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Ein Dorf für Jung und Alt, für Originale und Zugezogene

Zierow Ein Dorf für Jung und Alt, für Originale und Zugezogene

Zahl der Einwohner hat sich seit der Wende mehr als verdoppelt

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Zierow hat sich in den vergangenen zehn Jahren gut entwickelt.Franz-Josef Boge Bürgermeister (parteilos)

Zierow. Was es braucht, um das Leben in Zierow perfekt zu machen – Thomas Gürtler überlegt nur kurz. „Nichts“, sagt der 37-Jährige. Er habe alles, was er brauche. Gürtler lebt mit seiner Familie seit fünf Jahren in Zierow und ist damit einer von vielen jungen Menschen, die in dem Dorf ihre private Zukunft sehen.

OZ-Bild

Zahl der Einwohner hat sich seit der Wende mehr als verdoppelt

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„Bis vor zehn Jahren waren wir noch komplett überaltert“, erzählt Bürgermeister Franz-Josef Boge (parteilos). Mit Fertigstellung eines neuen Wohngebietes seien dann aber viele Familien mit Kindern hergezogen. Dabei gibt es in Zierow seit Jahren weder Kindergarten noch Schule. Die einzige Kita in der Gemeinde wird privat betrieben und ist so begehrt, dass selbst die Wismarer ihre Kinder dorthin bringen und mitunter kein Platz mehr ist für die Zierower Kinder. Für Thomas Gürtler kein Problem. Zierow sei so dicht an Wismar, der Weg nicht weit und die Ruhe auf dem Land nun mal angenehmer als in der Stadt. „Dafür nehme ich das gern in Kauf.“

Boge macht indes einen anderen Trend aus. „Die älteren Zierower denken darüber nach, das Dorf zu verlassen und in die Stadt zu ziehen. „Das Leben im Alter ist dort einfacher“, sagt Boge im Hinblick auf Betreuung, ärztliche Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten.

Helga Balten ist ein Mal in der Woche im Supermarkt und packt dann die Vorratskammer voll. Ihr Enkel fährt. Die 78-Jährige wurde im Ortsteil Eggerstorf geboren, ist dort aufgewachsen zwischen Kuh- und Schweineställen, Schnitterkaten und reetgedeckten Scheunen. Die Straßen waren noch Feldwege, Pferdewagen rumpelten dort entlang statt Autos.

Heute spaziert sie durch das Dorf, erfreut sich an den hergerichteten Vorgärten, daran, dass der Gemeindearbeiter die Straßen und Wege sauber hält, Gras mäht oder im Winter Schnee schippt. „Es hat sich ganz schön was verändert“, sagt Helga Balten. „Ich fühl’ mich wohl in Zierow – die Wiesen, der Wald, die Ostsee.“ Sie lächelt. Aber Zierow habe auch ganz schön was einstecken müssen. „Keine Post, kein Arzt – aber das geht ja nicht nur den Leuten hier so. Das ist ja ganz gleich, egal, wo auf dem Land.“

Entgegen dem landläufigen Trend aber hat sich in Zierow die Zahl der Einwohner seit der Wende mehr als verdoppelt. Das freut auch Thomas Gürtler. Der Berufsfeuerwehrmann ist auch Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr in Zierow. Und auch dort fehlt noch der Nachwuchs. Zudem arbeiten die meisten Zierower auswärts – für schnelle Einsätze denkbar schlecht. Aber, sagt Gürtler, bei dieser Entwicklung im Dorf könne man irgendwann auch über eine Jugendfeuerwehr nachdenken. Und vielleicht sind seine beiden Söhne dann auch dabei.

Nicole Buchmann

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