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Das Abstrakte ist ihm zu unpersönlich

Wismar Das Abstrakte ist ihm zu unpersönlich

Der Künstler Till Warwas zeigt Stillleben und Landschaften im Wismarer Baumhaus

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Till Warwas aus Bremen zeigt seine Stillleben und Landschaften bis Ende Februar im Wismarer Baumhaus.

Quelle: Fotos: Nicole Hollatz

Wismar. „Endlich mal wieder ein Maler, der was kann“, so kommentierte manch’ ein Gast der Ausstellung die Bilder an den Wänden des Baumhauses am Alten Hafen.

OZ-Bild

Der Künstler Till Warwas zeigt Stillleben und Landschaften im Wismarer Baumhaus

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Das Lob galt den Arbeiten von Till Warwas. Unter dem Titel „Klang und Licht“ zeigt er Stillleben und Landschaften in Öl und Acryl. Zwei Sujets, die kaum unterschiedlicher sein könnten, vereint nur durch die Liebe des Künstlers zum Naturalismus. Till Warwas bildet in seinen Werken das ab, was er sieht – so naturgetreu wie nur möglich. „Natürlich habe ich auch mal probiert, abstrakt zu malen.

Das sind Wege, die man in der Malerei geht. Aber da war das Gefühl, dass ich mir nicht vorstellen konnte, der fünfte Aufguss eines kubistischen Malers zu sein“, sagt der Künstler schmunzelnd beim Gang durch seine Wismarer Ausstellung.

Das Abstrakte war ihm nicht persönlich genug. „Das Stoffliche, das bin ich! Ich möchte mir nicht Gedanken darüber machen, ob ich den grünen Apfel vor mir nun rot oder blau darstellen soll. Ich kann nicht anders, als so zu arbeiten.“

Und das ist auch gut so. Denn das, was der Künstler zeigt, fasziniert. Die Masse an Stillleben: Zeitlos alte, aber patinalose Kannen, Gläser, Blechdosen und Steingut arrangiert er mit Blumen oder Obst auf Tischen. Seine Leidenschaft, so scheint es, sind die glänzenden Oberflächen, die Spiegelungen. Drei Pinselstriche in weiß – zwei hochformatig, einer quer – werden zur Spiegelung des Fensterkreuzes. Ist dort das halbe Malerzimmer im Lack der Vase sichtbar, fragt sich der Betrachter. Faszinierend der nähere Blick auf die Arbeiten, mit welcher Leichtigkeit und teilweise Einfachheit Till Warwas die Effekte erzeugt.

Den verspielten Spiegelungen auf den Oberflächen oder den glänzenden Tischen steht die Strenge der Komposition Warwas gegenüber. „Im Stillleben habe ich die Möglichkeit, genau zu bestimmen“, erklärt der Künstler den formalen Unterschied zu seinen Landschaftsbildern. Das Strenge dabei ist seins: „Je länger man über die Komposition nachdenkt, um so mehr hat man das Bedürfnis, sie zu klären.“

Till Warwas klärt, trotz Naturalismus. Keine Aufdrucke auf den Behältern, keine Fehlstellen, ein sauber und klar strukturierter Aufbau vor einfarbigem Hintergrund. Eine künstlich konstruierte Parallelwelt, sauber und glänzend. Auch Warwas Tischtücher passen, gerne faltig auf den Tisch gelegt, als wolle der Künstler zeigen, dass er auch diese anspruchsvolle Stofflichkeit zwischen glänzender Seide und grobem Leinen beherrscht.

Anders die Landschaften – auch manch’ einer der großen Leinwände entstand „pleinair“, an der frischen Luft direkt vor Ort in den warmen Jahreszeiten. Wie ein Fotograf fängt Till Warwas dabei die besonderen Momente ein. Der Lichtfleck am Strand von Utersum (Föhr), die tiefen, nassen Treckerspuren im leuchtenden Rapsfeld, die den Betrachter ins Bild zu ziehen scheinen. Lebendige Bilder, wenn auch der Mensch in seinen Kompositionen höchstens mal als kleine Randfigur erscheint. Auch hier ist das Klärende des Realisten zu erkennen – keine Papierkörbe, keine Stromleitungen, kein Durchfahrt-Verboten-Schild. Eine Malerei auf dem schmalen Grad zwischen Fotorealismus und leuchtenden Impressionismus, zeitlos und mit einer angenehmen Leichtigkeit.

Ein Meisterschüler aus Bremen

Der Künstler Till Warwas wurde 1962 in Bremen geboren. Nach Abitur und Zivildienst studierte er an der Berliner Universität der Künste bei Klaus Fußmann. 1990 wurde Warwas Meisterschüler. Seitdem ist er als freischaffender Künstler tätig.

Seit 2002 nimmt der Künstler regelmäßig an den Pleinairs der Norddeutschen Realisten teil und arbeitet als Dozent an verschiedenen Sommerakademien. Größtenteils lebt und arbeitet er aber in Bremen.

Die Malerei führte Till Warwas unter anderem auch nach Frankreich, Italien, an Nord- und Ostsee, sowie nach Polen, Dänemark, Schweden und ins Rheingau. 2013 erhielt er mit der Gruppe der Norddeutschen Realisten den Kunstpreis der Schleswig Holsteinischen Wirtschaft. Der Künstler wird von zahlreichen Galerien in Deutschland vertreten. Seine Werke befinden sich in privatem und öffentlichem Besitz.

Die Ausstellung „Klang und Licht“ ist noch bis zum 26. Februar im

Wismarer Baumhaus zu sehen.

Öffnungszeiten: Jeweils täglich

von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei. Informationen zu den Ausstellungen im Baumhaus gibt es im Amt für Welterbe, Tourismus und Kultur

unter ☎ 03841 / 25113 22.

Am Sonntag, den 5. März, wird

die nächste Ausstellung „Lübecker Bucht“ von Till Warwas in Eutin eröffnet. Es handelt sich um ein gemeinschaftliches Projekt mit den Künstlern Lars Möller und Ulf Petermann. Bis zum 5. Juni ist die Ausstellung im Ostholstein-Museum, Schlossplatz 1, für Besucher geöffnet.

Nicole Hollatz

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