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Eis-Mohr macht Schotten dicht

Wismar Eis-Mohr macht Schotten dicht

Feierabend nach 22 Jahren! Morgen zapft Heinz Mohri zum letzten Mal sein leckeres Softeis in der City.

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Macht Feierabend: Heinz Mohri zapft heute und morgen sein letztes Softeis in der Altwismarstraße. Dann geht der Rentner in den wohl verdienten Ruhestand. In Wismar geht damit auch ein Stück „Kult“ gepaart mit persönlichem sozialen Engagement zu Ende.

Quelle: Ina Schwarz

Wismar. Nach über 22 Jahren macht der „Eis-Mohr“ in der Innenstadt morgen die Schotten endgültig dicht. In der Altwismarstraße geht damit ein Stück „Kult“-Geschichte zu Ende. „Ich bin im Juli Rentner geworden“, erzählt Heinz Mohri. Die Tickets für eine Kreuzfahrt liegen bereit. Ende September legt er mit Frau und Freunden erstmal genüsslich ab. Feierabend!

Zwei Jahrzehnte lang stand Heinz Mohri hinter einer einfachen Durchreiche, dirigierte ein kleines bescheidenes Reich. Bier, Korn und Kümmel auf der einen Seite, Schokoriegel, Softeis und bunte Streusel auf der anderen. Ein deutlicher Spagat, der ihm immer friedlich und ohne Reibereien gelungen ist und über den im Stillen dennoch einige die Nase rümpften.

Hinter der grauen Fassade eines baufälligen Hauses schlug das Herz von Heinz Mohri vor allem auch für jene, die gesellschaftlich eher als Außenseiter gelten. „Ich habe Stammgäste, die schon Rentner sind, allein und sehr einsam oder auch sozial labil und mit Alkoholproblemen kämpfen“, erzählt der 65-Jährige. „Manche haben schon morgens vor der Öffnungszeit im Flur auf mich gewartet“, sagt Heinz Mohri. Nur einmal in zwei Jahrzehnten war er einen Tag krank. Auf Heinz und seinen Imbiss war immer Verlass.

Er ist einer, dem seine Gäste Lebensgeschichten anvertraut haben. Und er hat mehr als nur zugehört. „Ich habe so manches Formular ausgefüllt und Telefonat geführt“, erinnert sich der gebürtige Wismarer. „Hin und wieder musste ich auch deutlicher nachhelfen. Immer wieder wurden seine Gäste unverhofft zu Rat- und Hilfesuchenden. „Ich habe sie zum Arzt gefahren und auch im Krankenhaus besucht. Manchen habe ich auch die Leviten gelesen. Es gibt halt Menschen, die ganz anders sind“, fasst Mohri diesen Teil seines Lebenswerkes schlicht und ohne großes Gewese zusammen.

Eis war immer seine Leidenschaft. Er selbst mag am liebsten „Malaga“, das mit Rosinen. „Anfang der 1990er-Jahre, als es den ,Weltspiegel‘ noch gab, standen die Leute nach dem Kino hier Schlange“, schwelgt der gelernte Klempner in Erinnerungen. Eines seiner weiteren Höhepunkte im Album der beruflichen Erinnerungen: „Als die Kelly-Family nach der Wende das erste Mal in Wismar war, stand ich mit meinem Eiswagen auf dem Markt“, erzählt Mohri. „Und da kam Maite Kelly — damals die Kleinste in der Runde — und hat sich bei mir ein Schokoeis geholt.“

So wie Maite Kelly sind inzwischen viele Mohri-Eis-Fans groß. „Die kommen schon mit ihren eigenen Kindern“, sagt der sympathische Vater und Großvater lachend. Wer sein Softeis in Schokosoße getunkt noch einmal genießen möchte, hat dazu heute und morgen letztmalig in der City Gelegenheit. Auch im Tierparkt, wo der Eis-Mann die Besucher viele Jahre mit Snacks versorgte, gehört das Mohri-Männchen als Logo Ende Oktober der Vergangenheit an.

Ich freue mich auf Pilze sammeln und angeln.“Heinz Mohri (65), kultiger Eis-Mann

 

Ina Schwarz

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