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Bewegendes Erinnern an das Grauen des Krieges

Wismar Bewegendes Erinnern an das Grauen des Krieges

180 Gäste gedachten gestern in St. Georgen der Zerstörung des Gotischen Viertels. Schüler des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums lasen auch Zeitzeugenberichten.

Wismar. In St. Georgen wurde gestern der Zerstörung des Gotischen Viertels gedacht. Schüler des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums, die Blechbläser der Musikschule und Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) gestalteten die traditionelle Gedenkveranstaltung und erinnerten an die Gräuel des Zweiten Weltkrieges. Gut 180 Gäste folgten der bewegenden Veranstaltung.

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch“, zitierte Bürgermeister Thomas Beyer Bertolt Brecht, nachdem er Zeitungsschlagzeilen vorlas. „SS-Aufseher unter anderem aus dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in Deutschland aufgespürt!“ und „NSU-Prozess steht kurz vor der Eröffnung“ — Schlagzeilen, die immer wieder mahnen, wie wichtig dieses Erinnern ist.

Nathalie Trappe (14), Celine Martin (14) und Felix Dettmann (15) vom Projekt „Zeitensprünge“ des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums intensivierten diese Mahnung. Sie lasen Zeitzeugenberichte aus dem Buch „Bomben über Wismar“ und liehen den Erinnerungen ihrer Großelterngeneration ihre jungen Stimmen. „Unsere Wohnung war sehr zerstört. Eine Wand des Wohnzimmers war herausgebrochen und alle Möbel kaputt. Im Geschäft und im gesamten Haus waren ebenfalls alle Fenster kaputt und die Ware lag auf der Straße. Aber wir waren heilfroh, dass unsere Haus keinen Volltreffer bekommen hatte und wir am Leben waren. Wir lagen uns in den Armen und weinten“, las Nathalie aus den Erinnerungen von Hannelore Maronn. „Unser Ziel war immer der Friedhof, für uns der sicherste Ort. Für mich als Kind war es ein Albtraum, der lange Weg von der Krämerstraße, die Dunkelheit und über uns das Brummen der Flugzeugmotoren“, so Celine mit den Worten der Zeitzeugin Ursula Keller. Erinnerungen, die, so vorgelesen, greifbar wurden für etwas, was eigentlich nicht begreifbar, nicht vorstellbar ist für die Generationen, für die Krieg und Zerstörung nur etwas aus dem Geschichtsunterricht und dem Fernsehen, vielleicht noch aus dem Erzählen der Älteren ist. Felix Dettmann: „Wir haben solche schrecklichen Ereignisse zum Glück noch nicht miterleben müssen und wollen dies natürlich auch nicht.

Frieden ist etwas Kostbares.“ Er versprach, mit offenen Augen in die Zukunft zu gehen und seinen Anteil am Erhalt des Friedens zu leisen. „Frieden ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Frieden“, zitierte er Willy Brandt.

Vor 68 Jahren
In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1945 richteten Luftminen große Schäden in Wismar an, besonders im mittlerweile sogenannten Gotischen Viertel. Von den Kirchen St. Georgen und St. Marien blieben nur noch Ruinen stehen. Die Kapelle Maria zu Weiden, die Alte Schule, der Gefangenenturm am Ende der Großschmiedestraße und viele Wohnhäuser wurden damals beschädigt oder völlig zerstört. St. Georgen steht wie kein anderes Gebäude in der Hansestadt Wismar mit ihrem Wiederaufbau für die Hoffnung nach Krieg und Diktatur.

Nicole Hollatz

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Wismar
Gut 180 Gäste folgten in St. Georgen der Gedenkveranstaltung zur Zerstörung des Gotischen Viertels 1945. Darunter auch Zeitzeugen.

In der Nacht vom 14. zum 15. April 1945 fielen in Wismar die Bomben und zerstörten Teile der Innenstadt.

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