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Wismar Das Gotische Viertel in Wismar – damals und heute
Mecklenburg Wismar Das Gotische Viertel in Wismar – damals und heute
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20:03 15.04.2019
Blick von oben auf das Gotische Viertel mit St. Marien-Turm, Fürstenhof und Georgen-Kirche Quelle: Hans-Joachim Zeigert
Wismar

Es war eine verheerende Nacht kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges: Bei einem Bombenangriff in der Nacht vom 14. zum 15. April 1945 wurden große Teile des Wismarer Altstadtkerns zerstört. Die britische Royal Air Force hatte ihre Flugzeuge geschickt. Um 23 Uhr gab es Fliegeralarm, eine halbe Stunde später fielen die Bomben. Am Montag wurde mit einer Gedenkfeier an das Ereignis erinnert und an die daraus resultierenden großen Schäden im Gotischen Viertel. Viele Gebäude wurden zerstört. 14 Menschen starben in jener Nacht, unter den Opfern waren etliche Kinder.

Auch Norbert Gelhart war damals ein Kind – gerade einmal fünf Jahre alt. Mit seiner Mutter suchte er in der Nacht in einem Bunker Schutz vor den Bomben. Als sie einschlugen, biss er auf eine hölzerne Garnrolle. „Damit ich die Druckwellen besser aushalten konnte, im Flugzeug soll man auch den Mund öffnen, um den Druck vom Ohr zu nehmen“, erklärt der Wismarer. Noch heute habe er diese Rolle zur Erinnerung. Als er mit seiner Mutter nach Hause zurückgekehrt war, lag eine Fünf-Zentner-Bombe im Hinterhof. „Es war ein Blindgänger“, so Gelhart. Noch heute könne er sich an die Zerstörung, an die zerbombten Häuser erinnern. Deshalb nimmt er jedes Jahr an der Gedenkveranstaltung teil. Gestern war er einer von etwa 60, vor allem älteren Gästen in der Georgen-Kirche. „Das ist eine Veranstaltung für die aussterbende Generation“, bedauert der 80-Jährige. Die Enttäuschung darüber, dass kaum junge Leute zur Feierstunde kommen, stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Es sind doch die Jüngeren, die unsere Welt künftig lenken und leiten sollten. Da sollten sie an der Geschichte interessiert sein“, so Gelhart.

Der Wismarer Propst Marcus Antonioli spricht zu den Gästen in der Georgen-Kirche. Quelle: Kerstin Schröder

Einen kleinen Einblick in die Geschichte des Gotischen Viertels bekamen die Gäste durch Fotos von früher und heute, die auf einer Leinwand gezeigt wurden. In der Bombennacht seien, so Bürgermeister Thomas Beyer (SPD), kaum noch Juden in Wismar gewesen. Sie seien entweder geflüchtet oder umgebracht worden. Auch Menschen mit psychischen Erkrankungen hätten die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg getötet. Heute gebe es in europäischen Ländern wieder Rechtsdruck. Deshalb müsse man sich deutlich gegen Fremdenfeindlichkeit positionieren. Wie der Wismarer Propst Marcus Antonioli ergänzte, hätten nicht nur Bomben viele Kirchen und Kapellen zerstört. Auch nach Kriegsende seien diese Baudenkmäler bewusst zerstört worden, um Geschichte auszumerzen.

1960 wurden in Wismar Teile der Kirche und Kapellen abgerissen. Seit den 1990er Jahren wird der Stadtteil denkmalgerecht wiederhergestellt. Am 11. Mai, am Tag der Städtebauförderung, bieten Stadtführer Touren durch das Gotische Viertel an. Das umfasst den Stadtraum zwischen dem Archidiakonat auf dem St.-Marien-Kirchplatz und der St.-Georgen-Kirche. Zwischen 1250 und 1549 entstand dieser Bereich und blieb bis 1945 unverändert – bis zum Bombenangriff.

Was seit 1990 passiert ist, bezeichnet Norbert Gelhart als „tolle Sache“. Er freue sich über jedes Haus, das wieder aufgebaut wurde. Wie Bürgermeister Beyer betont, sei ohne die finanziellen Mittel aus der Städtebauförderung eine solche erfolgreiche Entwicklung der Wismarer Altstadt nicht möglich gewesen. Deshalb soll der Tag der Städtebauförderung auch dazu dienen, zu zeigen, was mit den Mitteln gemacht wurde.

Kerstin Schröder

Die Bauarbeiten sollen bis 2022 andauern. Unter anderem muss eine Bunkeranlage aus der Nazi-Zeit abgerissen werden. 3,4 Millionen Euro sind für das gesamte Projekt veranschlagt.

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