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Ehrentag für die „roten Engel der See“

Timmendorf Ehrentag für die „roten Engel der See“

Hunderte Besucher kamen gestern zu den Seenotrettern und dem Leuchtturm im Timmendorfer Hafen

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Der leidenschaftliche Segler und Hobbyfotograf Christian Descher aus der Nähe von Bielefeld nutzte auf Poel die seltene Chance, den Leuchtturm zu erklimmen, während Besucher im Hafen Schlange standen, um die Schiffe der Seenotretter zu besichtigen. Fotos (2): Hans-Joachim Zeigert

Timmendorf. „Wir haben gleich zwei besondere Erlebnisse genossen: die Bootsfahrt und die Besteigung des historischen Poeler Leuchtturms mit dem wundervollen Ausblick.“ So schwärmte Lutz Engelmann stellvertretend für seine vierköpfige Familie aus Sachsen-Anhalt nach dem gestrigen Besuch auf Poel zum „Tag der Seenotretter“. Als Mitglied beim Technischen Hilfswerk (THW) engagiert er sich zudem selbst ehrenamtlich.

OZ-Bild

Hunderte Besucher kamen gestern zu den Seenotrettern und dem Leuchtturm im Timmendorfer Hafen

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Kurz zuvor war die Familie noch mit anderen „Landratten“ über selbst erzeugte Wellen geprescht. Die Besatzungen der beiden Boote der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), der „Günther Schöps“ und der „Konrad Otto“, lieferten auf dem Wasser die entsprechende Action. „Sonst merken unsere Gäste ja gar nicht, dass wir auf See sind“, hieß es auf beiden Schiffen immer wieder bei den Erklärungen über die Arbeit der Seenotretter.

Mehr als 250 Fahrgäste dürften es bis 13 Uhr bereits gewesen sein, die die „roten Engel der See“ an ihrem Ehrentag bei Kurztörns über die See vor dem Timmendorfer Hafen schipperten. Da war Geduld gefragt, bis man an Bord war. Unter den Wartenden war auch Poels Bürgermeisterin Gabriele Richter: „Besser, als mit so einem Aktionstag, lässt sich kaum Einblick in die Arbeit dieser Ehrenamtler gewinnen. Deshalb sollte dieses Engagement voller Gefahren mit viel Hochachtung und Respekt betrachtet werden.“

Die Ehrenamtler der DGzRS agieren meist unbemerkt von der Öffentlichkeit – 365 Tage im Jahr, bei jedem Wetter und drohenden Gefahren trotzend. Dabei helfen praxiserprobtes Gespür für Gefahren auf See und solides seemännisches Können. „Mehr als 70 Einsätze, einschließlich Kontrollfahrten und Übungstörns, sind wir im Vorjahr gefahren“, sagt Ralf Schmidt, Vormann und Chef von 24 Poeler DGzRS-Leuten.

Für dieses Jahr stehen bereits gut 40 Einsätze im Logbuch. Sein Kühlungsborner Kollege Rainer Kulack, Vorsteher von elf aktiven Seenotrettern, hatte 2015 45 Einsätze. Dieses Jahr waren sie schon 20 Mal unterwegs. Dabei ist die letzte große, aber erfolgreiche Suche nach einem vermissten Fischer in der Nacht zum 25. Juli noch gut in Erinnerung.

Anstehen und sich in Geduld üben hieß es nicht nur an den Rettungsbooten, sondern auch vor dem Eingang zum Timmendorfer Leuchtturm. Der bundesweite „Tag der Seenotretter“ ist der einzige Tag, an dem sich die Tür des historischen Leuchtturms für Besucher öffnet. Entsprechend groß ist das Interesse. Die Schlange derjenigen, die hinaufwollten, schien kein Ende zu nehmen. Dabei ließen sich die geduldigen Besucher die Wartezeit selbst durch leichte Regenperioden nicht vermiesen.

Seit fast 144 Jahren in Betrieb

Der Leuchtturm in Timmendorf auf der Insel Poel markiert die Einfahrt in die Wismarbucht und ist eines von zwei größeren Leuchtfeuern – das andere ist in Gollwitz – auf der Insel. Der Turm hat die internationale Ordnungsnummer C 1386 (Sein westlicher Nachbar, die Nordermole in Travemünde, hat die C 1362, sein östlicher Nachbar in Bastorf bei Rerik die C 1400).

Am 1. Oktober 1872 wurde der Leuchtturm in Betrieb genommen und 1931 um 3,6 Meter auf seine aktuelle Höhe von 21 Metern aufgemauert. Dieser Teil verblieb ungestrichen im Gegensatz zum weißen Unterteil.

Seit 1978 funktioniert der Leuchtturm ferngesteuert. Von 1996 bis 1997 musste der unter Denkmalschutz stehende Backsteinturm stabilisiert und deshalb teilweise neu aufgemauert werden.

Im Zuge der Sanierung wurde auch die Leuchtfeuertechnik ersetzt. Das Leuchtfeuer zeigt die Kennung Gleichtaktfeuer (Iso/Glt. 6 Sekunden) und erreicht eine Tragweite bei Sigma 0,741 bis circa 16 Seemeilen.

Am 13. Mai 1975 gab die Deutsche Post der DDR eine Briefmarke für fünf Pfennig heraus, die den Timmendorfer Turm zeigt. Sie gehört zu der Serie Leuchttürme, Leit-, Leucht- und Molenfeuer. Quelle: Wikipedia

Hans-Joachim Zeigert

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