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Wismar Das Neue Forum war für Gewaltfreiheit
Mecklenburg Wismar Das Neue Forum war für Gewaltfreiheit
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00:00 17.09.2016

Am 19. September 1989 meldete die sich immer stärker formierende Oppositionsinitiative „Neues Forum“ die Gründung ihrer Vereinigung unter Berufung auf Artikel 29 der DDR-Verfassung in elf der 15 DDR-Bezirke an. Zwei Tage später wurde über die staatliche Nachrichtenagentur ADN das Neue Forum als verfassungs- und staatsfeindlich beschrieben. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits 3000 Menschen den Aufruf unterschrieben. Am 25. September wurde der Antrag auf Zulassung offiziell mit der Begründung abgelehnt, es bestehe keine gesellschaftliche Notwendigkeit für eine derartige Vereinigung. In Regierungskreisen wurde der Gründungsaufruf wie folgt interpretiert: „Es sei ein gefährliches Oppositionspapier, weil es zu 70 Prozent die Probleme der Bevölkerung benenne und nur zu 30 Prozent ein Angriff auf die DDR sei.“ Nur knapp sechs Wochen später fiel die Mauer – soweit zur Vergänglichkeit von Mauern, Grenzen und Zäunen. Auch in Wismar hatte sich unter der Bevölkerung viel Unzufriedenheit und Unmut angesammelt.

Demonstranten vor der ehemaligen Kreisleitung der SED in Wismar im November 1989. Quelle: Sammlung Detlef Schmidt

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Misstrauisch wurden die Umweltgruppen unter dem Dach der Kirche beobachtet und die Ausreisewilligen brachten ihre Forderungen offener zum Ausdruck, indem sie sonntags einen „Spaziergang“ um den Markt machten. Beobachtet und belauscht von der Staatssicherheit mit modernsten Geräten. Wie versteinert reagierten zuständige Organe der Stadt und der „führenden“ Partei auf die berechtigten Forderungen der Bürger.

Die Kommunalwahl am 7. Mai 1989 brachte das Fass zum Überlaufen. Die nachgewiesenen Wahlfälschungen, zwölf Bürgereingaben gegen die Wahl und wegen Unregelmäßigkeiten wurden nicht beachtet und immer mehr Bürger erkannten das Lügengebilde der sich an die Macht klammernden Funktionäre. Acht Wochen später, am 7. Juli 1989, waren alle Wahlunterlagen in der Papiermühle Steffin vernichtet.

Am 18. Oktober 1989 schickte das Neue Forum ein Schreiben an die Kreisleitung der SED, den Rat der Stadt und des Kreises, das am 23. Oktober 1989 in einer außerordentlichen Sitzung der SED-Kreisleitung mit einer Kampfansage des Kreissekretärs Hans-Jürgen Große-Schütte seine Antwort fand. Man wollte zu dem Zeitpunkt keinen Dialog mit „Volksfeinden“. Doch diese versammelten sich am 18. Oktober 1989 mit 2000 Sympathisanten in der Prosekener Kirche und am 23. Oktober 1989 im Haus von Fritz Kalf in Voßkuhl. Unter dem Eindruck dieser Volksmasse begann am 25. Oktober 1989 die erste „Dialogveranstaltung“ im Wismarer Rathaus, die wegen Platzmangels bei den nächsten „Dialogen“ in das Theater und in die Sporthalle verlegt wurden. Die Funktionäre meinten nun, sie hätten „verstanden“, doch die Menschen wollten sie nicht mehr. Das war der große Irrtum der allgegenwärtigen Partei, dies nicht zu begreifen – sie war schlichtweg dazu nicht mehr in der Lage.

Ein Höhepunkt des Neuen Forums Wismar war dann der Reformationsgottesdienst am 31. Oktober in der St.-Nikolai-Kirche. Thomas Beyer vom Neuen Forum hielt eine beachtete Rede vor einer mehr als vollen Kirche. Er gab den Menschen Trost, aber auch Kraft, den noch vor ihnen liegenden Weg weiterzugehen, und ermahnte gleichzeitig einige Hitzköpfe, keine Gewalt auszuüben. So einen Reformationstag hatten die meisten von ihnen noch nicht erlebt und setzten die Reformation ihrer eigenen Gesellschaft mit der ersten großen Demonstration am 7. November 1989 mit Zehntausenden Menschen auf dem Wismarer Marktplatz fort. Zwei Tage später waren die Deutschland trennende Mauer und die Grenze Geschichte. Das Volk hatte gesprochen und gehandelt. Zur Wiedervereinigungsfeier am 3.

Oktober 1990 fand auf dem Marktplatz und im offenen Rathaus ein großes Bürgerfest statt und in St. Nikolai ein feierliches Requiem zum Gedenken an die Ereignisse von 1989. Diese und viele kleine in der Zeit spielende Ereignisse sind bald 30 Jahre her und doch sind sie einigen nah und sollten unseren Mitmenschen nah bleiben, um zu begreifen, dass Zäune und Grenzen auch heute keinen Bestand haben werden.

Was sonst noch geschah

20. September 1990: Arbeitslosenquote liegt in Wismar bei 7,1 %, das sind über 3000 Menschen.

21. September 1945: Tagung der Wismarer Betriebsräte, Wahl von Delegierten für die Gründungskonferenz des FDGB.

21. September 1952: Einweihung des Kurt-Bürger-Stadions mit 16000 Menschen.

23. September 1997: Die VR Bank Wismar fusioniert mit der Raiffeisenbank Grevesmühlen zur neuen Volks- und Raiffeisenbank eG.

Detlef Schmidt

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