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Eine Hürde ist genommen

Wismar/Grevesmühlen Eine Hürde ist genommen

Fließend Deutsch sprechen sie natürlich noch nicht — die 40 Sprachkurs-Teilnehmer, die täglich fünf Stunden in der Kreisvolkshochschule am Tannenberg Deutsch büffeln.

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Das DRK-Gebäude in Wismar: Der Landkreis nutzt es nicht mehr als Unterkunft für Flüchtlinge.

Quelle: Peter Preuß

Wismar/Grevesmühlen. Fließend Deutsch sprechen sie natürlich noch nicht — die 40 Sprachkurs-Teilnehmer, die täglich fünf Stunden in der Kreisvolkshochschule am Tannenberg Deutsch büffeln. „Das wäre nach knapp vier Monaten und 320 Unterrichtsstunden auch ein wenig viel verlangt“, sagt Roland Hollmann, Leiter der Kreisvolkshochschule. Die Bundesagentur für Arbeit hat die Kurse gefördert. Anders als bei den Integrationskursen, die die Asylbewerber noch besuchen müssen, geht es hier um einen Einstieg in die Sprache.

OZ-Bild

Fließend Deutsch sprechen sie natürlich noch nicht — die 40 Sprachkurs-Teilnehmer, die täglich fünf Stunden in der Kreisvolkshochschule am Tannenberg Deutsch büffeln.

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Hollmann kennt die jungen Leute aus Syrien und Eritrea alle. Sie haben im November begonnen, sich der deutschen Sprache anzunähern — gemeinsam mit ihren Sprachlehrern, dem gebürtigen Iraker Jalil Khalil und dem deutschen Germanisten Alexander Wolff. Kürzlich sind den Teilnehmern ihre Zertifikate überreicht worden. „Wer nicht mindestens 40 Prozent der Zeit anwesend war, erhält keinen Nachweis“, so Roland Hollmann. Gründe, dem Unterricht fernzubleiben, gibt es einige. „Die meisten wollen nicht in dieser Region bleiben. Sie wollen in die großen Städte, wo sie Freunde und Verwandte haben. Viele versuchen bereits jetzt, sich dort irgendeine Unterkunft zu organisieren. Dann fehlen sie manchmal im Unterricht.“ Viele kommen auch unverrichteter Dinge zurück, so Hollmann weiter. Es gibt kaum noch bezahlbare kleine Wohnungen in Großstädten.

Saed Dale ist 18 Jahre alt. Er kommt aus dem syrischen Latakia und spricht Englisch, Französisch und Arabisch — bald auch Deutsch. Er entschuldigt sich: „Ich kann noch nicht so gut. Besser verstehen als sprechen. Aber das kommt.“ Muss es auch, denn der junge Mann, der in Syrien ein 1A-Abitur hingelegt hat, will studieren. „Ökonomie“, wie er sagt. Er will dazu nicht an eine der Unis in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder München. Er will in Wismar bleiben. „Ich habe schon deutsche Freunde gefunden. Ich komme hier gut zurecht.“ Dass das nicht allen von seinen Landsleuten so geht, das weiß er.

„Es ist einfacher für mich“, sagt er. „Ich war schon in den USA und in Asien, konnte dort Erfahrungen sammeln.“ Saed freut sich über das Zertifikat, genau wie die anderen Kursteilnehmer, die die Urkunde erhalten haben. Zum Beispiel Ali Alissah aus Syrien. Seine Frau und seine sechs Kinder warten in der Türkei darauf, dass sie zu ihm nach Deutschland kommen dürfen. Die Debatte um den Familiennachzug beängstigt den Familienvater. Sprachlehrer Alexander Wolff beruhigt ihn: „Das gilt nicht für dich, Ali. Das gilt nur für die, die später gekommen sind.“

Wegen baulicher Mängel: Flüchtlingsunterkunft geschlossen

Der Landkreis hat den Mietvertrag mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) für die Flüchtlingsunterkunft in der Hans-Grundig-Straße in Wismar überraschend gekündigt. Das Gebäude in der Nähe der Sporthalle in der Bürgermeister-Haupt-Straße sollte bis Ende Juni für die neu ankommenden Flüchtlinge bereitstehen. „Der Landkreis benötigt die Unterkunft nicht mehr“, bestätigte Kreissprecherin Petra Rappen auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG. „Die dort untergebrachten Flüchtlinge sind in Wohnungen eingezogen.“ Als Grund für die Kündigung des Vertrages zwischen dem DRK-Kreisverband und dem Landkreis nennt Petra Rappen fehlende Brandschutzmaßnahmen in dem Gebäude. „Es hätte investiert werden müssen.“

Seit Anfang September fungierte das ehemalige Kindergarten-Gebäude als Übergangsunterkunft. Zum 1. März sind die zuletzt noch 35 Bewohner nun dezentral untergebracht worden. Sie haben insgesamt sechs Wohnungen in Wismar, Bad Kleinen, Mallentin und Warin bezogen. „Die Kurzfristigkeit ist schon ein wenig überraschend“, sagte DRK-Geschäftsführer Ekkehard Giewald. Er hatte erst vor zwei Wochen die Nachricht von der Schließung erhalten. Doch er versteht die Entscheidung. „Der Schritt ist nachvollziehbar. Es handelt sich um bauliche Mängel. Die Sicherheit geht vor“, betonte Giewald. Außerdem seien in der aktuellen Situation nicht mehr Notunterkünfte, sondern vielmehr Wohnungen gefragt.

Auch Björn Griese, Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreistag, begrüßte die Entwicklung: „Das ist ein Zeichen dafür, dass allmählich alles in geregelten Bahnen läuft.“ Für ihn sei der Kontakt der Flüchtlinge mit den einheimischen Menschen ein wichtiger Bestandteil für Integration. Er betonte aber auch, dass die Wohnungssuche für Flüchtlinge in enger Absprache mit den Gemeinden stattfinden müsse. Außerdem dürfe es nicht zum Geschäft für private Wohnungsanbieter werden, die auf diese Weise versuchen, zum Teil veraltete Wohnfläche zu vermieten.

Die fünf Räume in der Hans-Grundig-Straße hatten eine Wohnfläche von etwa 400 Quadratmetern geboten. Ende 2015 lebten hier bis zu 55 Menschen zusammen. Neben vielen ehrenamtlichen Helfern hatte das DRK hier auch zwei Mitarbeiter mit befristeten Verträgen beschäftigt.

Von Annett Meinke Michael Prochnow und Daniel Heidmann

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