Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Chaos bei Betreuung von Asylbewerbern

Wismar Chaos bei Betreuung von Asylbewerbern

Träger wartet seit Monaten auf Geld / Der Landkreis Nordwestmecklenburg weist Vorwürfe wegen fehlender Planung zurück

Wismar. . Im Landkreis Nordwestmecklenburg ist die Betreuung der derzeit 318 dezentral untergebrachten Asylbewerber offenbar nicht gesichert. Hintergrund sind Unklarheiten bei der Finanzierung und fehlende Antworten auf Grundsatzfragen.

Der Landkreis hatte die Betreuung dezentral untergebrachter Asylbewerber mit zwei Mitarbeitern zunächst selbst übernommen, die Leistung Ende vergangenen Jahres dann jedoch ausgeschrieben.

Der Auftrag ging Mitte März dieses Jahres an Schulz e. V. Der Verein unter dem Dach der Aidshilfe Westmecklenburg gründete dafür den mobilen Integrationsdienst und stellte neun Mitarbeiter ein.

Zum 30. Juni musste der Verein sieben der neun Mitarbeiter entlassen. Der Grund: absolute Planungsunsicherheit beim Träger. „Wir haben am 30. Juni erstmals vom Landkreis erfahren, wie viele Asylbewerber wir betreuen müssen – für die Planung unserer Mitarbeiterzahlen war das eindeutig zu spät“, sagt Sebastian Witt von Schulz e. V. und verweist auf eine E-Mail aus der Verwaltung.

Trotz regelmäßiger Nachfrage sei der Landkreis nicht in der Lage gewesen, diese Information zu liefern. „Dann haben wir die Reißleine gezogen und die unbefristeten Verträge auslaufen lassen.

Grundlage ist der Betreuungsschlüssel von 1:56. Ein Sozialarbeiter soll demnach pro Stunde sieben Asylbewerbern zur Seite stehen. Auf Grundlage dieses Betreuungsschlüssels planen Kommunen und/oder Träger die Zahl ihrer Mitarbeiter. Der Landkreis weist den Vorwurf mangelnder Kommunikation zurück. Es sei so, dass in den vergangenen Monaten immer mehr Asylbewerber ihre Anerkennung erhalten hätten, die Zahl der Neuzuweisungen jedoch abgenommen habe, sagte Sprecherin Petra Rappen.

Dass Schulz e. V. seit Beginn der Betreuung im März nur abschlagsweise Geld für die Betreuungsleistung erhalten habe, begründet Rappen mit der Verantwortlichkeit des Landes. Dort würden die Rechnungen noch geprüft. Das zuständige Innenministerium teilte auf Nachfrage mit, dass 80 Prozent der Kosten für die Betreuung dezentral untergebrachter Asylbewerber zunächst sogar ohne Vorlage von Rechnungen vorgestreckt würden. „Der Rest wird nach Prüfung der Rechnung ausbezahlt“, sagte Ministeriumssprecher Michael Teich. Rechnung ist das nächste Stichwort, bei dem Sebastian Witt ausholt.

Sechs Monate sei unklar gewesen, mit wie viel Geld eine Betreuungsstunde vergütet wird. Eine Rechnung zu schreiben, war damit unmöglich. Am Montag haben sich Landkreis und zuständige Behörde auf einen Stundensatz geeinigt. Das ausstehende Geld soll nach Angaben des Landkreises in den kommenden Tagen ausgereicht werden.

Schulz e. V. aber steht zum Ende dieses Monats wieder vor dem gleichen Problem. „Wir wissen nicht, wie viele Leute wir beschäftigen können nach dem Betreuungsschlüssel“, sagt Witt. Fünf Leute hat Schulz e.V. wieder eingestellt. Insgesamt sieben Mitarbeiter sind nun unterwegs. Zwei davon verlieren ihren Job zum 31. Juli. Die Stimmung im Team sei entsprechend, sagt Witt. Ganz abgesehen von den Fristen, die beispielsweise gegenüber der Arbeitsagentur einzuhalten seien. „Da kann man nur auf das Verständnis der dortigen Mitarbeiter hoffen, wenn die Kündigung von einem auf den anderen Monat erfolgt.“ In der Verwaltung sehen die Verantwortlichen diese Probleme offensichtlich nicht. „Wir gehen davon aus, dass der Verein auch nach dem 1. August entsprechend Personal vorhalten und den Vertrag mit dem Landkreis erfüllen wird“, teilt Rappen mit.

Ein weiterer Punkt: die Zuständigkeiten. Bezahlt wird Schulz e. V. nur für die Betreuung der dezentral untergebrachten Asylbewerber. Dass die Verfahren inzwischen nach wenigen Wochen abgeschlossen sind und sich dann lediglich drei Integrationslotsen um die Menschen kümmern sollen, bereitet den Sozialarbeitern Kopfzerbrechen. „In den wenigen Wochen können wir wenig leisten – die eigentliche Integration und notwendige Betreuung beginnt mit der Anerkennung“, sagt Sebastian Witt. Zudem lebten in den Wohnungen auch Familien, von denen ein Teil bereits anerkannt, der andere noch im Verfahren sei. „Dann reden wir mit dem einen und lassen den anderen links liegen?“

Der Landkreis hatte bereits von Beginn an Schwierigkeiten, einen Träger zu finden. Zwar hatten sich im ersten Verfahrensschritt noch fünf Träger für den Auftrag interessiert. Doch als die detaillierten Ausschreibungsunterlagen auf den Tisch kamen, zogen vier der fünf Interessenten zurück. Das sei nach diesen Vorstellungen nicht zu leisten, hieß es.

Nicole Buchmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
London

Großbritannien pflegt seine Traditionen, hat exzellente Musik hervorgebracht und steht für feinsinnigen Humor. Aber was ist mit betrunkenen Briten, schlechtem Essen und altem Dünkel? Ein Pro und Kontra aus aktuellem Anlass.

mehr
Mehr aus Wismar
Verlagshaus Wismar

Mecklenburger Straße 28
23966 Wismar

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 10.00-17.00 Uhr
Freitag 10.00-16.00 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Kerstin Schröder
E-Mail: wismar@ostsee-zeitung.de
Telefon: 0 38 41 / 415 65

Ticket- und Anzeigenverkauf: 03841 / 41550.

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.