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Endlich: Grevesmühlener Tafel eröffnet nächste Woche

Grevesmühlen Endlich: Grevesmühlener Tafel eröffnet nächste Woche

Ein Verein ist gegründet, Räumlichkeiten sind gefunden / 21 Ehrenamtliche engagieren sich / Anmeldungen sind am 2. und 3. Juni möglich / Die Warenausgabe startet ab 6. Juni

Grevesmühlen. Lange stand das Projekt „Tafel Grevesmühlen“ auf wackligen Füßen, doch nun kommt endlich Bewegung in die Sache. Der Verein ist unter „Neue Grevesmühlener Tafel“ gegründet, Räumlichkeiten in der Wismarschen Straße 18 gefunden. Anmeldungen Bedürftiger sind am kommenden Donnerstag und Freitag möglich, die ersten Waren sollen in der Woche darauf verteilt werden. „Ich freue mich, dass es endlich losgeht“, sagt der Vorsitzende Jürgen Schulte.

Der 58-jährige Rentner aus Gostorf hat 20 Mitstreiter finden können, die sich ehrenamtlich für die Tafel engagieren. Auch wenn einige Dinge noch nicht vorhersehbar und dadurch nicht planbar sind:

Alle sind hoch motiviert. Zum Beispiel könne Schulte noch nicht sagen, an welchen Tagen Waren ausgegeben werden und welche. Das müsse die Erfahrung mit sich bringen, welches Unternehmen ihnen welche Nahrungsmittel zur Ausgabe zur Verfügung stellt, sagt er. Feste Zusagen gebe es schon von Arla, Lieken und Marktkauf. Auch mit Netto, Norma und Lidl sei man in Verhandlungen.

Was feststeht: „Grundsätzlich ist ein Tag in der Woche für die Ausgabe vorgesehen“, so Schulte. Und: Die Kosten für ein Grundpaket sind satzungsgemäß mit 3,50 Euro festgelegt worden. Schließlich müsse der Verein die Miete sowie die Kosten für Wasser, Strom und Diesel zahlen können, so Schulte.

Die 100 Quadratmeter große Unterkunft in der Wismarschen Straße hat der Verein kostengünstig von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (Wobag) mieten können. „Die Stadt hat uns großartig unterstützt und hat unter anderem die Kosten für den Bodenbelag übernommen“, erklärt Axel Apmann, Stellvertreter von Jürgen Schulte. Alles andere haben sich die Mitglieder „zusammengeborgt“, wie Apmann sagt. Regale, Computer, eine Sitzecke, Tische, Stühle, Kühlschränke, Gefriertruhen, Farben für die Wand – um nur einige Dinge aufzuzählen.

Nutzen darf das Angebot der Tafel jeder Hartz-IV-Empfänger und Rentner, der seinen Hauptwohnsitz in der Stadt Grevesmühlen oder in den Ämtern Grevesmühlen-Land, Klützer Winkel und Schönberger Land hat.

„Amtliche Dokumente wie Hartz-IV- oder Rentenbescheid müssen bei der Anmeldung im Original vorgelegt werden“, merkt Jürgen Schulte an. Nach Prüfung und Bestätigung würden die Antragsteller eine Bezugsmarke bekommen. Mit einem System aus farbigen Karten – je nach Anzahl der Familienmitglieder – und Abhaken auf Listen soll verhindert werden, dass manche sich mehrfach Waren holen. „Den Tipp haben wir vom Lübecker Verein bekommen. Auch, dass anerkannte Flüchtlinge, die einen Hartz-IV-Bescheid vorweisen können, an einem gesonderten Tag kommen, um Reibereien zu vermeiden“, so Schulte.

Mindestens einmal in der Woche sollen Supermärkte und Discounter in der Umgebung angefahren werden. „Das Autohaus ,Wandel und Partner’ sponserte uns ein Lieferfahrzeug. Dafür sind wir sehr dankbar“, freut sich Jürgen Schulte. Vor Ort in der Wismarschen Straße können sich Bedürftige dann von ehrenamtlichen Helfern die Waren zusammenpacken lassen, die sie benötigen.

Wie das Angebot der Tafel letztlich genutzt wird, könne Jürgen Schulte nicht voraussehen, wie er sagt. Fakt ist: „Viele Rentner haben mich schon gefragt, wann es endlich losgeht.“

Bis Ende 2014 hatte es in Grevesmühlen eine Tafel gegeben, die von der Arbeiterwohlfahrt betrieben wurde. Sie gab das Projekt aufgrund von Personalproblemen auf. Lange Zeit wurde ein Nachfolger gesucht. Karitative Organisationen winkten wegen des logistischen Aufwands ab. Im neuen Verein engagieren sich laut Jürgen Schulte vor allem Rentner und Hartz-IV-Empfänger.

Zahlen und Fakten

Anmeldung: Bedürftige, die das Angebot der Grevesmühlener Tafel nutzen möchten, können sich am 2. und 3. Juni in der Zeit von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr in der Wismarschen Straße 18 anmelden. Dort wird auch bekannt gegeben, wann sie das erste Mal Ware abholen können.

Mehr als 900 Tafeln gibt es derzeit in Deutschland. Alle sind gemeinnützige Organisationen. Bundesweit unterstützen sie regelmäßig mehr als 1,5 Millionen bedürftige Personen mit Lebensmitteln – knapp ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche.

Nach Angaben einer ehemaligen Mitarbeiterin bei der Tafel, die die Arbeiterwohlfahrt (Awo) bis Ende 2014 betrieb, hätten zum Schluss 40 Hilfebedürftige pro Tag das Angebot genutzt.

Jana Franke

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