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Die Russen sind wieder da

Wismar Die Russen sind wieder da

Fotodokumentation des Journalisten Thilo Gehrke im Phantechnikum holt Geschichte in die Gegenwart.

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Zog diese Russen-Uniform seinerzeit auf dem Abrissgelände Lübsche Burg aus dem Schlamm: Wolfgang Wagner (52) aus Wismar.

Wismar. Eine Bilddokumentation über den Abzug der Russen aus Deutschland zeigt derzeit das Phantechnikum in Wismar. Einige der über 70 Fotografien des Journalisten Thilo Gehrke zeigen auch Motive aus der ehemaligen Russenkaserne in Wismar, dem heutigen Standort des Technischen Landesmuseums. Damit kehrte ein Stück Geschichte in die Gegenwart zurück. „Ein erinnerungsschweres Thema“, so Projektleiterin Dr. Kathrin Müller zur Vernissage im Dachgeschoss. „Doch es wird Zeit für unsere eigene Geschichte.“

Und die kennt viele Perspektiven. Zunächst hielt Thilo Gehrke, der den Abzug der russischen Truppen aus der DDR quasi zu seinem Lebenswerk gemacht hat, einen Vortrag. Der Hamburger Autor und Journalist schilderte darin sowohl eigene Erfahrungen als auch Gehörtes und Recherchiertes. Ein „Wessi“, der ostdeutsche Geschichte dokumentiert. „Viele Ossis wollen von all dem gar nichts mehr wissen“, weiß Thilo Gehrke, der auch ein Buch zu dem Thema veröffentlich hat. „Ich will mir nichts anmaßen, dennoch beschäftige ich mich seit über 20 Jahren intensiv mit dem Thema und habe alle Standorte besucht, die in der ehemaligen DDR für die Russen relevant waren.“

Wismar gehört dazu. Im Kasernenkomplex Lübsche Burg waren Schützen- und Panzerartillerieregement zu Hause. Im ehemaligen Stabsgebäude stellt heute das Phantechnikum aus. Seinerzeit mussten vom Areal 20 Tonnen Munition und 140 Tonnen Schrott geräumt werden. Thilo Gehrke: „Der Abzug der Sowjetarmee war weniger eine menschliche als eine logistische Herausforderung. Mit 546 000 Armeeangehörigen und drei Millionen Tonnen Material war es die größte Truppenverschiebung zu Friedenszeiten.“

„In Vorbereitung auf die Ausstellung haben viele Menschen uns persönliche Gegenstände und Fotos zur Verfügung gestellt“, so Andrej Quade, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Phantechnikums. „Das Feedback ist erstaunlich“, so Quade. „Wir haben die Beigabe in die Ausstellung integriert.“

„Als die Russen damals weg waren, habe ich beim IHB gearbeitet“, erinnert sich Wolfgang Wagner. Er ist seinerzeit über das Gelände gestreift und hat unter anderem Uniform, Feldflasche und Helm gefunden. Auch die Fundsachen des 52-jährigen Wismarers sind jetzt in der Ausstellung zu sehen.

Truppenverschiebung

15 Milliarden DM zahlte die Bundesrepublik für den Rückzug der russischen Truppen. Weitere 550 Millionen DM wurden gezahlt, um den Abzug in Schwung zu halten und Umschulungsprogramme für Armeeangehörige zu zahlen.

546000 Armeeangehörige und drei Millionen Tonnen Material zählte die größte Truppenverschiebung in Friedenszeiten. Sie dauerte vier Jahre.
Die Ausstellung „Das Erbe der Sowjetarmee in Deutschland“ mit Fotos des Journalisten Thilo Gerke ist noch bis 29. Juni im Phantechnikum an der Lübschen Burg in Wismar zu sehen.
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

 



Ina Schwarz

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