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Bissiges Kabarett auf der Kammerbühne

Wismar Bissiges Kabarett auf der Kammerbühne

„Gutmensch ärgere dich nicht“: Michael Ranz und Edgar May begeisterten mit niveauvollem Quatsch.

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Bissiges Kabarett: Edgar May (l.) und Michael Ranz waren mit dem Programm „Gutmensch ärgere dich nicht“ in Wismar.

Quelle: Nicole Hollatz

Wismar. Mit dem bisher in der Stadt unbekannten Duo „Ranz und May“ bewies das Wismarer Theater ein gutes Händchen. Den Gästen wurden bissiges Kabarett und gute Unterhaltung geboten.

So niveauvoll ist „Quatsch“ selten, noch seltener, wenn er in „Klassenclownmanier“ präsentiert wird. Ein kabarettistisches Konzert bzw. musikalisches Kabarett — die Herren Ranz und May nahmen kein Blatt vor dem Mund. Dabei bewies sich Schauspieler Michael Ranz als Meister der Argumentation. Seinen Schlussfolgerungen konnte man nicht widersprechen, schon allein, weil man nicht zu Wort kommen würde. Die logistischen Wortketten ließen die Gäste laut auflachen, auch wenn manch ein Thema nicht wirklich zum Lachen war.

So wie die Karniggelgeschichte. Die, wo ein Lehrer aus Niedersachsen seinen Schützlingen beim Steinzeitexperiment bewies, dass Fleisch nicht aus dem Supermarkt kommt. Ein blutiges Experiment, das in die Schlagzeilen kam. „Das war schon ein bisschen unsensibel“, kommentierte Edgar May hinterm Keyboard als zweiter Part des Duos. „Unsensibel ist es, Vierjährigen mit der Rache Gottes zu drohen!“, konterte Michael Ranz. „Egoshooter, Hardcoreporno, Handyraub — das lässt sich alles nicht vermeiden, aber dem Hasiputzi eins mit dem Hammer drüberzuziehen, da rasten sie aus, die Bionade-Muttis!“ So bissig darf und muss Kabarett sein. Dazu die Gesichtsakrobatik von Michael Ranz, der manch eines seiner Argumente mit hoch gezogenen Augenbrauen oder geblähten Wangen unterstrich. „Das ist aber auch nicht schön anzusehen, wie so ein Tier stirbt“, meinte May. „Ihnen aber Gesichtsmortadella aufs Brot legen ist okay oder was?“ Texte weit abseits der „politischen Korrektheit“, aber überzeugend.

Keine flachen schnellen Pointen für das ebenso flache Publikum, sondern durchweg Geschichten zum Mitdenken.

Die Wismarer Gäste bogen sich vor Lachen. Zwischen den Mono- und Dialogen gab‘s Musik mit Edgar May am Keyboard und Michael Lanz singend. Mit rollendem „R“ sang Lanz im Stile der Wiener Kaffeehausmusik, Schubertscher Klassik und manch einer aktuellen Melodie. Natürlich mit Texten, die so gar nicht zu einem gutbürgerlichen Kaffeeklatsch passen würden, geschweige denn zu Schubert.

„Doch ich, ich hab mit dir was ganz Besonderes vor, drum flüstere ich leise in dein Schnuckelohr: Uschi, ich führ dich aus heut Nacht zum Sushi, danach küss ich dir deine M . . .“, sang Michael Ranz, bis Edgar May ihn unterbrach. Natürlich ging der Satz mit „Mandelaugen“ zu Ende. „Denn die lachen ja so herrlich unter deinem Po, Po . . . Pony vor!“ Ein Schelm, wer anderes dabei dachte. Was für ein Ohrwurm für den Nachhauseweg.

Fazit nach gut zwei Stunden Unterhaltung: die Herren dürfen wiederkommen.

Nicole Hollatz

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