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Denkmal für Wismarer Grenztoten

Kneese/Wismar Denkmal für Wismarer Grenztoten

Harry Weltzin starb bei seinem Fluchtversuch vor 30 Jahren an der innerdeutschen Grenze bei Kneese.

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Eine Frau geht am ersten Mahnmal in Mecklenburg-Vorpommern für Todesopfer an der früheren innerdeutschen Grenze auf dem ehemaligen Todesstreifen bei Kneese (Landkreis Nordwestmecklenburg) vorbei. Drei Jahrzehnte nach dem Tod des Republikflüchtlings Harry Weltzin wurde am Sonnabend mit einer Gedenkveranstaltung das Mahnmal aus Originalteilen der ehemalige Grenzanlage eingeweiht.

Quelle: Jens Büttner

Kneese. Die erste Gedenkstätte für DDR-Grenztote in Mecklenburg-Vorpommern ist am Sonnabend in Kneese am Ostufer des Schaalsees (Landkreis Nordwestmecklenburg) eingeweiht worden. Anlass war der 30. Todestag von Harry Weltzin (1955-1983).

Der gebürtige Wismarer starb am 4. September 1983 nahe Kneese beim Fluchtversuch durch eine Selbstschussanlage. Unweit dieser Stelle sind auf einer Breite von 3,30 Meter drei originale Metall-Grenzzaun-Elemente aufgestellt und mit einer Gedenktafel versehen worden. An dem Mahnmal wurde am Sonnabend ein Kranz niedergelegt. Zudem gab es ein Konzert und eine Filmvorführung.

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Eine Frau geht am ersten Mahnmal in Mecklenburg-Vorpommern für Todesopfer an der früheren innerdeutschen Grenze auf dem ehemaligen Todesstreifen bei Kneese (Landkreis Nordwestmecklenburg) vorbei. Drei Jahrzehnte nach dem Tod des Republikflüchtlings Harry Weltzin wurde am Sonnabend mit einer Gedenkveranstaltung das Mahnmal aus Originalteilen der ehemalige Grenzanlage eingeweiht.

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Kaum ein Wismarer hatte davon Kenntnis, obwohl seine Eltern in der Hegede 21 ein sehr bekanntes kleines Lebensmittelgeschäft führten. Aus heutiger Sicht scheint es zweifelhaft, ob sie bis zur politischen Wende die wahrem Umstände zum Tode ihres Sohnes kannten. In der Stadt war das Gerücht verbreitet worden, dass der Sohn von Weltzins bei einem Unfall bei der NVA (Nationale Volksarmee) ums Leben gekommen sei.

„Umso mehr bewundere ich die Haltung des Kaufmannspaares Erwin und Elfriede Weltzin, die ich persönlich gut kannte, und das sich in seiner äußeren Haltung nichts anmerken ließ. In einem vor drei Jahren erschienenen Buch habe ich die beiden mittlerweile Verstorben würdigen können“, berichtet Wismars ehrenamtlicher Stadtchronist Detlef Schmidt.

Harry Weltzin wurde 1955 geboren und besuchte die Gerhart-Hauptmann-Schule. Später studierte er an der Wismarer Ingenieurhochschule Elektrotechnik und arbeitete auf der Wismarer Werft in seinem Beruf als Diplom-Ingenieur. Der Wismarer Jürgen Spieß (59), ehemaliger Boxer und heutige Abteilungsleiter des PSV Wismar, kannte Harry Weltzin persönlich. „Ich war mit ihm in einer Klasse. Wir waren damals schockiert, als wir von seinem Tod erfuhren. Über die wahren Hintergründe, wie Harry Weltzin verstarb, wurden wir damals nie aufgeklärt. Darüber wurde in der Schule nicht gesprochen“, erinnert sich Jürgen Spieß.

„Dass dieses Ereignis vor 30 Jahren nicht vergessen wird, sollte Anlass sein, um über einen ,Stolperstein‘ in der Hegede 21 nicht nur nachzudenken“, meint Detlef Schmidt.

Selbstschussanlage
Eine Selbstschussanlage ist eine kegelförmige Splittermine (offizielle DDR-Bezeichnung) mit Richtwirkung, wie sie an der DDR-Grenzsperre verbaut war. Sie diente dazu, einen oder mehrere Menschen vom Betreten oder Durchqueren des Grenzstreifens abzuschrecken bzw. ihn in diesem Fall automatisch zu verletzen oder zu töten. Sie ist daher militärisch eng verwandt mit der Landmine.



Die Selbstschussanlagen wurden seit 1970 an der DDR-Grenze zur Bundesrepublik (nicht an der Berliner Mauer) installiert und auf bundesdeutschen Druck ab 1983 wieder abgebaut. Bis zum Abbau waren auf 440 Kilometer der innerdeutschen Grenze etwa 60 000 Splitterminen im Einsatz.


Die Installation der Splitterminen kostete je Kilometer Staatsgrenze etwa 100 000 DDR-Mark.


Grenztruppen der DDR demontierten am 30. November 1984 die letzten Splitterminen an der innerdeutschen Grenze. Von 1970 bis 1984 verloren etwa zehn Menschen durch sie ihr Leben. Auch nach dem Abbau der Selbstschussanlagen blieb die innerdeutsche Grenze praktisch undurchdringlich.

 

Anne-Dorle Hoffgaard und Peter Preuß

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