Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Bücher und Film zur Flucht nach 1945
Mecklenburg Wismar Bücher und Film zur Flucht nach 1945
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 22.03.2017
Das Foto stammt aus dem Jahr 1945 und zeigt einen Flüchtlingstreck in Neukloster. Quelle: Foto: Archiv Hansestadt Wismar

Vom Zusammenbruch und Neubeginn in Wismar in den Nachkriegsjahren von 1945 bis 1949 handeln zwei Bücher und eine DVD. Vorgestellt werden sie am kommenden Mittwoch, 29. März, um 17 und um 19 Uhr im Kino des Filmbüros MV.

Schüler haben Zeitzeugen interviewt – Premiere am 29. April im Landesfilmzentrum

„Ich bin schon sehr gespannt und freue mich auf den Abend. Ich kenne bisher weder die Bücher noch den Film“, sagt Annalena Exner. Die 16-Jährige wohnt in Dorf Mecklenburg und besucht das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Wismar. Im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts Geschichte hat sie für das Projekt Erika Winter (87) aus ihrem Heimatdorf interviewt. „Mich hat beeindruckt, dass es für sie normal war, zwölf Flüchtlinge aufzunehmen“, erzählt Annalena.

Ihr Mitschüler Merlin Bernitt hat Interviews mit zwei Frauen geführt, die die Geschichte aus der Perspektive der Geflüchteten erzählen. „Für mich war es bewegend zu erfahren, wie Menschen mit der Situation nach dem Krieg klar gekommen sind, wie stark die Menschen sein mussten, um das zu schaffen“, sagt der 16-Jährige. Auch er freut sich auf die Premiere. Zu der sind auch die Zeitzeugen eingeladen.

Für den Förderverein der Stadtarchivs Wismar ist es das bisher größte Projekt. Zwei Bücher mit 670 Seiten sind zusammen mit Partnern entstanden. Die wissenschaftliche Aufbereitung schildert die Lebensumstände der Menschen in Wismar am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg. In Wismar lebten damals 29 000 Menschen. In den Nachkriegsjahren kamen 15000 aus Ostpreußen, dem Ermland, aus Pommern, Schlesien und dem Sudetenland hinzu.

„Wie schafft man das?“, nennt Dr. Nils Jörn, Leiter des Stadtarchivs, die zentrale Frage. Damit einher geht ein Bündel an Fragen: Wie waren die Bedingungen in Wismar zum Kriegsende? Wie stark war Wismar zerstört? Und wie war der erste Eindruck der Neuen? Wie lange brauchte es, bis sie sich heimisch fühlten? Dazu sagt eine Zeitzeugin, die seit 71 Jahren hier lebt: „Ich wohne hier, es ist mein Zuhause, aber keine Heimat.“ In Band I mit dem Titel „Zusammenbruch und Neubeginn“ geht es unter anderem um Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge, Umsiedler und Vertriebene in und um Wismar nach dem Zweiten Weltkrieg, um die Versorgung mit Lebensmitteln, die Bekämpfung von Seuchen, um Bildung und Kultur. Außerdem sind Chroniken von 1945 bis 1949 enthalten. In Band Band II berichten Zeitzeugen. Jörn:

„Das sind Erlebnisberichte aus der Sammlung des Stadtarchivs, die hier erstmals abgedruckt werden von ehemaligen englischen und sowjetischen Befreiern, Wehrmachtssoldaten, Bürgern Wismars und Häftlingen sowie die Zeitzeugenberichte, die von Schülern protokolliert wurden.“ Außerdem gibt es eine DVD von Roger Pitann und Klaus Dieter Gralow mit Interviews.

Info: Premiere „Wismar 1945-49“ am 29. März, Kino des Filmbüros MV, Bürgermeister-Haupt-Straße 51-53, 17 und 19 Uhr. Der Eintritt frei. Reservierung: ☎ 03841/ 61

8100 (info@filmbuero-mv.de). Bücher und DVD sind erhältlich am Abend, danach im regionalen Buchhandel und Stadtarchiv.

Heiko Hoffmann

Mehr zum Thema

Das aktuelle Kalenderblatt für den 18. März 2017

18.03.2017

Bei den Grabungen sind Archäologen auf Münzen gestoßen, die eine Nutzung der berühmten Anlage nach der Zerstörung im Jahr 1168 vermuten lassen

20.03.2017

Heinrich Strüving ist gerade 90 Jahre alt geworden. Der Ribnitzer sagt von sich: „Ich hatte immer viel Glück.“ Strüving war während des Zweiten Weltkriegs Betriebselektriker im Flugzeugwerk, als Soldat in Italien und später im Lastfuhrbetrieb seines Vaters wieder in Ribnitz tätig.

21.03.2017

Sina Schliebe (35) hat ihr Gewicht durch eine Magen-OP halbiert

22.03.2017

Heute Info-Stand am Wismarer Rathaus / Verein sucht Mitstreiter

22.03.2017
Wismar GUTEN TAG LIEBE LESER - Aus der Seele gesprochen

Mit Erinnerungen ist das so eine Sache, der eine findet sie toll, der andere mies. Und manchmal weckt unser „Guten Tag, liebe Leser“ Bilder aus der Vergangenheit.

22.03.2017
Anzeige