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Die „Kehrseite“ des Herbstes

Wismar Die „Kehrseite“ des Herbstes

Deponien im Kreis nehmen zurzeit Tausende Kubikmeter Gartenabfall an. Gerichtsurteil besagt: Laub vom Nachbarn muss mit entsorgt werden.

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Mit dem Lkw werden Container aus der Region abgeholt und auf den Abfallwirtschaftshof geliefert. Der Grünschnitt wird dort abgeladen.

Quelle: Michaela Krohn

Wismar. Schaufel für Schaufel schieben die Bagger die Gartenabfälle auf dem Abfallwirtschaftshof in Wismar Müggenburg zusammen. Es sind riesige Haufen. Allein im Oktober haben sich dort 3000 Kubikmeter angehäuft. „Die Leute kommen zurzeit jeden Tag, auch bei schlechtem Wetter, um ihren Grünschnitt bei uns zu entsorgen“, berichtet die dortige Sachbearbeiterin Denise Schulz. Ein Kubikmeter kann für einen Euro dort entsorgt werden. Sachbearbeiterin Denise Schulz findet: „Das ist wirklich günstig und wir holen Gartenabfälle ja auch mit dem Container ab.“ Sie betont das, weil das Verbrennen von Laub und anderen Gartenabfällen im Landkreis Nordwestmecklenburg verboten ist. Diese Regelung sorgt jedoch bei Betroffenen immer wieder für Unmut.

Kreis verbietet Verbrennen von Laub und Gartenabfällen

Denn trotz der Annahmestellen wird im Landkreis immer wieder privat Laub verbrannt – unerlaubterweise. Auch hier gibt es Verordnungen, an die sich gehalten werden muss. Denn, darauf weist der Landkreis noch einmal deutlich hin, das Verbrennen von Abfällen außerhalb von hierfür zugelassenen Anlagen ist gesetzlich verboten.

„Die Pflanzenabfalllandesverordnung unterstreicht dieses Verbot für das Verbrennen von pflanzlichen Abfällen von privaten Gartengrundstücken und lässt es nur im äußersten Ausnahmefall zu“, erläutert Landkreis-Pressesprecherin Wiebke Reichenbach. Diese Ausnahme bestehe nur, wenn die Entsorgung durch Kompostierung oder in einem öffentlichen Entsorgungssystem nicht möglich oder nicht zumutbar sei. „Da jeder Bürger des Landkreises von der GER Umweltschutz GmbH in Grevesmühlen oder der Gollan Recycling GmbH in Rosenhagen eine vom Landkreis finanziell gestützte Biotonne erhält, ist es auf jeden Fall unzulässig, Gartenabfälle zu verbrennen, die mit einer solchen Biotonne entsorgt werden können“, führt Wiebke Reichenbach weiter aus. Hierfür gebe es auch keine Ausnahme oder die Prüfung der Zumutbarkeit.

Auch trockener Gehölzschnitt muss auf die Deponie

„Unzulässig sind auf jeden Fall auch Gartenabfallfeuer, wenn die Gartenabfälle auf dem eigenen Grundstück kompostiert werden könnten.“ Übrig bleibt also allenfalls noch größerer und vor allem trockener Gehölzschnitt, der nach dem Zerkleinern auch bei mehreren Entleerungen weder in die Biotonne passt noch kompostiert werden kann. „Aber auch für trockenen und größeren Gehölzschnitt ist ein Verbrennen nach der Landesverordnung unzulässig, wenn eine gemeindliche oder gewerbliche Grünschnittannahmestelle in der Nähe erreichbar ist.“ Bei der Frage der Erreichbarkeit komme es immer auf die besonderen Umstände des Einzelfalls an. „Das Land hat hierfür keine besonderen Auslegungshinweise in den Verordnungstext aufgenommen.“ Der Landkreis empfiehlt, im Zweifelsfall auch für solchen trockenen und größeren Gehölzschnitt die Annahmestellen zu nutzen.

Ausnahmen erfordern eine Genehmigung

Ist das Verbrennen ausnahmsweise doch zulässig, wird hierfür keine Genehmigung benötigt, wenn es im März oder Oktober werktags – also von montags bis sonnabends – während zwei Stunden täglich in der Zeit von 8 bis 18 Uhr erfolgt. Nur wer von diesen Zeiten abweichen will, benötigt hierfür eine Genehmigung des Landkreises.

Annahmen von Laub nimmt mit Frost wieder ab

Mehr als 800 Kubikmeter Laub hat die Deponie östlich von Grevesmühlen bisher in diesem Jahr schon angenommen. 50 Fahrzeuge würden dafür pro Tag vorfahren. „Bis Ende November werden es etwa 2000 Kubikmeter sein“, sagt Ulrich Karge, Betriebsleiter des Recyclinghofes in Neu Degtow. Der Antransport von Laub würde sich bis zum ersten starken Frost hinziehen. Danach nehme der Betrieb mit dem abgefallenen Baumschmuck schlagartig ab, so Karge. Auf dem Gelände von GER wird aus Laub schließlich Kompost gemacht. Innerhalb von acht bis zehn Wochen entstehe natürlicher Dünger, der in Verbindung mit Erde verkauft wird. „Aus 2000 Kubikmeter Laub gewinnen wir rund 600 Kubikmeter Kompost“, erklärt Karge.

Laub vom Nachbarn muss auch entsorgt werden

Herbstlaub wird hin und wieder auch ein Fall für die Justiz. Mal rutscht jemand auf Blättern auf, mal wird es lauter am Gartenzaun, wenn Nachbarn darüber streiten, wer für die Entsorgung zuständig ist. In allen Fällen gibt es bereits Urteile. So müssen Grundstücksbesitzer hinnehmen, wenn vom Nachbargrundstück Laub herüber fällt – es sei denn, die Menge ist „nicht mehr zumutbar“. Die Bepflanzung mit Laubbäumen ist allerdings hinzunehmen, wenn sie dem Charakter der Umgebung entspricht.

Michaela Krohn

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