht. „Es sind anspruchsvolle technische Berufe. Hier die Stellengesuche abzudecken, ist derzeit unmöglich“, berichtet die Geschäftsführerin.

Dirk Heyden, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Schwerin, unterstrich gestern in der Grevesmühlener Malzfabrik diese Einschätzung. „Unternehmen haben Probleme, Nachwuchs zu gewinnen“, sagte Heyden. Ende August gab es in Westmecklenburg nach Erkenntnissen der Agentur 1142 freie Ausbildungsplätze. Andererseits suchten 576 potenzielle Lehrlinge noch eine Ausbildungsstelle. Während in den Betrieben vornehmlich Stellen im Hotel- und Gastronomiebereich oder in technischen Berufen frei sind, suchen Schulabgänger eher eine Ausbildung in Handel oder im Büro. Um diesen Gegensatz zu beheben, seien alle gefordert. „Beruforientierung ist eine gesellschaftliche Aufgabe“, sagte Heyden.

Der Kasache Alexey Sengileyev hat derweil bereits Erfolg gehabt. Der 26-jährige Wahl-Grevesmühlener trat am 2. September seine Lehre zum Elektriker an, obwohl er in Kasachstan bereits eine Ausbildung in dieser Branche erfolgreich abgeschlossen und im Beruf gearbeitet hat. „In Deutschland wird der Abschluss aber nicht anerkannt“, erklärt Karsten Joost, Chef der gleichnamigen Elektrofirma in Grevesmühlen. Der 35-Jährige entschied sich unter fünf Bewerbern für den seit acht Jahren in Deutschland lebenden Kasachen und ist zufrieden mit seiner Wahl. „Wir hatten fünf Bewerber, Alexey und einen weiteren Bewerber habe ich zum Vorarbeiten eingeladen. Mit Alexey haben wir einen Glücksgriff getan. Er wusste aufgrund seiner vorherigen Ausbildung schon viel und passt bestens in unser 14-köpfiges Team“, meinte Joost.

Gefragte Lehrstellen
Diese Lehrstellen sind gefragt:

1. Kaufmann/-frau im Einzelhandel   162

2. Verkäufer/-in   157

3. Bürokaufmann/-frau   105

4. Medizinische/r Fachangestellte 104

5. Fachlagerist/in   81

Zahlen: Bewerber Diese Azubis wollen die Betriebe:

1. Koch/Köchin   164

2. Restaurantfachmann/-frau   144

3. Kaufmann/-frau im Einzelhandel   135

4. Hotelfachmann/-frau   113

5. Bürokaufmann/-frau   89

Zahlen: Gemeldete offene Stellen

Birgit Hesse: Land in der Pflicht
Beim Thema Berufsorientierung hat Landrätin Birgit Hesse (SPD) die Landesregierung in die Pflicht genommen. „Ich sehe es als große Verantwortung des Landes, sich Gedanken zu machen, wie der Übergang von der Schule in den Beruf gestaltet werden soll“, sagte Hesse gestern in der Grevesmühlener Malzfabrik eingangs der Jugendkonferenz zum Praxislerntag Nordwestmecklenburg.

Die Landrätin knüpfte ihre Aufforderung gleichzeitig an eine entsprechende Finanzierung durch das Land. Hintergrund ist, dass die Kreisverwaltung mit der Stelle Regionales Übergangsmanagement (RÜM) seit drei Jahren das Netzwerk zwischen Schulen, überbetrieblichen Bildungsträgern und Betrieben koordiniert. Die Förderung des Projektes RÜM durch den Bund läuft Ende September aus. Der Kreis selbst hat offenbar keine Mittel dafür. Ein Ergebnis des RÜM ist der Praxislerntag, ein Konzept, das die Vermittlung von Schulabgängern in Ausbildungsstellen kreisweit koordinieren soll. In drei Arbeitsgruppen werteten gestern die Teilnehmer der Jugendkonferenz den bisherigen Verlauf des Konzeptes aus. Die Ergebnisse, etwa eine stärkere Einbeziehung der Eltern, sollen nun eingearbeitet werden, unabhängig davon, ob das RÜM überlebt.Robert Niemeyer

Maik Freitag und Robert Niemeyer

Und Pastor Roger Thomas gab den Namen des Kriminellen nicht preis.

11.09.2013

Die gescheiterte Bauherrin Beate Barrein fordert hohe Ausfall-Zinsen.

11.09.2013

Das Tourismuskonzept und die Fahrbibliothek sind weitere Punkte bei der Sitzung im Wismarer Zeughaus.

11.09.2013
Anzeige