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Wismar Blitzlichtgewitter auf den Kreisstraßen
Mecklenburg Wismar Blitzlichtgewitter auf den Kreisstraßen
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00:00 02.09.2013
Mit mobilen Geschwindigkeitsmessanlagen kontrolliert der Landkreis Nordwestmecklenburg jährlich rund 750 000 Fahrzeuge.
Wismar

Für viele Autofahrer sind sie ein Ärgernis, für die Sicherheit im Straßenverkehr jedoch offenbar unverzichtbar: Blitzer. Am 10. Oktober wird sich der Kreis am bundesweiten Blitzer-Tag beteiligen. Die OSTSEE-ZEITUNG geht den wichtigsten Fragen zum Thema Geschwindigkeitskontrolle nach und liefert die Antworten.

Warum muss auch der Landkreis blitzen? Dafür gibt es doch die Polizei.

„Das ist eine Pflichtaufgabe des Landkreises“, sagt Gerhard Rappen (CDU), 1. stellvertretender Landrat, dem die Verkehrsüberwachung im Kreis untersteht. Der Umfang der Verkehrskontrollen sei durch das Land vorgegeben. Die Polizei allein könne diese Vorgabe nicht erfüllen. Deshalb blitzt auch der Kreis. Allerdings: „Wir dürfen nicht in den fließenden Verkehr eingreifen“, sagt Margret Rudolph, Fachdienstleiterin Ordnung, Sicherheit und Straßenverkehr. Deshalb werde durch die Verwaltung lediglich geblitzt, während die Polizei auch lasert und die Temposünder dann aus dem Verkehr herauswinkt.

Wie blitzt der Landkreis?

Die Kreisverwaltung kontrolliert mit fünf festen Blitzern, den sogenannten Starenkästen oder Eulen. Die stehen in Mallentin, Rolofshagen, Lützow, Lübstorf und an der B106 am Abzweig nach Klein Trebbow. Drei Kameras besitzt der Landkreis, die abwechselnd auf die fünf festen Blitzer verteilt werden. Allerdings ist mittlerweile nicht mehr an der Farbe der Linse sichtbar, welcher Blitzer „scharf“ ist, da dort eine farbige Glasscheibe eingesetzt wird. Die mobilen Kontrollen werden von einem Dienstleister eingekauft, dem auch die Blitzgeräte gehören. Einer von drei Messbeauftragten des Landkreises, der die gesetzlichen Vorschriften kontrolliert, und ein technischer Mitarbeiter der Firma führen die Kontrollen vor Ort durch. Der Dienstleister wertet die Fotos aus und stellt sie dem Landkreis mit den wichtigen Daten zu Ort, Zeit und Geschwindigkeit zur Verfügung.

Wird die Auswahl der Blitzorte willkürlich getroffen?

„Nein“, sagt Margret Rudolph, „die Verkehrsunfallkommission legt Unfallhäufungsstellen und Unfallhäufungslinien fest.“ In dieser Kommission sind der Landkreis, die Polizei, die Kreis- und Landesstraßenmeister sowie das Straßenbauamt Schwerin vertreten. Nach Auswertung der Verkehrsunfallstatistik werden Maßnahmen festgelegt, um die Unfälle an den Schwerpunkten zu minimieren. Dazu gehört nicht nur die Geschwindigkeitskontrolle, auch Baumaßnahmen oder Grünschnitt gehören dazu. „Wir reagieren auch auf Hinweise von Bürgern oder Ämtern“, sagt Rudolph. Wenn ein Hinweis eingeht, etwa vor einer Kita laut Aussage von Bürgern gerast wird, kann der Kreis auch testweise kontrollieren. Mit einer sogenannten verdeckten Messung werden dann die Anzahl und Art der Fahrzeuge sowie die Geschwindigkeiten festgehalten, ohne tatsächlich zu blitzen. Nach Auswertung dieser Testkontrollen wird dann entschieden, ob an der Stelle ernsthaft kontrolliert wird.

Warum sehen die Fotos in den Bescheiden so unscharf aus?

„Das hat nur den Anschein, meistens genügt ein Blick auf das Führerscheinfoto“, sagt Margret Rudolph. Durch die Verkleinerung für den Bescheid und durchs Kopieren sieht das Bild nach schlechter Qualität aus. „Bei uns am PC sieht das besser aus.“ 15 Mitarbeiter sind in der Kreisverwaltung für die Bearbeitung zuständig.

Fahrverbote sind kein Problem, man kann sich ja freikaufen?

„Nicht per se“, sagt Gerhard Rappen, „es wird immer im Einzelfall entschieden.“ Freikaufen geht deshalb nur mit einer aussagekräftigen Begründung, etwa wenn die berufliche Existenz vom Autofahren abhängt. Das heißt aber noch nicht, dass dann auch positiv entschieden wird. In Flensburg werden Verstöße aus der Vergangenheit abgerufen. Sind diese „Vorstrafen“ zu eindeutig, kann das Fahrverbot aufrechterhalten bleiben.

Mit den Geschwindigkeits- kontrollen will der Landkreis nur seine Kasse aufbessern, oder?

Der Landkreis nimmt etwa zwei Millionen Euro pro Jahr durch die Verkehrsüberwachung ein. Auch Bußgelder von Unfällen sind darin enthalten. Den Großteil machen aber die Geschwindigkeitskontrollen aus.

Dem entgegen stehen die Kosten. Für den externen Dienstleister plant der Kreis etwa 350 000 Euro ein. Hinzu kommen die Personal und Sachkosten. „Es bleibt etwas mehr als die schwarze Null übrig“, sagt Gerhard Rappen, „aber der Saldo ist in den vergangenen Jahren rückläufig, obwohl wir den Umfang der Messungen deutlich erhöht haben.“

Blitzermythen
Bei Regen darf nicht geblitzt

werden.

Margret Rudolph: „Das ist Quatsch. Durch Regen wird ja nicht die Geschwindigkeitsbeschränkung aufgehoben. Wir blitzen auch bei Regen. Je nach Stärke des Niederschlags kann es aber sein, dass nicht alle Fotos verwertbar sind.“


Unmittelbar hinter einem Ortseingangsschild darf nicht geblitzt werden.

Gerhard Rappen: „Grundsätzlich gilt die Geschwindigkeitsbegrenzung ab dem Ortseingangsschild, rein rechtlich dürften wir dort auch blitzen. Es gibt aber verschiedene Gerichtsurteile, die im Sinne der Verhältnismäßigkeit einen gewissen Abstand einfordern. Dieser variiert je nach Urteil.“


Ein Autofahrer darf die anderen nicht mit der Lichthupe vor einem Blitzer warnen.

Gerhard Rappen: „Stimmt, man darf die Lichthupe nur zur Warnung vor Gefahren nutzen. Allerdings ist es schwierig, das zu kontrollieren.“


Nach 20 Uhr oder bei Dunkelheit darf nicht geblitzt werden.

Margret Rudolph. „Nein, dann müss-

ten wir ja auch die festen Blitzer abschalten.“

Wenn man das Kennzeichen abdeckt oder eine Maske trägt, kann man nicht überführt werden.

Margret Rudolph: „ Jemanden mit einer Maske hatten wir noch nicht. Auch wenn es ein langer Weg ist, über den Halter könnten wir auch den Fahrer ermitteln. Wer sein Kennzeichen verdeckt und in eine Polizeikontrolle gerät, bekommt noch viel größere Probleme.“

Eine CD am Innenspiegel verhindert, dass man auf dem Foto erkannt wird. Margret Rudolph: „Es kommt vor, dass die CD den Blitz reflektiert und das Foto unbrauchbar ist. Allerdings müssen dafür sehr viele Zufälle gleichzeitig eintreten.“

4,25 Millionen Fahrzeuge kontrolliert der Kreis pro Jahr mit den festen Blitzern. Lediglich etwa 18 800 Autofahrer sind hier zu schnell (Quote: 0,44 Prozent). Mit den mobilen Geschwindigkeitskontrollen werden jährlich etwa 750 000 Fahrzeuge kontrolliert, rund 42 900 Fahrer sind zu schnell (Quote: 5,7 Prozent). Die meisten Temposünder sind im Verwarngeldbereich zu finden (bis 35 Euro). Rund 75 Prozent sind maximal 15 km/h zu schnell. Nur 0,1 Prozent sind mehr als 60km/h zu schnell.

Robert Niemeyer

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