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Wismar Ehrenamtlicher Besuchsdienst muntert Patienten auf
Mecklenburg Wismar Ehrenamtlicher Besuchsdienst muntert Patienten auf
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00:01 16.09.2017
Gemeinsam erzählen, lachen, auf andere Gedanken kommen: Besuchsdame Brigitta Küppers (r.) im Gespräch mit Patientin Christa Wucherpfennig. Quelle: Foto: Nicole Hollatz

„Erzählen Sie, was war Ihr schönstes Erlebnis im Leben?“ Brigitta Küppers lächelt die ihr noch unbekannte Patientin an. Christa Wucherpfennig guckt überrascht, lächelt zurück. Und erzählt. Von der Zeit als Krankenschwester in Berlin. Vom Haus und dem Garten, vom Walnussbaum und den Kirschen. Auch von der Zeit in der Klinik und ihrer Erkrankung. Brigitta Küppers streichelt die Hand der 83-jährigen Patientin, hört zu, fragt nach, plaudert mit ihr. Christa Wucherpfennig lächelt beim Erzählen. Die Zeit mit der Besuchsdame tut ihr gut. „Meine Kinder wohnen weit weg, nur meine Schwester und unser Nachbar kommen mal vorbei“, sagt die Patientin.

Brigitta Küppers ist seit langer Zeit die erste Besuchsdame im Sana Hanse-Klinikum Wismar. Mit viel Einfühlungsvermögen, Nähe und Gesprächen hilft sie Patienten, die sonst keinen Besuch bekommen würden. „Das hilft den Patienten“, weiß die 67-Jährige. „Ich sitze am Bett, ich berühre mal die Hand oder den Arm, ich höre zu. Das ist ja eine Ausnahmesituation, in der die Menschen sich hier in der Geriatrie befinden.“

Brigitta Küppers lebt seit etwas über einem Jahr in Wismar, sie hat sich neben der Arbeit als Gymnasiallehrerin immer sozial engagiert. Nach Jahren in der Telefonseelsorge suchte sie in der neuen Heimat ein passendes Projekt. Und fand es im Krankenhaus. Einmal in der Woche ist sie dort, besucht vier, fünf Patienten, wie Christa Wucherpfennig, die mehr als 14 Tage lang auf Station lag.

„Ich stelle mich vor und sage, ich bin vom Besuchsdienst“, schmunzelt Brigitta Küppers. Eine Grüne Dame sei sie nicht. „Ich missioniere nicht, das Vorurteil haben viele.“ Die Grünen Damen engagieren sich über die evangelische Kirche, Brigitta Küppers engagiert sich einfach so. Manch ein Patient hat keine Angehörigen mehr oder die Verwandten wohnen zu weit weg für Besuche im Krankenhaus. Die Besuchsdamen und -herren helfen, sprechen mit den Menschen, lesen aus der Zeitung vor oder machen kleine Spaziergänge mit ihnen. „Es ist doch wichtig, dass die Patienten mal auf andere Gedanken kommen“, beschreibt Brigitta Küppers.

„Besuchsdamen gab es lange nicht“, sagt Dr. Mirja Katrin Modreker, Chefärztin der Geriatrie. Die Krankenhausseelsorgerin vermittelte den Kontakt zu Brigitta Küppers. Die Ärztin weiß, wie wichtig solche ehrenamtlichen Helfer sind. „Einfach, dass jemand da ist. Wir überlegen, welcher Patient in frage kommt und diesen Besuchsdienst braucht.“ In der Geriatrie erfüllten zwar oft die Ergo- oder Physiotherapeuten diese Aufgabe „ganz nebenbei“, aber eben nicht immer und ganz. „Man merkt, die Menschen haben Gesprächsbedarf“, sagt Dr. Modreker. Die Aufgabe eines Psychologen oder der Seelsorge übernehmen die Ehrenamtler des Besuchsdienstes dabei aber nicht. Das Klinikum sucht weitere Ehrenamtler für den Besuchsdienst. Die Klinik ünterstützt mit Einführung und Supervision.

Helfer mit Gefühl

Als Grundvoraussetzung für das Engagement im Besuchsdienst sollten die Menschen sich gerne mit anderen unterhalten und zuhören können, dazu natürlich Zeit für das Ehrenamt haben. Eine psychologische oder seelsorgerische Grundausbildung wird nicht vorausgesetzt. Empathie ist wichtig, aber auch genug Abstand, damit es einem bei manch schwerem Schicksal in der Klinik nicht selbst schlecht geht. Die Ehrenamtler bekommen einen Vertrag, der wichtige Aspekte, wie die Schweigepflicht, beinhaltet.

Nicole Hollatz

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