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Den Verstorbenen die Würde zurückgeben

Wismar Den Verstorbenen die Würde zurückgeben

Der Kunsthistoriker Dr. Andreas Ströbl aus Lübeck sieht Handlungsbedarf bei Särgen in der Grabkapelle Keding auf dem Wismarer Ostfriedhof

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Dr. Andreas Ströbl schaut sich gemeinsam mit Dr. Anja Kretschmer und ihrem Sohn Lysander (7) einen beschädigten Sarg in der Grabkapelle Keding auf dem Wismarer Ostfriedhof an. Fotos (2): Norbert Wiaterek

Wismar. Die beiden Särge in der Keding-Kapelle auf dem Wismarer Ostfriedhof befinden sich in keinem guten Zustand. Offensichtlich haben Grabräuber gewütet. Außerdem setzten Staub, Feuchtigkeit und Würmer dem Holz zu. „Wichtig wäre hier ein wissenschaftliches Aufräumen und das Wiederherstellen der Würde der Bestatteten“, meinte Dr. Andreas Ströbl aus Lübeck. Der 52-Jährige schaute sich jetzt gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Dr. Anja Kretschmer in der neugotischen Backsteinkapelle um.

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Der Kunsthistoriker Dr. Andreas Ströbl aus Lübeck sieht Handlungsbedarf bei Särgen in der Grabkapelle Keding auf dem Wismarer Ostfriedhof

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Beide Särge scheinen aufgebrochen und geplündert worden zu sein. Bei einem ist ein Holzstück lose. Bei dem anderen, größeren Exemplar wurde nicht nur der Holzdeckel beschädigt, sondern auch der Innensarg aus Zink. Ein Armknochen ragt etwas heraus. Und wie Ströbl feststellte, befindet sich auch der Schädel nicht mehr an seiner ursprünglichen Position. Laut Friedhofsverwalterin Grit Schaller-Uhl müssen die Grabräuber schon vor längerer Zeit gewütet haben, „denn die Kapelle ist ja seit ihrer Sanierung im Jahr 2001 ordentlich verschlossen“.

Ströbl freute sich über die Löwentatzenfüße an den Särgen und über Metallgriffe im Jugendstil mit Palmzweigen und der Aufschrift „Ruhe sanft“. „Die kleinen Haken im Holz dienten wahrscheinlich als Aufhängung für Kränze oder Blumengirlanden“, sagte der Archäologe und Kunsthistoriker, der mit seiner Frau Regina Ströbl im gesamten Bundesgebiet tätig ist. Das Paar arbeitete unter anderem in den Herzogsgrüften in Wolgast, Mirow und Schwerin.

„Hier kann man mit relativ einfachen Mitteln viel machen“, schätzte Andreas Ströbl nach der ersten kurzen Bestandsaufnahme im „wunderbaren Kulturdenkmal“ ein. Nach einer Dokumentation müssten die mumifizierten Körper wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht, Holzwürmer bekämpft, die Särge gereinigt und repariert beziehungsweise verschlossen werden. Die zerstörte Deckelplatte könne nachgearbeitet werden. „Wichtig ist immer die Beantwortung der Frage: Wie hätten es sich die hier Bestatteten gewünscht? Sicherlich pietätvoll.“

In den Särgen in der Keding-Kapelle sollen laut Sterberegister die Überreste von zwei Männern liegen. Die Holzsärge wurden laut Einschätzung von Ströbl um das Jahr 1900 angefertigt, der kleinere maschinell, der größere per Hand bearbeitet.

„In Wismar gibt es einen der wenigen Friedhöfe in Mecklenburg-Vorpommern, wo wir noch solche Zeugnisse von Gruft-Bestattungen finden“, erklärte Anja Kretschmer. Die Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Friedhofskultur in Wismar hatte Andreas Ströbl gebeten, sich die Särge in der Keding-Kapelle einmal genauer anzuschauen.

„Es sind Mosaiksteinchen, die zum Bild gehören, dass uns die Bestattungskultur verständlicher macht“, so Andreas Ströbl. „Jede Gruft hat ihre Besonderheiten. In der Keding-Kapelle sind es zum Beispiel die Griffbeschläge an dem einen Sarg, die ich so noch nicht gesehen habe“, sagte der renommierte Forscher.

Wann das „wissenschaftliche Aufräumen“ beginnt, ist derzeit völlig unklar, ebenso wie teuer die Arbeiten sind und wer sie bezahlt. Grit Schaller-Uhl hofft, dass sich der Friedhofsverein mit diesem Projekt befasst. „Die Särge, die wirklich sehr prunkvoll den Raum füllen, sind auf jeden Fall erhaltenswert“, äußerte sich die Friedhofsverwalterin. „Leider sind sie sehr von Holzwürmern zerfressen. Es wäre wünschenswert, wenn diese Särge nicht zu Staub zerfallen.“

Norbert Wiaterek

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