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Großgemeinde oder nicht – die Börzower identifizieren sich stark mit ihrem Dorf und sind kulturell sehr aktiv

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Lana (v.l.), Salomé, Emely, Alina, Pia und Sara auf den Ponys des Reitvereins haben mit Trainerin Andrea Bössow (r.) jede Menge Spaß.

Börzow. Die Börzower sind ein Beweis dafür, dass Fusion mit anderen Gemeinden nicht zwangsläufig heißen muss, seine dörfliche Identität zu verlieren. „Das liegt auch immer an den Leuten“, sagt Wolfgang Dritt (73), genannt „Theo“, der früher einmal Chef des Dorfclubs war – und heute noch aktiv im Kulturverein des Dorfes mitmischt. Ebenso wie sein Enkel, Tobias Nevermann (25), der der stellvertretende Vereinsvorsitzende ist.

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Großgemeinde oder nicht – die Börzower identifizieren sich stark mit ihrem Dorf und sind kulturell sehr aktiv

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„Die Börzower haben schon immer gern gefeiert und getanzt“, sagt Theo. Das kann Vereinsvorsitzende Yvonne Schönfeld-Prautsch (42), die Chefin des Kulturvereins, bestätigen. „Wir haben seit der Eröffnung des Dörphuses in 2013 einen jährlichen Gala-Abend, immer am letzten Januarwochenende, der sehr gut besucht ist. Da treffen sich viele Leute in festlicher Kleidung, essen gut, es gibt eine Tombola und es wird getanzt.“, sagt sie. „Und DJ Dirk“, ergänzt Tobias Nevermann, „holt alle auf die Tanzfläche.“

„Wir sind insgesamt um die 80 Vereinsmitglieder“, sagt Schönfeld-Prautsch. Die Ehrenamtler stellen so einiges auf die Beine – über das Jahr. Vom Tannenbaumverbrennen – unter Mitwirkung der Börzower Freiwilligen Feuerwehr selbstverständlich, die, wie Nevermann betont, bei fast allem aktiv mit dabei ist – über den Fasching, das Osterfeuer, Frühlingskonzert in der Kirche, Maibaum aufstellen, das Sportfest im Sommer, Grillfest, Erntefest gemeinsam mit Gostorf, Kürbisfest, Adventskonzert in der Kirche bis hin zur Silvesterfeier – die Vereinsmitglieder haben immer irgendetwas zu organisieren, zu planen, zu bedenken.

Wie sehr sich die Börzower mit ihrem Dorf im Wandel der Zeiten identifizieren, zeigt seit Ende August auch ein großes Wandgemälde im Saal des Dörphuses. Konzipiert und gemalt von Nordwest Media-Verlagsschef Ulf-Peter Schwarz. „Wir wollten unseren Saal dekorativ verschönern, erst dachten wir an Fotos von unserem Dorf“, erzählt Yvonne Schönfeld-Prautsch. Die Fotogruppe im Verein zog los und sammelte ein paar schöne Motive ein. Zur Umsetzung dieses Vorhabens wurde Ulf-Peter Schwarz um Rat gefragt. Der brachte dann die Idee eines Gemäldes auf. Schwarz ist bekannt als guter Maler – bis in die Schweiz hinein. Er machte einen Entwurf, unterbreitete ein Angebot, das der Kulturverein akzeptierte. Dann zog er los, um auch noch ein paar Fotos zu schießen. Und schließlich zog er sich an fünf Tagen im Dörphus zurück und den weißen Malerkittel an – und dann war es fertig: Börzow, wie es früher einmal war – mit Fischerreusen an der Stepenitz, Dampflok und vielen anderen Details vergangenen Dorflebens – und Börzow wie es heute ist. Eine offizielle Einweihung soll es noch geben. Doch schon jetzt, sagt Schönfeld-Prautsch, „stehen die Leute vor dem Gemälde und diskutieren miteinander. Immer wieder hört man:’ Ach, guck mal, wo ist das noch?’“

Reiten mit den Ponys Jimmy, Joe & Co.

Der Verein „Reitfreunde Börzow“ hat inwischen lange Wartelisten, sagt Vereinsmitglied und Haupt-Trainerin Andreas Bössow. Das ist auch kein Wunder, denn die Bedingungen für Kinder und Jugendliche – für die der Verein gegründet wurde, damit sie „Kontakt mit Tieren haben, an frischer Luft sind und mit viel Freude reiten und spielen können“, so Bössow, – ist traumhaft. Auf einem großen Grundstück mit Koppel, Unterständen, Reit-, Longier-, Ringreiten-Übungsflächen, die Vereinsgründungsmitglied Sabine Dörre-Brunner zur Verfügung gestellt hat, leben inzwischen sechs Ponys und sieben große Pferde – die sich von Freitag bis Samstagnachmittag und auch am Mittwoch auf die Kinder und Jugendlichen, die vorbeikommen, freuen. Zwölf Reitgruppen zu je fünf – überwiegend kleinen Mädchen – gibt es schon. 60 Kinder reiten im Verein – über 100 Mitglieder gibt es. „Das ist schon eine Menge ehrenamtliche Arbeit“, sagt Andrea Bössow, die im Zweckverband Grevesmühlen arbeitet und selbst noch Reitsport – Dressurreiten trainiert. Jüngst hat sie ein Turnier in Sukow bei Schwerin gewonnen.

Andrea Bössow macht die Arbeit im Verein Spaß, Unterstützung hat sie auf Trainerseite ebenso. Und ihre Tochter Pia (8) ist selbstverständlich auch mit dabei, auch wenn die Bössows selbst Pferde auf ihrem Hof haben, der gleich nebenan ist. „Am liebsten mag ich die Ponys Jimmy und Joe“, sagt Pia, die die Schule am Ploggenseering in Grevesmühlen besucht. Angst vor Pferden hat sie selbstverständlich nicht, wie alle ihre Freundinnen im Verein. „Pferde sind klüger als Menschen“, meint Pias Freundin Alina, die auch kein Problem damit hat, mal gemeinsam mit Pia auf Jimmy zu reiten. Die Ponys offenbar haben ebenfalls kein Problem mit den Kinder, obwohl Ponys ja allgemeinhin als ein wenig schwierig gelten. Meistens aber benehmen sich die kleinen Börzower Pferde gut – außer, wenn eines mal wieder durch die Tür vom Unterstand auf den Reitplatz abhaut – sich dann aber gleich wieder einfangen lässt.

Für Andrea Bössow ist es wichtig, dass die Kinder „stressfrei Spaß mit den Tieren haben. Denn Stress haben viele Kinder in der Schule schon genug“, sagt sie.

Gastwirt in dritter Generation

Detlef Fischer heißt der Wirt des Gasthofes „Unter den Linden“ in Börzow. „Mein Großvater hat den Gasthof gekauft. Das muss schon vor dem Zweiten Weltkrieg gewesen sein“, sagt er. Fischer hat den Gasthof 1991 von seiner Mutter übernommen. „In der DDR gehörte er dem Staat“, erzählt er bei einer Tasse Kaffee im Sonnenschein an einem der Tische vor dem Gasthof.

Nach der Wende kam er dann in das Privateigentum der Familie zurück.

Fischer kann nicht davon berichten, dass im vereinigten Deutschland sofort alles schwierig wurde. „Ich war mir anfangs sicher, dass das mit dem Abend- und Sonntagsgeschäft nie wegbricht.“, sagt er.

„Das war doch gute Tradition, ab vier Uhr nachmittags war hier immer die Kneipe voll und auch sonntags beim Frühschoppen, rappelvoll.“ Doch dann hat sich doch alles verändert, die Leute arbeiten viel, manche fahren weiter weg. Zeit und Lust abends noch Leute auf ein Bierchen zu treffen, fehlt bei den meisten. Ans Aufgeben hat Detlef Fischer dennoch nie gedacht. „Das geht doch nicht,“, sagt er, „das ist ein Familienbetrieb, das muss weitergehen.“ Der Mittagstisch im Gasthof ist beliebt im Dorf. Gute deutsche Hausmannskost, preisgünstig, montags bis samstags von 11 bis 14 Uhr. Auch Geburtstage und Beerdigungen finden noch im Saal des Gasthofes statt. Der Bau des Dörphuses, sagt Fischer, hat sein Geschäft schon erschwert. „Die Leute feiern lieber dort als bei uns“, sagt er und zuckt mit den Schultern. „So ist das eben.“

Einmal im Monat trifft sich der „Jugendstammtisch“ im Gasthof. Der heißt immer noch so, obwohl die Jugendlichen, die sich da treffen, inzwischen längst keine mehr sind. Und zweimal im Jahr steppt der Bär vor, in und um Detlef Fischers Gasthof. „An Pfingstsonntag und am Herrentag ist hier richtig was los“, sagt Fischer. Auch wenn der Maibaum im Dorf vor dem Gasthof aufgestellt wird, finden sich viele Menschen ein. Um den Maibaum herumgetanzt wird allerdings nicht mehr. Stattdessen wird er mit bunten Bändern geschmückt und aufgestellt. Dass die Börzower früher in der gesamten Gegend dafür bekannt waren, die besten Um-den-Maibaum-Tänzer zu sein, davon wusste Detlef Fischer nichts – aber Eckart Redersborg, Ortschronist aus Grevesmühlen, weiß davon zu berichten. Ulf-Peter Schwarz hat auch das in seinem Börzow-Gemälde im Dörphus festgehalten. am

Mei Annett Meinke

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