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Wismar Das dritte Rathaus der Hansestadt
Mecklenburg Wismar Das dritte Rathaus der Hansestadt
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00:01 18.10.2017
So sah der Marktplatz der Hansestadt 1830 aus, zwölf Jahre nach der Einweihung des Gebäudes.

Am 18. Oktober 1818 ist Wismars klassizistisches Rathaus festlich mit Glockengeläut, Kanonenschüssen und Schiffsbeflaggung eingeweiht worden. Das Rathaus war ebenfalls beflaggt und mit Blumengirlanden geschmückt. Alle Honoratioren der Stadt waren geladen, um den nun endlich fertiggestellten Bau zu besichtigen. Am nächsten Tag fand ein großer Ball im neuen Rathaus mit 600 Personen statt. Da machte es nichts aus, dass das Rathaus nun doch noch nicht ganz fertig war, denn es fehlte der Rathausbalkon, der erst 1822 angebaut wurde.

Das jetzige Gebäude ist 1818 eingeweiht worden, der Balkon folgte 1822

Ein Feuer zerstörte das Rathaus

In der Nacht zum 23. Mai 1807 stürzte das Dach des nunmehr 450 Jahre alten Rathauses – „dat olle Rathuus“, wie die Wismarer sagten – samt Teilen der Decken im östlichen Flügel ein. Das war letztendlich eine Folge der vernachlässigten baulichen Unterhaltung, des nach 1350 erbauten Rathauses. Es ist wohl das dritte Rathaus der Stadt. Die Existenz der Vorgängerbauten ist schwierig darstellbar.

Nach der Stadtgründung hat es ein Rathaus gegeben und vermutlich ist es das um das Jahr 1270 erwähnte Rathaus, das östlich am Markt, am Pferdemarkt, gelegen war. Ein neues Rathaus ist dann um 1292 erbaut worden und man geht davon aus, dass es das „Neue Haus“, Hinter dem Rathaus 15, war. 1350 tobte die Pest in Wismar und ein schweres Feuer zerstörte das Rathaus. Es wurden alle Akten, Urkunden und die wertvollen Privilegien-Urkunden vernichtet. Herzog Albrecht und auch Magnus von Schweden bestätigten 1351 die alten Privilegien. Dies war außerordentlich wichtig, und wir würden heute sagen „wie bares Geld“.

Es kamen nur 558 Taler zusammen

Die Wismarer bauten gleich nach dem Rathausbrand ein neues Rathaus am jetzigen Standort auf und 1353 wird es fertig gewesen sein. Wismar befand sich in der wirtschaftlichen und politischen „Blütezeit“ und konnte sich ein repräsentatives, frei auf dem Marktplatz stehendes Rathaus leisten.

1807 sah es dagegen nicht so rosig aus. Zunächst versuchte man, die Schäden notdürftig zu beheben. Doch der Verfall der Ruine ließ sich nicht aufhalten. Zwar wurde 1809 noch einmal ein Versuch unternommen, die Schäden zu beseitigen, doch es kamen aus der Stadtkasse nur 558 Taler zusammen. Im Februar 1815 besichtigte Landesbaumeister Haase die Rathausruine und empfahl Sicherungsmaßnahmen.

Es wurde notdürftig repariert und im Juli 1815 beschwerte sich dann Stadtsekretär Walter, dass er nicht mehr ins Archiv gehen könne, da „aus der Zimmerdecke schon acht große Steine losgeweicht“

wären. So sah man sich dann am 28. August 1816 gezwungen, die Ruine abreißen zu lassen. Im November 1816 besichtigte Landesbaumeister Johann Barca die Ruine und legte dem Wismarer Rat im März 1817 die notwendigen Unterlagen für einen Neubau vor.

In eigener Verantwortung weitergebaut

Eine Spendenaktion der Wismarer brachten immerhin 14 000 Taler ein und der Bau des nunmehr vierten Rathauses wurde sofort begonnen. Die sparsamen Wismarer Ratsherren fanden nun den Architekten Johann Barca mit einer zustehenden Summe ab und bauten fortan nach seinen Zeichnungen in eigener Verantwortung weiter. Der Großherzog bewilligte den Wismarern noch 25 Eichen zum Neubau, der unter Verwendung alter Gebäudeteile, die wir heute noch im Kellergewölbe und in der westlichen Seite des Rathauses erkennen, begonnen wurde. Der Grundriss des Neubaus richtete sich nach seinem Vorgängerbau. Am 27. September 1817 konnte schließlich bereits Richtfest gefeiert werden. Insgesamt kostete der Rathausneubau 26 174 Reichstaler. Zur Finanzierung des Rathauses wurde auch die stadteigene Ratsapotheke für 8000 Taler an den Apotheker Hirsch aus Eimbeck verkauft.

Am 2. Januar 1825 war die erst neu gegründete „Wismarer Ersparnißanstalt“, die heutige Sparkasse, der erste „Untermieter“. Ein Bild des Bürgermeisters Johan A. Haupt (1800-1835) von Carl Düberg, schmückt seit dem 12. Juni 1842 den Bürgerschaftssaal.

Was sonst noch so geschah

18. Oktober 1989 Das Neue Forum stellt sich in der Kirche zu Proseken vor 2000 Menschen vor.

19. Oktober 1822 Arzt und Historiker Dr. Friedrich Crull geboren.

20. Oktober 1999 Grundsteinlegung für das neue Freizeitbad „Wonnemar“.

22. Oktober 1847 Gründung der „Mecklenburgischen Dampfschifffahrtgesellschaft zu Wismar AG“.

21. Oktober 1993 Die vergoldete Abschlusskugel auf der Turmspitze von St. Georgen ist mit Zeitdokumenten gefüllt und angebracht worden.

23. Oktober 1910 Parteitag der SPD in der „Hansa“.

23. Oktober 1945 Die Zuckerfabrik beginnt mit 450 Beschäftigten.

Detlef Schmidt

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