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Der Gesundheit zuliebe 62 Kilogramm abgenommen

Wismar Der Gesundheit zuliebe 62 Kilogramm abgenommen

Sina Schliebe aus der Hansestadt Wismar will Betroffenen Mut machen

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Starke Frau: Sina Schliebe aus Wismar hat 62 Kilogramm abgenommen, die Hose aus „dicken Zeiten“ passt nun mehrmals. Fotos (2): Nicole Hollatz

Wismar. Sina Schliebe ist keine Frau, die sich für andere verbiegen muss. Sie hat Ausstrahlung, leuchtende Augen und ein umwerfendes Lächeln. Es gab aber eine Zeit im Leben der jetzt 34-Jährigen, in der nicht jeder Mensch die Chance wahrgenommen hat, all das an ihr zu entdecken.

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Sina Schliebe aus der Hansestadt Wismar will Betroffenen Mut machen

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Die 150 Kilogramm Körpergewicht bei einer Größe von 1,78 Metern fielen zu sehr ins Auge. Gerade in einer Zeit, in der Frauen auch noch nach zwei, drei Kindern perfekt auszusehen haben. „Ich fühlte mich als Sonderfall.“ Sina Schliebe erzählt das, was viele Menschen in der Situation sagen. Sie habe als Kind schon viel gewogen, immer gerne und leidenschaftlich gegessen, in den Schwangerschaften kräftig zugelegt, kannte kein Sättigungsgefühl. „Ich hatte Kleidergröße 52 bis 54“, sagt die Frau mit dem strahlenden Gesicht. Sie hat als Mitarbeiterin in einer großen Modekette Kleidung verkauft, in die sie nie reinpassen würde. Damals, als ihr das Treppensteigen langsam schwerfiel. Als der Rücken immer öfter wehtat, sie merkte, dass sie keine acht, neun Stunden mehr am Stück im Laden stehen kann. Und als manch ein Arzt, egal bei welchen Beschwerden, pauschal diagnostizierte: „Das kommt vom Gewicht.“ Sina Schliebe: „Es war nie so, dass ich mich versteckt habe, ich war nie negativ oder depressiv.“ Sie weiß, manch ein „Dicker“ traut sich nicht mehr raus und setzt so einen Teufelskreislauf in Gang.

Im Fitnessstudio hielt sie es nur drei Monate aus, hatte immer das Gefühl, angestarrt zu werden anstatt unterstützt und bekräftigt. „Damals“, das ist nicht so lange her. Vier Monate sind seit der OP vergangen, fast ein Jahr seit dem Tod des Vaters, der ausschlaggebend für die Operation war. Stark übergewichtig starb er an einem Herzinfarkt.

Und Sina Schliebe wusste, ihre Grenze war erreicht. Das wollte sie den beiden Söhnen nicht antun. Ein Dreivierteljahr hat es gedauert, bis sie sich für die Magen-OP im Wismarer Krankenhaus entschieden hatte. „Man kann leicht mal 10, 20 Kilogramm abnehmen, aber die Masse?“, begründet sie.

Seit Mitte Januar hat sie unglaubliche 62 Kilogramm abgenommen, ist auf Kleidergröße 38 runter. Viel Sport und ein Minimum an Essen nach der Schlauchmagen-Operation. „Rechts und Links vom Magen wird einiges weggeschnitten, sodass nur noch 150 Milliliter reinpassen. Ich habe keinen Hunger mehr und kaum Appetit.“ Sie beschreibt die schwere Zeit nach der OP. Wochenlang nur schlückchenweise Suppe.

„Ich habe in der Zeit gemerkt, wie oft ich früher nachts zur Tanke gefahren bin, um mir das zu holen, worauf ich gerade Appetit hatte“, gibt Sina Schliebe zu.

Das Leben hatte sich ums Essen gedreht. Nach der OP war es ähnlich, aber doch ganz anders. Sina Schliebe musste das Essen neu lernen, was verträgt sie, was nicht. Fettiges, „künstliches“ Essen oder Fastfood verträgt der Magen immer noch nicht, das kommt sofort „retour“. Es war nicht einfach, die positive Lebenseinstellung half. „Man muss mit der Psyche aufpassen, weil man auf Sachen verzichten muss, die einen vorher befriedigt haben“, berichtet sie. Und man kann nicht einfach mal mit Freunden oder Kollegen im Restaurant essen. Sie radelt nun wieder um den Mühlenteich, ohne dabei ins Schwitzen zu kommen, genießt die Stunde auf dem Stepper im Fitnessstudio, hat sich ihren Traumhund – einen Windhund mit Bewegungsbedürfnis – geholt. „Mit jedem Kilogramm weniger wächst das Selbstbewusstsein, dass es mir eigentlich egal ist, was andere von mir denken. Früher habe ich mir sehr viele Gedanken über mein Äußeres gemacht. Heute fühle ich mich anders, wesentlich leichter“, sagt Sina Schliebe schmunzelnd.

Volkskrankheit Übergewicht

Laut Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern hat mehr als jeder zweite Einwohner in unserem Bundesland Übergewicht, jeder fünfte ist stark übergewichtig (adipös), jeder vierte Jugendliche gilt als übergewichtig – die Zahlen sind höher als im Bundesdurchschnitt.

Seit 2011 gibt es das Adipositaszentrum am Sana Hanse-Klinikum Wismar mit Hausärzten, Kooperationspartnern und einer aktiven Selbsthilfegruppe.

Kontakt ins Krankenhaus zum Zentrum: ☎ 03841/33 11 99 und adipositaszentrum-wismar@sana.de.

Kontakt zur Selbsthilfegruppe:

http://adipositas-shg-wismar.beepworld.de, rs.sommer@web.de, Simone Sommer (☎ 0172/3165690).

Nicole Hollatz

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