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Boltenhagen: Schlagabtausch zur Dünenpromenade

Boltenhagen Boltenhagen: Schlagabtausch zur Dünenpromenade

Am Montagabend haben mehr als 100 Einwohner des Ostseebades an der Versammlung im Festsaal teilgenommen und Argumente ausgetauscht

Boltenhagen. Eine gewisse Erleichterung war Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU) anzusehen. Bevor er am Montagabend die Einwohnerversammlung zur Dünenpromenade geschlossen hat, gab das Gemeindeoberhaupt sein persönliches Fazit zur Veranstaltung ab: „Ich habe vernommen, dass es unter den Bürgern Kritik gibt. Aber wir können auch mitnehmen, dass es eine breite Mehrheit gibt, die sich die Dünenpromenade wünscht.“ Befürworter und Kritiker hatten sich zuvor während der etwa zweieinhalbstündigen Versammlung einen Schlagabtausch geliefert.

Eine klare Tendenz für oder gegen die Dünenpromenade war dabei aber nicht auszumachen.

Das umstrittene Großprojekt hatte mehr als 100 Einheimische in den Festsaal gelockt – auch Eva-Maria Blumenstein. Sie und ihr Mann sind erst vor zwei Jahren aus der Rhein-Main-Region nach Boltenhagen gezogen. „Weil es hier ruhiger ist. Aber mit der Dünenpromenade befürchten wir, dass es bald überfüllt sein wird“, so Blumenstein. Gleichzeitig weiß sie: „Der Ort muss auch fortschrittlich denken.“

Sie nutzte die Veranstaltung, um sich gründlich über das Vorhaben zu informieren.

Zu Beginn präsentierten Kurdirektorin Claudia Hörl und Planer Bernd Opfermann noch einmal das rund 4,5 Millionen Euro teure Großprojekt und ermöglichten mit Visualisierungen eine bessere Vorstellung bei den Gästen. Bei der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde gab es eine Hauptfrage: Hat der Bau einer Dünenpromenade wirklich einen Mehrwert für den Ort? „Ja“, sagte Claudia Hörl. Nicht nur, weil sie landesweit einmalig sei. Mit dem Bau werde ein zusätzlicher Fußweg geschaffen, der zur Entlastung beiträgt. Außerdem würde das Ostseebad damit längst notwendige barrierefreie Zugänge zum Strand bekommen, die durch das Wirtschaftsministerium mitgefördert werden. „Ich denke, dass das ein Mehrwert für die Gemeinde ist“, betonte Hörl.

Auch die ungenehmigten DLRG- und Strandkorbvermieterhäuschen in der Düne würden endlich einen legitimen Standort erhalten. Das sei dringend notwendig, berichtete Bernd Opfermann vom Hamburger Büro b&o-Ingenieure. Das StALU mache Druck. „Wenn nicht zeitnah gebaut wird, erfolgt noch in diesem Jahr eine Rückbauverfügung der bestehenden Bebauung“, kündigte er an. Zudem müsse der letzte von insgesamt drei Bauabschnitten der Dünenpromenade bis 2019 erfolgen, da dann die Förderperiode ausläuft. Das Wirtschaftsministerium hat für das Großprojekt eine 75-prozentige Förderung in Aussicht gestellt. Die Kurverwaltung müsste dann noch 1,35 Millionen Euro aufbringen.

Es folgte eine lebhafte Debatte. „Ich denke, die Dünenpromenade ist eine langfristig gute Investition“, kommentierte der Einwohner Konstantin Koch. Für den Jugendlichen sei das Projekt auch deshalb sinnvoll, weil davon ebenso die nachkommenden Generationen profitieren. Auch die Boltenhagener Kinderärztin Steffi Dunkelmann ist Befürworterin. Sie begrüßt die Pläne aus medizinischer Sicht. „Wir empfehlen unseren Patienten das Ostseeheilklima. Doch das können sie nur nutzen, wenn sie dicht an die Wasserlinie kommen“, erklärte sie. Aktuell sei das vor allem für Menschen mit Handicap kaum möglich.

Zu den Gegnern des Vorhabens gehört Jörg Gniwotta. „Wir brauchen die Dünenpromenade nicht. Es gibt andere Notwendigkeiten. Das Geld sollte man lieber in die Therme stecken. Davon hätte jeder etwas – Urlauber, Einwohner und auch Schüler“, sagte der Tarnewitzer.

Harsche Kritik gab es auch von Sebastian Ulrich. Er mahnte, dass man ein „Disneyland“ errichten wolle. „Ich bin verwundert, dass so viele blauäugig einem Projekt folgen, dass langfristig keinen Sinn macht“, sagte Ulrich. Die Idee der Dünenpromenade sei eine Kopie aus anderen Ostseebädern. Der Bau werde nach seiner Ansicht keine Probleme lösen, sondern verschlimmern. „Boltenhagen landet damit in einem Wettrennen, das nicht gewonnen werden kann. Ein bisschen weniger wäre für diesen Ort mehr“, so Ulrich. Er hofft auf einen Bürgerentscheid, bei dem das Projekt abgelehnt wird.

Das wiederum will Bürgermeister Christian Schmiedeberg auf jeden Fall verhindern. Er schlug vor, nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts noch einmal eine Versammlung einzuberufen. „Was ich nicht will, ist, dass wir die Sache in einem Bürgerentscheid ablehnen und dann jammern wie die Briten nach dem Brexit.“

Daniel Heidmann

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