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Wismar Der „Ziegler“ von Sankt Marien
Mecklenburg Wismar Der „Ziegler“ von Sankt Marien
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04:30 13.05.2017
Harald Brode ist der „Ziegler“ von Sankt Marien. Quelle: Nicole Buchmann
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Wismar

Australien, Mexiko, Italien, Ecuador - fast die ganze Welt hat sich unter dem Turm von St. Marien versammelt. Auf selbstgebrannten Ziegelsteinen, hineingeritzt mit dem Kugelschreiber des 13. Jahrhunderts. So nennt Harald Brode die Stäbchen, die er jenen gibt, die ihren Stein verzieren - mit Namen, Herkunftsland, Liebesschwüren.

Harald Brode sorgt dafür, dass Besucher und Einheimische ein ganz besonderes Andenken an Wismar mit nach Hause nehmen können.

Täglich von 9 bis 17 Uhr können Besucher unterhalb des Turms von St. Marien eigene Ziegel herstellen. Die Steine aus Lehm müssen fünf bis sechs Tage trocknen und können dann mit nach Hause genommen werden. Es wird ein Unkostenbeitrag von 5 Euro erhoben, der bei Abholung zu entrichten ist.

Übung macht den Ziegler

Der „Ziegler“, wie der Wismarer in der Mönchskutte sich selbst nennt, rührt in einem schwarzen Bottich den Lehm an für die nächsten Steine. Zu fest darf er nicht sein, dann geht er nicht aus der Form. „Zu dünn auch nicht, dann steht der Stein nicht“, sagt Brode. Das Mischungsverhältnis? Übungssache. Die Form ist aus Holz und wird gewässert. „Nass zu nass, sonst wird das nix“. Brode grient.

Steine formen ist ihm am liebsten

Der 56-Jährige kennt die Sehenswürdigkeiten alle in der Hansestadt. In St. Georgen hat er die Besucher mit dem Fahrstuhl hinaufgefahren auf die Aussichtsplattform. Im Baumhaus die Türen geöffnet für Kunstfreunde, im Welterbehaus die für Geschichtsliebhaber. In St. Marien ist er mit Gästen unzählige Male die 333 Stufen hinangestiegen in den Turm. Die Ziegelei aber, sagt er, die sei ihm am liebsten.

Geschichten vertellen und Kinder anleiten

Seit einem Jahr erklärt und erzählt Brode dort, wie die Handwerker 800 Ziegelsteine am Tag für den Aufbau von St. Marien formten oder dass Unmengen Holz benötigt wurden damals, um die Steine zu brennen. „Die Leute staunen! Das sag’ ich Ihnen!“

Ziegel formen und verzieren, das aber machen meist doch die Kinder. In Schürze stehen sie dann an der Werkbank, spachteln den Lehm glatt in der Form. Brode bessert aus. „Aber nur so viel, damit der Stein nicht umfällt. Es soll ja zu sehen sein, dass er von Kinderhand gemacht ist.“ Der Stein müsse nicht 1A sein. „Entscheidend ist, dass die Kinder vom Computer wegkommen, mal mit den eigenen Händen arbeiten“, sagt der mehrfache Großvater.

Herumgesprochen hat sich das Ziegeln in Wismar längst bis über die Landesgrenzen hinaus. „Da kommen sogar welche aus Bayern, die auf dem Weg nach Rügen sind, machen hier ihren Stein und holen ihn sich auf der Rückfahrt wieder ab“, erzählt Brode. Fünf, sechs Tage muss der geformte Lehm trocknen. Gebrannt wird neben St. Marien schon länger nicht mehr. „Das hat sich nicht gelohnt.“ Brodes Tipp: Nach dem Trocknen einfach anstreichen. Dann hält das Andenken an Wismar ewig.

Der gelernte Maler fühlt sich wohl zwischen Lehm, Spachtel und Wasserbottichen. Brode freut sich auf die Menschen, die er mit Anekdoten füttert. Und die - die nehmen ihn dann mit hinaus in die Welt. Denn fast alle wollen ein Foto vom oder mit dem „Ziegler in Mönchskutte“.

Nicole Buchmann

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