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Buchhändler aus Leidenschaft

Wismar Buchhändler aus Leidenschaft

Hermann Rhein, der vor 110 Jahren Jahren im bayrischen Regensburg geboren wurde, war „der Buchhändler“ von Wismar. Außerdem interessierte er sich für die Geschichte der Hansestadt und des Umlandes.

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Hermann Rhein 1972 vor seinem Geschäft anlässlich der Eröffnung des Boulevards. Fotos (2): privat

Wismar. Vielen Wismarern ist Hermann Rhein als Buchhändler und Antiquar bekannt, in dessen Buchhandlung man stets fachlich gut beraten wurde und auch gerne einkaufte. Er war eigentlich „der Buchhändler“ Wismars. Am 3. November 1906 wurde Hermann Rhein in Regensburg geboren. An ihm kam man nicht vorbei, wenn es rund um das Buch, Grafiken, antiquarische Bücher oder auch um die Historie von Wismar und Mecklenburg ging. Er war ein Bayer in Wismar, der nach 60 Jahren sagte, dass er in Wismar seine Heimat gefunden habe. Doch wieso kommt ein Bayer auf die Idee, in den Norden zu ziehen? Hermann Rhein kommt aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater verstarb früh und so trug er, zur Unterstützung seiner Mutter, mit dem Austragen von Büchern und Zeitungen zum Lebensunterhalt bei. Der Kontakt zum lebensbestimmenden Beruf war geschlossen. Rhein kam davon nicht mehr los und da aus finanziellen Gründen ein Studium ausgeschlossen war, begann er im April 1923 eine Buchhändlerlehre bei Wadenklee in Würzburg. Diese schloss er im Oktober 1925 ab und arbeitete noch ein Jahr als Gehilfe in seinem Lehrbetrieb. Er war nun 20 Jahre alt und meinte, es wäre Zeit, sich woanders umzusehen und so führte ihn sein Weg über Nürnberg und Lübeck nach Göttingen. Er hat diese Zeit genutzt, um sich das notwendige Rüstzeug eines Buchhändlers anzueignen. Frühzeitig hat er erkannt, dass man neben dem Handel mit Büchern auch die Leidenschaft zu diesen entfalten muss, um den Kunden dafür zu begeistern.

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Hermann Rhein, der vor 110 Jahren Jahren im bayrischen Regensburg geboren wurde, war „der Buchhändler“ von Wismar. Außerdem interessierte er sich für die Geschichte der Hansestadt und des Umlandes.

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Auf der Suche nach einer Buchhandlung, die er selbständig betreiben wollte, stieß er auf Wismar. Hier verkaufte Karl Stolzenburg die Bartholdische Buchhandlung in der Dankwartstraße 23. Es war die kleinste der damals zehn Buchhandlungen am Ort. Im April 1933 wird Hermann Rhein Buchhändler in Wismar und es sollte eine Erfolgsgeschichte werden. Zwei Jahre später übernahm er die Hinstorff’sche Verlagsbuchhandlung von Walter Haas Hinter dem Rathaus 15 und richtete hier seine „Bartholdische Buchhandlung Inh. Hermann Rhein“ ein. 1938 musste er die Verkaufsräume wegen Eigenbedarf des Vermieters räumen und er kaufte das Haus Hinter dem Rathaus 9. Zwischenzeitlich hatte sich der junge Buchhändler in der Stadt eingelebt und besonders interessierte ihn die Geschichte der Stadt und des Umlandes. Enge Verbindungen zu anderen Buchhändlern in Deutschland erweiterten sein Unternehmen. Er baute in Wismar einen kleinen Verlag auf, den „Hermann Rhein Verlag“ und legte hier einige Bücher auf, aber auch historische Kostbarkeiten im Nachdruck, beispielsweise die „Beschreibung des Herzogthumbs Meckelburg“ mit der Laurembergschen Karte von Johannes Lauren von 1680.

Nach der Befreiung durch die Engländer am 2. Mai 1945 wurde er als Verbindungsperson zwischen den Dornier Werken und der Stadt eingesetzt, bedingt durch seine Englischkenntnisse. Diese verhalfen ihm zu einer Tätigkeit im Übersetzungsbüro.

Ab 1947 begann Hermann Rhein mit dem geschäftlichen Wiederaufbau seiner Buchhandlung, zudem kam eine schwere Krankheit seiner Frau hinzu, die 1948 verstarb.

Hermann Rhein schrieb viel über seine neue Heimat. Die Festschrift zur 725-Jahr-Feier trägt seine Handschrift, wie auch sein Boltenhagen-Büchlein. Und zur 750-Jahr-Feier Wismars brachte er eine limitierte Sammlerausgabe einer alten Ratsverordnung heraus. Nach 1945 wurden viele private Unternehmen und Betriebe verstaatlicht, wobei der kleine Einzelhandel zunächst verschont blieb. Dies war nach den politischen Ereignissen 1972 anders. Jetzt setzte die letzte große Welle der Verstaatlichung von Betrieben mit mehr als zehn Mitarbeitern ein. Nach Überführung der Buchhandlung in Volkseigentum und Anschluss an den Volksbuchhandel beendete Hermann Rhein seine Tätigkeit in Wismar. Von nun an wurde Parchim Lebensmittelpunkt, wo seine damalige Lebensgefährtin und spätere Frau Lotte Kunkel eine Buchhandlung betrieb. Das Ehepaar Rhein zog einige Jahre später wieder nach Wismar, wo Hermann Rhein am 15. Mai 1993 verstarb. Seine Frau Lotte verstarb am 1. Mai 2016 hochbetagt in der Hansestadt Wismar.

Was sonst noch geschah

3. November 1897:

Das letzte Mal fließt Wasser aus der Wasserkunst auf dem Marktplatz.

3. November 1862:

Eröffnung der „Kleinkinderschule“ in der Neustadt 24.

5. November 1818:

Gründung des zweitältesten deutschen Musikvereins im Briesemannschen Gasthof, heute Fründts Hotel an der Schweinsbrücke, durch Bürgermeister Carl von Breitenstern (Bürgermeister 1814-1825).

5. November 1989 :

Bürgerforum in Wismar zu Fragen in Sachen Handel und Versorgung in der Sporthalle an der Bürgermeister-Haupt-Straße.

Detlef Schmidt

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