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Cannabis: 50-Jähriger erneut vor Gericht

Bobitz Cannabis: 50-Jähriger erneut vor Gericht

2007 war Frank J. aus Bobitz wegen Drogenhandels verurteilt worden / Nun ist er wieder angeklagt

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Frank J. gestern vor dem Landgericht in Schwerin. Der Bobitzer hatte zusammen mit seinem Vater eine Malerfirma, die 1997 insolvent ging. Laut J. sei er gezwungen worden, die Cannabisplantage auf dem ehemaligen Firmengrundstück anzubauen. Fotos (2): Cornelius Kettler

Bobitz. 50 Mitarbeiter hatte die Malerfirma aus Bobitz, die Frank J. zusammen mit seinem Vater bis 1997 betrieb, am Ende. Das Unternehmen hatte zahlreiche Großaufträge in der Region gestemmt, unter anderem war sie an der Sanierung der Malzfabrik in Grevesmühlen beteiligt. Die Firma gibt es schon lange nicht mehr, Fahrzeuge, Material und Werkzeug wurden im Zuge der Insolvenz versteigert. Geblieben sind die Geschichten, für die Frank J. seit dem Untergang des Familienbetriebes, der im Jahr 1961 gegründet worden war, sorgt.

Denn 2007 saß der heute 50 Jahre alter Malermeister schon einmal vor Gericht. Auf dem Firmengelände hatten Frank J. und andere Mittäter nach der Firmenpleite eine Cannabisplantage angelegt, die aufgrund ihrer Ausmaße und Professionalität in Ermittlerkreisen für Staunen sorgte. Vier Jahre und neun Monate Haft lautete damals das Urteil gegen Frank J., zwei Drittel davon saß er ab.

Die 330540 Euro, die im Zuge der sogenannten Wertermittlung – das ist in etwa die Summe, die J. nach Ansicht der Justiz mit dem Drogenhandel damals verdient haben soll – an die Staatskasse zurückzahlen soll, stehen immer noch als Schulden im Raum. Hinzu kommt ein hoher fünfstelliger Betrag, den Frank J. zwielichtigen Gestalten schuldet, über die er allerdings nicht reden kann beziehungsweise will. So jedenfalls sieht es das Gericht.

Dort sitzt Frank J. seit gestern erneut, weil die Ermittler im Oktober 2014 auf dem Gelände in Bobitz wieder eine Cannabisplantage entdeckten, inklusive fünf Kilogramm Marihuana, die bereits fertig zum Abtransport dort lagen. J. selbst konnten die Beamten erst Monate später festnehmen, er war geflüchtet, als er von den Ermittlungen gegen ihn erfuhr.

Der 50-Jährige räumte gestern vor dem Landgericht zwar ein, dass er auf dem Gelände des ehemaligen Familienbetriebes eine Plantage betrieben habe. Jedoch habe er das wie schon vor der Verhandlung 2007 keineswegs freiwillig getan. Nach einer intensiven und teilweise zähen Befragung durch den Vorsitzenden Richter Norbert Grunke erklärte Frank J., dass er sich vor vielen Jahren von „zwielichtigen Gestalten“ Geld geborgt habe. Nach der Firmenpleite habe er Geld zum Leben gebraucht und sich mit den falschen Leuten eingelassen. Diese Summe, es handelt sich vermutlich um einen hohen fünfstelligen Betrag, müsse er nach wie vor zurückzahlen. Und weil er das mit Gelegenheitsjobs nicht könne, hätten ihn seine Schuldner gezwungen, wieder ins Drogengeschäft einzusteigen. „Die haben mir erzählt, was mit Leuten passiert, die nicht zahlen. Was blieb mir anderes übrig?“, erklärte er Richter und Staatsanwaltschaft. „Da geht es nicht darum, ob ich Lust habe, ein Geschäft aufzumachen. Die haben mir die Pflanzen vor die Tür gestellt, das war’s.“

Einen Teil der Ausrüstung zum Anbau der Cannabispflanzen hatte J. übrigens noch aus der Zeit vor seiner ersten Verurteilung 2007. „Das hatten die Polizisten damals bei der Durchsuchung übersehen, jedenfalls lagen die Sachen noch in der Garage.“ Die Männer, die ihn zum Anbau gezwungen hätten, seien Polen und Holländer gewesen. Mehr sagt er nicht zu den Geldgebern, bei denen er sich nach eigenen Angaben verschuldet hat. „Das ist zu gefährlich“, so J.

Immer wieder versuchten Richter und Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Informationen zu entlocken über die angeblichen Hintermänner. Doch der 50-Jährige schüttelte nur dem Kopf. „Über solche Sachen spricht man nicht. Ich kann nur so viel sagen, das, was man im Krimi im Fernsehen so sieht, hat damit nichts zu tun.“ So hätten ihn die Gläubiger zwar während seiner Haftzeit in Ruhe gelassen, nach seiner Entlassung jedoch hätte er klare Angaben erhalten, was Sache sei. „Da steht dann einer und will Geld, das ist nicht wie beim Gerichtsvollzieher, der vorher klingelt und fragt, ob man etwas übrig hat.“

Ob es diese Gläubiger wirklich gibt oder ob Frank J. den Drogenhandel betrieben hat, weil er mit seinem Malerjob nicht genügend Geld verdient hat, das versucht das Gericht in den nächsten Verhandlungstagen herauszufinden. Denn vieles an den Geschichten des Angeklagten ist zum Teil widersprüchlich und nicht belegbar. Frank J. droht auf jeden Fall eine längere Haftstrafe aufgrund seiner Vorgeschichte. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

Michael Prochnow

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