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07:36 15.03.2018
Meike Gutzmann, Daniel Dreßler und Ursula Heße (v. l.) möchten erreichen, dass der geplante Neubau der Hochbrücke in Wismar neu überdacht wird. Sie machen sich für eine Tunnellösung stark. FOTOS (2): NICOLE HOLLATZ

Ursula Heße geht mit den Unterschriftenlisten von Haustür zu Haustür. „Man kennt ja seine Nachbarn. Und das sind viele ältere Menschen, die keinen Computer haben“, begründet die Wismarerin ihr Engagement für die Petition „Tunnel statt Hochbrücke“. „Wenn man den Menschen erklärt, worum es geht, unterschreiben sie alle.“

In der Hansestadt laufen die Petitionen „Tunnel statt Hochbrücke“ und „Wismarer Tierparkausgang Promenade/Norma wieder öffnen!“.

Petitionen im Internet

Petitionen sollen Politiker dazu bewegen, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen oder bestimmte Entscheidungen zu treffen. Dank einiger Onlineportale und der sozialen Netzwerke ist es derzeit vergleichsweise einfach, eine Petition zu starten.

Die Wismarer Petitionen sind im Internet unter

https://www.openpetition.de/petition/online/jetzt-an-wismars-zukunft-denken-tunnel-statt-

hochbruecke sowie unter

https://weact.campact.de/petitions/wismarer-tierparkausgang-promenade-norma-wieder-offnen zu finden.

Ortstermin unter der Hochbrücke, direkt an der „Wismaria“-Ruine. Ein Zug rattert vorbei. Oben gehen zwei Männer im leuchtend orangen Arbeitsoutfit über die Brücke – ganz langsam. „Die kontrollieren mehrmals die Woche, ob die Brücke noch steht“, witzeln die Anwohner. Daniel Dreßler hat die Petition gestartet, ganz modern online auf der Plattform „OpenPetition“. 131 Menschen haben bisher digital unterschrieben, hinzu kommen die Unterschriften von den Listen von Ursula Heße. Es werden jeden Tag mehr.

Mit einer Tunnellösung könne, so die Initiatoren, der ganze Stadtteil aufgewertet werden. „Und das Wohngebiet wurde über Jahrzehnte vernachlässigt. Dabei ist es ein Sahneschnittchen mitten in der Natur und gleichzeitig stadtnah“, betont Meike Gutzmann und macht auf das Naturschutzgebiet Mühlenteich mit seltenen Vögeln und die erst wenige Jahre alte, teure Aufstiegshilfe für Fische aufmerksam.

„Es ist deutlich ruhiger geworden, seitdem der Schwerlastverkehr nicht mehr über die Brücke darf. Das wird alles wieder schlimmer, wenn es eine neue Brücke gibt“, erzählt Nachbarin Anja Klasen.

Vergleich mit der Poeler Straße

Die Argumentation der Anwohner ist einleuchtend. Sie ziehen den Vergleich zur Poeler Straße, wo eine Tunnellösung gefunden wurde, damit Straße und Bahnschienen sich queren können. Auch in ihrem Wohngebiet könnte sich die Bahn beteiligen. Die Voraussetzungen müssten, so die Anwohner, mit Grundwasser und Bebauung drum herum ähnlich sein. „Das sind doch die gleichen Gleise!“, sagt Meike Gutzmann. „Uns ist natürlich klar, dass eine Tunnellösung sicherlich teurer wäre als eine neue Hochbrücke. Aber vielleicht gibt es auch eine Lösung mit einem Stück Tunnel und einem Stück normaler Straße“, so Daniel Dreßler. Und „billiger“ sollte bei solch einer richtungsweisenden Entscheidung kein Argument sein. Mit der bisher veröffentlichten Lösung werde, stellt Dreßler fest, die „städtebauliche Entwicklung der Rostocker Straße, der Straße am Mühlenteich, des Platten Kamps, des Bleicherwegs und des Schwanenwegs im wahrsten Sinn des Wortes verbaut“. Bürgermeister und Bürgerschaft sollten bei ihrer Entscheidung die nächsten Jahrzehnte im Blick haben.

„Wir wollen, dass eine Tunnellösung ernsthaft geprüft wird“, sagt Daniel Dreßler. Und sie – die Anwohner – wollen eine Kommunikation, Gespräche mit den Anwohnern. „Es kann nicht sein, dass wir solche Entscheidungen aus der Zeitung erfahren“, so Dreßler. Er warnt vor der zu einfachen Lösung mit der Ersatzbrücke: „Dresden hat seinen Welterbestatus sogar wegen einer Brücke verloren!“

Das Problem ist die Lage des Tierpark-Haupteingangs

Den „Wismarer Tierparkausgang Promenade/Norma wieder öffnen!“ – das möchte die Baustudentin und zweifache Mutter Shannon Mesing mit ihrer Petition an den Bürgermeister erreichen.

Das Problem ist die Lage des Haupteingangs des Tierparks mitten im Köppernitztal. Links mit der steilen Rampe zum Parkplatz, rechts mit den vielen Treppen ins Wohngebiet. Weil sie oft einen Kinderwagen schiebt, weiß Shannon Mesing, wie intensiv die Steigung ist. „Als Einheimischer muss man mit dem Auto rumfahren, weil der Weg zu Fuß mit kleinen Kindern kaum hin und zurück zu schaffen ist“, erzählt Shannon Mesing. Gerade nach einigen Stunden im Tierpark ist der Rückweg nicht ohne. Auch die Busanbindung leide unter dem verschlossenen Ausgang. „Die Haltestelle Schiffbauerpromenade ist nicht mehr erreichbar. Gäste müssen den Tierpark durch den Haupteingang verlassen und den Weg zur Haltestelle Tierpark/Phantechnikum mit der Steigung im Köppernitztal überwinden.“

Dabei ist das Tor zum Wohngebiet vorhanden, wurde aber zum wiederholten Male durch Vandalismus zerstört, indem gegen die Tür mit dem Drehmechanismus getreten wurde. „Es betrifft die ganzen Menschen zwischen Friedenshof und Gartenstadt, die Menschen in den Seniorenheimen, die die Treppen nicht mehr so gut hochkommen.“

Shannon Mesing hat zwar Verständnis für die Sicht des Tierpark-Teams, das Tor nicht immer wieder teuer reparieren lassen zu wollen. „Aber man könnte davor noch ein einfaches Tor setzen, das nur von einer Seite aufgeht“, lautet ihr Vorschlag. „Es kann doch nicht sein, dass irgendwelche Jugendlichen unsere Freizeitaktivitäten zerstören“, spricht sie die Vandalen an, die genauso regelmäßig nachts die Trampoline im Tierpark beschädigen.

Mit der Petition möchte sie auch anderen Bürgern Mut machen, sich aktiv für die Demokratie einzusetzen. „Man kann nicht nur schimpfen, wenn einem eine Situation nicht gefällt, man muss sich engagieren!“

Nicole Hollatz

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