Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Das weiße Gold von Wismar: Eine hundertjährige Tradition

Wismar Das weiße Gold von Wismar: Eine hundertjährige Tradition

In der Zuckerfabrik der Hansestadt wurden bis 1993 Rüben verarbeitet

Voriger Artikel
OZ-TV am Montag: 10 Jahre KTC - Starbucks kommt nach Rostock
Nächster Artikel
Falsche Fensterbauer in Neukloster unterwegs

Die Zuckerfabrik im Wismarer Philosophenweg im September 1942. Die Gebäude und Gleisanlagen waren im Juli 1940 während eines Luftangriffs beschädigt worden.

Quelle: Foto: Sammlung Detlef Schmidt

Wismar. Am 23. Oktober 1945 nahm die Zuckerfabrik am Wismarer Philosophenweg unter schwierigsten Bedingungen wieder ihren Betrieb auf und begann mit der jährlichen Rübenkampagne.

OZ-Bild

In der Zuckerfabrik der Hansestadt wurden bis 1993 Rüben verarbeitet

Zur Bildergalerie

Die Fabrik wurde am 2. November 1889 als Aktiengesellschaft gegründet. Drei Tage später wurde die Bauleitung den Gutsbesitzern Bock aus Rosenthal und Ziemsen aus Kluß übertragen. Die Bauarbeiten liefen zügig, Maschinen und Aggregate lieferte die Maschinenfabrik Halle. Am 16. September 1890 konnte die Produktion aufgenommen werden, nachdem zuvor noch eine Wasserleitung vom Mühlenteich verlegt wurde. Bereits im Mai 1890 wurde die Eisenbahn angeschlossen, die für den Transport der Maschinenaggregate dringend benötigt wurde. Die ersten 79 Zuckerrüben aus dem Gut Kluß wurden am 19.

September 1990 geliefert. Einen Tag später begann die erste Rübenverarbeitungskampagne.

Die ersten Zuckerfabriken im deutschsprachigen Raum entwickelten sich durch Napoleons Kontinentalsperre. Dadurch durfte kein Rohzucker mehr importiert werden. Es wurde der Zuckergehalt der Runkelrübe entdeckt, aus der die Zuckerrübe gezüchtet wurde. Die eigentliche Gründerphase begann in den 1830er Jahren. Viele der heutigen Zuckerfabriken haben ihre historischen Wurzeln in dieser Zeit. Die Zunahme des Zuckerrübenanbaus begünstigte die Entwicklung. Gab es 1880 in Mecklenburg eine Zuckerfabrik, so erhöhte sich ihre Zahl bis Ende der 1890er Jahre auf zehn. 1901 gab es zwölf Fabriken. Sie wurden alle als Aktiengesellschaften gegründet, während die Molkereien genossenschaftlich strukturiert waren Die verarbeitete Zuckerrübenmenge wuchs von 24942 Tonnen in den Jahren 1881/82 auf 656315 Tonnen in den Jahren 1912/13 an. Die Verarbeitung sicherte einen gewinnbringenden Verkauf der Rüben, ermöglichte durch die Nutzung der Abfallprodukte als Futtermittel eine Erweiterung des Viehstandes, bot eine Winterbeschäftigung für die Bevölkerung und trug zum Ausbau der Infrastruktur bei.

Waren die ersten Produktionszahlen der Wismarer von 1890 mit 368 Tonnen noch etwas bescheiden, so gab in den Folgejahren eine rasante Entwicklung zu verzeichnen. 1900 waren es schon 1348 Tonnen.

In diesem Jahr wurden auch die eingedeichten Klärschlammteiche angelegt.

Nach 1918 wurde der gesamte Maschinenbereich modernisiert und man begann mit der Produktion von Speisesirup und ab 1922 mit Weißzucker. Durch die Inbetriebnahme einer neuen Dampfturbine im Jahr

1935 konnte Elektroenergie zur Eigenversorgung in das Netz eingespeist werden. 1936 erfolgte die Umwandlung der Aktiengesellschaft in die „Zuckerfabrik Wismar, Bock & Co. Kommanditgesellschaft“.

Der Zweite Weltkrieg brachte eine Zäsur. Trotz Kriegsschäden wurde die Produktion, die als „kriegswichtig“ eingeschätzt wurde, weitergefahren. Am 21. Juli 1940 gab es den vierten Luftangriff auf Wismar. Es war ein platzierter Abwurf von etwa 35 Sprengbomben und 60 Brandbomben. Dabei wurden Gebäude und Gleisanlagen der Zuckerfabrik beschädigt. Die von der Fabrik geltend gemachten Schadensansprüche an das Kriegsschäden-Amt beliefern sich auf 118000 Reichsmark.

Am 5. Januar 1945 verstarb mit Ernst Bock aus Rosenthal der Gründer der Wismarer Zuckerfabrik. Die sowjetische Militäradministration erließ einen Befehl zur Aufnahme der Zuckerrübenkampagne, dem die Wismarer am 23. Oktober 1945 folgten. Am 1. September 1946 wurde die nunmehr staatliche Zuckerfabrik dem Landesamt für Wirtschaft unterstellt.

1966 wurden die Fabriken in Wismar und Güstrow zum Volkseigenen Betrieb (VEB) Nordkristall, und am 1. Januar 1981 gehörte die Wismarer Fabrik zum Zuckerkombinat Rostock. Ab Juli 1981 gab es den VEB Zuckerfabrik Wismar. Schon ab 1973 wurde das benachbarte Wohngebiet Kagenmarkt mit Fernwärme aus der Zuckerfabrik versorgt. 1982 und 1983 entstanden der 54 Meter hohe Elevatorturm und der 48 Meter hohe Silo. Beide wurden 2001 gesprengt.

Mit der Wende kamen stürmische Zeiten auf die Wismarer zu. Es entstand die Zuckerfabrik Nordkristall GmbH aus der Verschmelzung der Zuckerfabriken Salzwedel, Wismar, Güstrow und Lübz, die allein 13 Prozent des Zuckerbedarfes der DDR abdeckten.

1992/1993 wurde in Wismar die letzte Kampagne beendet – das Aus für die Fabrik. Das Gelände wurde geräumt, lediglich zwei Gebäude blieben stehen. Das Verwalterhaus von 1936 beherbergt seit August 1998 ein Sport- und Fitnesscenter. Die alten Produktionsanlagen wurden am 30. Juli 1995 über den Seehafen Wismar in den Mittleren Osten verschifft. Die seit 1997/98 entstandene Wohnsiedlung trägt mit ihren Straßennamen – Siedehaus, Zuckerring und Kandisplatz – zur Erinnerung an Wismars hundertjährige Zuckergeschichte bei.

Was sonst noch geschah

24. Oktober 1648: Wismar wird im „Westfälischen Frieden“ Schweden zugesprochen.

24. Oktober 1831: Einweihung des Friedhofes (Ost).

26. Oktober 1908: Die Ingenieurakademie nimmt ihren Betrieb auf.

27. Oktober 1846: Gründung des Gewerbevereins Wismar.

27. Oktober 1947: Die Wismarer Feuerwehr wird zur Berufsfeuerwehr.

28. Oktober 1987: Städtepartnerschaft zwischen Lübeck und Wismar.

28. Oktober 1946: Auf Befehl der SMAD wird die staatliche Bau- und Ingenieurschule gegründet.

28. Oktober 1998: Fertigstellung der Kompaktwerft mit Dockhalle. Die Halle ist 72 Meter hoch, 155 Meter breit und über 395 Meter lang.

Detlef Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Was geschah am ...
Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind.

Das aktuelle Kalenderblatt für den 20. Oktober 2017

mehr
Mehr aus Wismar
Verlagshaus Wismar

Mecklenburger Straße 28
23966 Wismar

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 10.00-17.00 Uhr
Freitag 10.00-16.00 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Kerstin Schröder
E-Mail: wismar@ostsee-zeitung.de
Telefon: 0 38 41 / 415 65

Ticket- und Anzeigenverkauf: 03841 / 41550.

Beilagen
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.