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Buchdrucker bringt Fichten im Nordwestkreis zu Fall

Moidentin/Selmsdorf Buchdrucker bringt Fichten im Nordwestkreis zu Fall

Zu Zehntausenden bohren sich Käfer, die als gefährlichste Forstschädlinge Europas gelten, durch die Rinde und legen am Stamm ihre Larven ab. Bis die Bäume absterben. Ein Monitoring soll die Ausbreitung verhindern.

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Unter der Rinde lassen sich die noch weißen Larven gut erkennen. In dem Stadium sind noch nicht flugfähig.

Quelle: Nicole Buchmann

Moidentin/Selmsdorf. Mit einem kräftigen Zug wirft Forstarbeiter André Pentzien den Motor einer Kettensäge an. Die vierte von insgesamt 15 Fichten in einem Wald zwischen Dorf Mecklenburg und Bad Kleinen (Landkreis Nordwestmecklenburg) soll fallen. Der Buchdrucker hat ihr den Lebenssaft geraubt.

DCX-Bild

Zu Zehntausenden bohren sich Käfer, die als gefährlichste Forstschädlinge Europas gelten, durch die Rinde und legen am Stamm ihre Larven ab. Bis die Bäume absterben. Ein Monitoring soll die Ausbreitung verhindern.

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„Einer allein schafft das natürlich nicht“, sagt Revierförster Ralf Lohmann und erklärt, wie sich die Käfer zu Tausenden über eine Fichte hermachen. Der Baum – ohnehin nicht heimisch im Norden – braucht viel mehr Regen als er hier bekommt. Zu wenig Niederschlag sorgt für Stress bei der Fichte und dafür, dass sie auch danach riecht.

Duft lockt weitere Käfer an

„Von diesem Duft werden die Käfer angelockt. Und hat sich einer erst durch die Rinde gebohrt, wandelt er den harzigen Geruch um in einen Duft, der weitere Buchdrucker anlockt. Und dann ist Party in einer solchen Fichte“, sagt Lohmann. Die Weibchen legen Rammelkammern an und Fraßgänge, über die die Larven sich dann Stück für Stück und Mahlzeit für Mahlzeit wieder hin zur Rinde arbeiten. Um sich – dann bereits geschlüpft – wieder nach draußen zu durchzubohren und als junger Buchdrucker auszuschwärmen – auf der Suche nach frischem Fichtenstressduft. Zurück bleibt eine tote Fichte.

Europas gefährlichster Forstschädling

André Pentzien setzt die Kettensäge am Fichtenstamm an. Ein Mal, zwei Mal. Beim dritten Schnitt fällt der tote Baum langsam zu Boden. Äste knacken. Staub tanzt in der Sonne. Mit einem Spaten schält Lohmann die durchlöcherte Rinde von Fichte Vier ab. Weiße Larven winden sich im Licht. Das Käferstadium erreichen sie nun nicht mehr. Rammelkammer, Fraßgänge, Muttergang auf dem nackten Fichtenstamm – sie muten an wie ein kunstvolles Schriftbild aus der Antike. „Wegen dieses Bildes heißt der Käfer Buchdrucker“, erklärt Lohmann.

Faszinierend. Da nickt Lohmann. „Das finde ich auch. Und wir sind selbst schuld, wenn wir die Fichte hier pflanzen.“ Mit „wir“ meint Lohmann weder seine Kollegen noch sich. Die Zeiten, in denen in Mecklenburg-Vorpommern großflächig Fichtenwälder gesetzt wurden, sind lange vorbei. Nach und nach schwinden die Bestände. Nicht zuletzt auch durch die Buchdrucker. Lohmanns Kollege in Selmsdorf musste wegen des Käfers erst kürzlich rund 1000 Fichten fällen. „Ernten“, wie die Förster sagen.

Monitoring soll Ausbreitung verhindern

Ein Mal im Monat streift Lohmann mit wachen Augen durch seinen Fichtenbestand im Revier – auf der Suche nach gelben Fichtennadeln, Bohrmehl, nach Spechten, die an der Rinde picken und Harzschlieren am Stamm. „Der Specht ist der einzige natürliche Feind des Buchdruckers. Mit dem Harz versucht die Fichte, den Käfer durch das Einstiegsloch wieder hinauszudrücken“, beschreibt er die Merkmale, anhand derer er den Befall einer Fichte mit dem Buchdrucker erkennen kann.

Lohmann beobachtet und notiert. Die Ergebnisse trägt er ein in ein digitales Waldschutzkontrollbuch. Mitarbeiter der Landesforst in Schwerin werten die Daten dann aus. Den Buchdrucker gab es schon immer. „Aber in den vergangenen Jahren haben sich die Käfer immer weiter vermehrt“, erzählt Lohmann.

Auch deshalb lässt er André Pentzien und dessen Kollegen Frank Grunberg die 15 Fichten jetzt fällen. Er will die Käferbrut noch in einem Stadium zerstören, in dem sie noch nicht flugfähig ist. Zerteilt in drei Meter lange Stücke, soll das Holz später verkauft werden. Damit es nicht wieder zu einem solch’ immensen Fichtensterben im Land kommt wie Mitte der 90-er Jahre.

Nicole Buchmann

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